- VonFrank Lahmeschließen
Die „Ausländer-raus“-Rufe vom Rosenmontagsumzug in Hamm sind auch am Aschermittwoch nicht verhallt. „Ein paar Einzelpersonen machen alles kaputt“, klagen die Karnevalisten.
Hamm - Das Festkomitee Hammer Karneval (FHK) hat nach den „Ausländer-raus“-Parolen beim Rosenmontagsumzug wie angekündigt Strafanzeige wegen Volksverhetzung gestellt. Das bestätigte Polizeisprecher Daniel Siegesmund am Mittwoch, 5. März, gegenüber wa.de. Die Strafanzeige richte sich gegen einen Tatverdächtigen und sei am Mittwochvormittag gestellt worden. Die weiteren Ermittlungen werde nun der Staatsschutz aus Dortmund übernehmen.
„Ausländer-raus“-Rufe bei Karnevalsumzug in Hamm: „Das war unter anderem ich“
Wie berichtet, hatten Mitglieder einer Fußgruppe, die aus Fans der Hammer Eisbären bestand, am Rosenmontag für einen Eklat gesorgt. Als der Zug in Höhe der Josefstraße im Hammer Westen angelangt war, hatte mindestens einer aus der Gruppe „Deutschland den Deutschen“ und „Ausländer raus“ gegrölt und war dabei gefilmt worden. Das 12-Sekunden-Video wurde bis Dienstagmittag mehr als 30 000 Mal bei Instagram angeschaut, ehe es von den Administratoren des Social-Media-Dienstes vom Netz genommen wurde.
Die Karnevalisten sehen sich seitdem um den Lohn ihrer Arbeit gebracht. Rund 900 Menschen hatten sich an dem Umzug aktiv beteiligt, 24 000 Menschen waren nach Polizeiangaben bei (endlich mal) strahlendem Wetter zum Zug gekommen. Die Polizei hatte am Rosenmontag keinerlei karnevalsbedingte Einsätze registriert – in früheren Jahren war das durchaus anders gewesen. „Das ist alles so schade. Ein paar Einzelpersonen machen das alles kaputt“, sagte Pascal Chmielnicki, Medienberater des FHK, dem WA.
KG verurteilte die Vorfälle aufs Schärfste
Das FHK werde sich im „Lauf des Monats“ zusammensetzen und über mögliche Konsequenzen beraten, sagte Chmielnicki. Die „KG Jecke Eisbären e.V.“, die an dem Zug mit einem Prunkwagen teilgenommen hatte, wird an diesem Donnerstag Geschichte sein. Die Auflösung des Vereins habe seit Monaten festgestanden, teilte deren Präsident Tobias Huster mit. Auch die KG verurteilte die Vorfälle aufs Schärfste. „Rechtsradikale Parolen, Intoleranz und Hass haben weder im Sport noch im Karneval ihren Platz“, so Huster. Mit der Fußgruppe habe die KG nichts zu tun gehabt. Deren Teilnehmer hätten ihren Auftritt in diesem Jahr selbst organisiert. Auf dem Prunkwagen habe man Rosenmontag nichts von den Vorfällen mitbekommen.
Die Hammer Eisbären hatten sich am Dienstag bereits entschieden gegen die Vorfälle ausgesprochen und diese verurteilt. Weder Spieler noch Offizielle seien am Zug beteiligt gewesen. Die am Dienstag angekündigten Stadionverbote seien bereits umgesetzt worden, sagte Philipp Alberti vom Eisbären-Management wa.de. Dies betreffe zwei Personen.
Einer der mutmaßlichen Parolenrufer hatte am Dienstag in Sozialen Netzwerken ebenfalls reagiert. „Ja, das war unter anderem ich“, hatte er geschrieben. Es tue ihm „wahnsinnig leid, dass ich das gesungen habe“. Er habe „eindeutig zu viel Alkohol“ intus gehabt, was aber keine Entschuldigung sei. „Ich weiß selber nicht, warum ich das gemacht habe und mich dazu verleiten lassen habe, mit anderen das mitzusingen.“
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