Pläne für Hamm

Pelkum ausgebremst: Nahverkehrsplan bevorzugt anderen Bahnhaltepunkt

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Ein Halt für die Zukunft? Nahe des Bahnübergangs Friedhofsweg könnte der Bahnhaltepunkt „Hamm-Selmigerheide“ entstehen. Er hat einen möglichen Haltepunkt in Pelkum ausgestochen.
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Wo wird der nächste Bahnhaltepunkt in Hamm gebaut? Im Stadtbezirk Pelkum, klar - aber wo dort? Es kann nur einen geben...

Pelkum/Selmigerheide – Im Stadtbezirk Pelkum gibt es zwei potenzielle Standorte für einen Bahnhaltepunkt: in der Selmigerheide im Bereich Friedhofsweg / Behringstraße (Bahnstrecke Hamm – Dortmund) sowie in Pelkum am ehemaligen Bahnhof (Osterfelder Bahn). Weiterverfolgt werden soll aber nur einer – und zwar der in der Selmigerheide, wie im Entwurf zum Nahverkehrsplan (NVP) 2023 für Hamm nachzulesen ist. Dort wurden die Realisierungschancen beider Standorte untersucht.

Für einen Haltepunkt an der Osterfelder Bahn wären deren Reaktivierung für den Personenverkehr sowie eine Streckenertüchtigung erforderlich. Dies ist wenig realistisch, da nach Einschätzung des Zweckverbands Nahverkehr Westfalen-Lippe „zu wenig Fahrgastpotenzial auf der Gesamtstrecke vorhanden ist“. Zudem werde die Strecke schon heute stark vom Güterverkehr genutzt – Tendenz stark zunehmend.

Durch eine mögliche Reaktivierung der Strecke Hamm – Osterfeld würden ferner Fahrgastpotenziale von der geplanten S-Bahn Dortmund – Kamen – Hamm abgezogen. „Daher wird vorgeschlagen, die Anbindung des Stadtquadranten Pelkum über einen neuen Haltepunkt ,Hamm-Selmigerheide’ zu entwickeln und hier eine Anbindung an die S-Bahn anzustreben“, so das Fazit.

Bahnhaltepunkt in Pelkum: gleich mehrere Vorteile

Aus Sicht der Gutachter hätte der Bau des Haltepunkts „Hamm-Selmigerheide“ gleich mehrere Vorteile. Der Ausbau der Bahnstrecke Dortmund – Hamm sei vom Bund bereits als zentraler Baustein der verbesserten und beschleunigten Anbindung Ruhrgebiet – Hannover – Berlin/Hamburg im so genannten Deutschlandtakt enthalten. Zudem wäre ein Haltepunkt am Friedhofsweg mit den Absichten des Zweckverbands Nahverkehr Westfalen-Lippe kompatibel. Der durch die geplanten Maßnahmen erforderliche Streckenausbau könne einen zusätzlichen Halt in der Selmigerheide berücksichtigen.

„Der NWL wird die Planungen zum Bau des Haltepunktes unterstützen“, so die Stadt. Ein zusätzlicher Halt passe auch gut zur geplanten Verlängerung der S-Bahn von Dortmund nach Hamm. Und: Die Verbindung über die Bahnstrecke Dortmund – Hamm ermögliche eine im Vergleich zur Osterfelder Bahn wesentlich kürzere Fahrzeit ins zentrale Ruhrgebiet.

Auf dem Abstellgleis: Auf der Bahnstrecke Hamm-Osterfeld – hier mit dem Bahnhof Pelkum – werden wohl auch in Zukunft keine Personenzüge fahren.

Bahnhaltepunkt in Pelkum: Das sind die Probleme

Aber: Wie realistisch sind die Pläne? Und vor allem: Wann ist mit einer Umsetzung zu rechnen? Fakt ist: Sofort lässt sich das Projekt nicht realisieren, da „komplexe Abhängigkeiten“ bestehen: „Voraussetzung ist der Streckenausbau Dortmund – Hamm im Zuge der Umsetzung des Deutschlandtakts durch den Bundesverkehrswegeplan.“

Doch es gibt noch ein Problem: Bei einem 1000-Meter-Radius um den Haltepunkt können rund 4500 Bewohner erschlossen werden. Das sind teilweise deutlich weniger als an den Haltepunkten in Heessen (8 400) und Westtünnen (5 100), aber mehr als in Bockum-Hövel (3 800). Dennoch: Mit 4500 Einwohnern werden weder das Nachfragepotenzial noch die städtebaulichen Entwicklungsmöglichkeiten voll ausgeschöpft. Aus diesem Grund wäre es zielführend, perspektivisch die Potenziale durch eine Siedlungsentwicklung im Nahbereich zu verstärken, heißt es im NVP. Als Blaupause könnte die geplante wohnbauliche Entwicklung südlich des Haltepunktes Westtünnen dienen.

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