Pakettransport per Drohne: Erster deutscher Linienflug in Lüdenscheid
VonLeon Malte Cilsik
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Mit einem ersten erfolgreichen Flug ist am Mittwoch eine neue Drohnen-Airline in Lüdenscheid gestartet. Laut Luftfahrt-Bundesamt ist das eine bundesweite Premiere.
Lüdenscheid – Der Verkehr in und um Lüdenscheid raubt den Menschen seit der Sperrung der A45 vor mittlerweile mehr als zwei Jahren Zeit und Nerven. Für lokale Unternehmen haben die Staus jedoch einen weiteren unschönen Nebeneffekt, werden sie doch zum nicht zu unterschätzenden Kostenfaktor bei der Logistik.
Die Transporte dauern länger, teilweise steuern Lieferanten Lüdenscheid gar nicht mehr an. Nicht erst seit der Brückensperrung arbeitet die Firma Koerschulte an einem Logistikkonzept, bei dem all diese Faktoren keine Rolle spielen.
Das erklärte Ziel war von Beginn an der Aufbau einer Drohnen-Airline in Lüdenscheid. Nun hat das Luftfahrt-Bundesamt eine Betreiber-Genehmigung erteilt. Und auch die erste Fluglinie wurde bereits freigegeben – der angepeilte tägliche Regelbetrieb ist nach Angaben der Behörde dabei eine bundesweite Premiere.
„On demand“ – also bei Bedarf – bringt fortan eine Transportdrohne Produkte des Lüdenscheider Metallwarenhändlers zur rund einen Kilometer entfernten Firma Hotset – und zwar schneller als es jeder Lieferwagen könnte.
Das zumindest behauptet Norman Koerschulte, einer der Geschäftsführer des Familienunternehmens und Initiator der Drohnen-Pläne: „Die sogenannte ‘letzte Meile’ ist wegen der vielen Straßen, Baustellen und Tempolimits immer die teuerste und komplizierteste. 50 Meter darüber ist hingegen alles frei.“
Außerdem könnten so täglich einige Fahrten eingespart werden, ginge es doch – überspitzt formuliert – auch darum, „keinen Lieferwagen mehr wegen eines Päckchens Schrauben losschicken zu müssen“.
Pakettransport per Drohne: Erster Linienflug in Lüdenscheid
Das Prinzip ist in Lüdenscheid nicht neu: Schon im November 2020 startete die erste Drohne in Richtung der Firma Hotset. Seitdem arbeitete der Drohnen-Logistik-Service in einem Testmodus, bis das Luftfahrt-Bundesamt nun den Linienflugbetrieb genehmigt hat.
„Das hat rund zwei Jahre gedauert, da unser gesamtes Konzept überprüft werden musste. Für jede neue Route, die wir beantragen, geht es nun schneller“, sagt Koerschulte. Bereits in wenigen Wochen erwarte er die Freigabe für weitere vier Fluglinien in Lüdenscheid, perspektivisch sollen es bis zu 20 werden. „Dann würden wir pro Tag sicherlich rund 80 Drohnen starten“, schätzt Koerschulte.
Für die Hardware ist dabei der Bielefelder Drohnenhersteller Third Element Aviation verantwortlich. „Unsere Transportdrohnen fliegen vollautomatisiert, können Pakete bis 6,5 Kilogramm tragen und haben eine reine Flugdauer von 45 Minuten“, zählt Geschäftsführer Marius Schröder die Fakten zum neuesten Modell „Auriol“ auf.
Vier wiederaufladbare Akkus, die mit Ökostrom betrieben werden können, sollen die Lieferungen zudem nachhaltiger machen als den Weg über die Straße.
Pakettransport per Drohne: Leitstelle überwacht die Flüge
Auch wenn die Drohnen vollautomatisiert sind und prinzipiell alleine ihr Ziel finden, überwachen Mitarbeiter der Firma Koerschulte in einer eigens dafür eingerichteten Leitstelle durchgehend, ob das auch funktioniert.
Nach Angaben des Unternehmens hat jeder von ihnen den nötigen Drohnenführerschein und wurde im Umgang mit den eingesetzten Modellen geschult.
„Sie entscheiden, ob die Witterung einen Start erlaubt und können bei Abweichungen auch jederzeit in die Flüge eingreifen“, sagt Koerschulte. Ein Pilot könne dabei bis zu zehn Drohnen überwachen. „Zur Sicherheit hat aber auch jede Drohne einen Fallschirm integriert“, betont der Geschäftsführer.
Erste Drohnen-Fluglinie Deutschlands in Lüdenscheid gestartet.
Noch transportieren die Drohnen zwar ausschließlich Ware der Firma Koerschulte, doch künftig solle dieser Service auch anderen Firmen landes- und sogar bundesweit angeboten werden.