VonEva Burghardtschließen
Die einen lieben ihn, die anderen hassen ihn: der Kugelbaum auf dem Weihnachtsmarkt in Gelsenkirchen. In diesem Jahr wird er nicht mehr aufgestellt.
Gelsenkirchen – Dass es unterm Weihnachtsbaum Diskussionen gibt, kann vorkommen. Selten ist dabei wohl der Baum selbst der Auslöser. Anders ist das in Gelsenkirchen (NRW). In den sozialen Netzwerken scheinen sich gerade Teile der Stadt in zwei Lager zu teilen. Die einen freuen sich, die anderen klagen: Der blau-weiße Kugelbaum wird in diesem Jahr nämlich nicht mehr auf dem Weihnachtsmarkt in der Innenstadt zu sehen. Wegen Vandalismusschäden, wie das Stadtmarketing berichtet.
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Aber der Reihe nach: Seit 2010 stand auf dem Weihnachtsmarkt am Neumarkt in Gelsenkirchen der Kugelbaum. Statt Tannennadeln hatte der leuchtende blaue und weiße Kugeln. Stadtmarketing und City Initiative in Gelsenkirchen hatten den Auf- und Abbau in den letzten Jahren übernommen.
Die Kugeln am Baum sollten „die Sonnenbälle des Winterlichts“ aufgreifen und zu imposanter Höhe türmen, heißt es bei der City Initiative in einem Beitrag aus dem Jahr 2018. Mit dem Blau werde die Verbindung zu Gelsenkirchen symbolisiert. Das passt, schließlich leuchtet in Gelsenkirchen nachts eine ganze Straße blau.
Schöne Weihnachtsmärkte im Ruhrgebiet – die ersten starten im November




Die Kugeln sollen außerdem für die Wandreliefs am Musiktheater, den örtlichen Fußballverein und die Farbe des Stadtdesigns stehen. Die weißen „Sonnenbälle“ symbolisieren demnach die Sonne. Den mutmaßlich „günstigsten Weihnachtsmarkt Deutschlands“ gibt es übrigens am anderen Ende des Ruhrgebiets.
Wie die City Initiative Gelsenkirchen mitteilt, sei der Baum über die Jahre zu einem der meistfotografierten Motive in Gelsenkirchen geworden. Ein über die Stadtgrenzen bekannter Weihnachtsbaum. „Er ist einzigartig, spektakulär und polarisierend“, schreibt die City Initiative. Vor allem der letzte Punkt scheint zuzutreffen: Seitdem bekannt ist, dass der Baum in diesem Jahr fehlen wird, kochen auf Facebook die Emotionen hoch. Auch in Dortmund gibt es Streit wegen eines Baums auf dem Weihnachtsmarkt, dabei geht es allerdings um dessen Spitze.
Der Kugelbaum in Gelsenkirchen
► Der Baum mit den blauen und weißen Kugeln statt Tannennadeln wurde 2010 zum ersten Mal aufgestellt.
► Er war 12 Meter hoch und 6,50 Meter breit.
► Der „Kugelbaum“ wurde mit Mitteln aus dem „Stadtumbauprogramm Gelsenkirchen City“ finanziert.
► Um den Auf- und Abbau kümmerten sich die Stadtmarketinggesellschaft aus Gelsenkirchen in Kooperation mit der City Initiative.
► Die blauen Kugeln stehen für die Verbindung zu Gelsenkirchen und beziehen sich dabei auf die blauen Kunstreliefs im Musiktheater, Schalke 04 und das Stadtdesign. Die weißen Kugeln verkörpern die Sonne.
► Der Kugelbaum ist mutmaßlich einer der am meisten fotografierten Motive aus Gelsenkirchen.
(Quelle: City Initiative Gelsenkirchen)
Wegfalls des Kugelbaums wird auf Facebook kontrovers diskutiert
Wie Stadtmarketing und Citiy Initiative bekannt geben, fehlt der Baum in diesem Jahr wegen Vandalismusschäden und Materialermüdung. Die Reparatur- und Überarbeitungskosten sind zu hoch. Deswegen gibt es in diesem Jahr einen „traditionell geschmückten Weihnachtsbaum“, berichtet das Stadtmarketing.
Doch das finden nicht alle gut. „Ohne Kugelbaum, ich glaub‘s nicht“, schreibt ein Nutzer unter dem Beitrag des Stadtmarketings. Ein anderer kommentiert bei der City Initiative: „Ich weiß nicht, ob ich mit so viel Veränderung in meinem Leben klarkomme.“ Es sei „sehr, sehr schade“, schreibt ein Nutzer. „Denn er passt zu Gelsenkirchen.“
Andere hingegen freuen sich und danken niemand anderem als dem Allmächtigen persönlich. „Gott sei Dank. Die Gebete wurden erhört“, schreibt eine Nutzerin. Endlich sei die „blau weiße Schande“ in der Innenstadt weg. Dann schickt sie noch ein „Adios“ an den „Möchtegern-Baum“ hinterher und begrüßt den „schönen neuen Baum“.
Der Weihnachtsmarkt in der Innenstadt in Gelsenkirchen
►Wann? Vom 24. November bis 23. Dezember.
►Öffnungszeiten? Montags bis samstags von 11 bis 22 Uhr; sonntags von 12 bis 22 Uhr.
►Ende November starten zahlreiche Weihnachtsmärkte im Ruhrgebiet.
Jemand anderes freut sich, dass es endlich eine richtige Tanne gibt. Er sei schon immer „Gegner dieses hässlichen Teils“ gewesen. „Der Baum war so prollig“, schreibt ein anderer. Doch es gibt auch Vorschläge, wie der neue Baum die richtige Ruhrpott-Atmosphäre verströmen könnte, etwa mit ein paar Grubenlaternen als Schmuck, schlägt jemand vor. Dann könne er der schönste Baum in NRW werden. (ebu)
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