- VonLeon Malte Cilsikschließen
Personalmangel und hoher Krankenstand: Die Belastung für die MVG-Mitarbeiter ist derzeit hoch. Die Verkehrsgesellschaft will reagieren – das hat Folgen für den ÖPNV.
Lüdenscheid – Bundesweit bekommen ÖPNV-Nutzer den Fachkräftemangel zu spüren. Ausfallende Fahrten und teils ausgedünnte Fahrpläne schränken insbesondere diejenigen in ihrer Mobilität ein, die auf ein Auto verzichten wollen oder müssen.
Der Märkische Kreis bildet da keine Ausnahme. Notgedrungen sitzen bei der MVG inzwischen auch Verwaltungsmitarbeiter mit Busführerschein am Steuer, um zumindest den Schulverkehr zu stabilisieren. Doch auf Dauer strebt die Verkehrsgesellschaft eine andere Lösung an.
„Wir befinden uns in einem absoluten Dilemma“, sagt MVG-Geschäftsführer Stefan Janning. „Einerseits werben wir mit dem Deutschlandticket um mehr Fahrgäste. Auf der anderen Seite zwingt uns der dramatische Mangel beim Fahrpersonal zu unpopulären Fahrtenausfällen.“ Dazu komme es aktuell täglich, die Verkehrsgesellschaft listet die betroffenen Linien stets auf ihrer Webseite auf.
Personalnot bei der MVG: Umkämpfter Arbeitsmarkt
Das ganze Ausmaß des Dilemmas erklärt Pressesprecher Jochen Sulies: „Der Arbeitsmarkt für Fahrpersonale ist quasi nicht mehr existent. Wir können nicht kurzfristig reagieren und neues Personal einstellen.“ Zumal das verkehrsgebeutelte Lüdenscheid als Arbeitsort für viele Bewerber inzwischen zum Ausschlusskriterium geworden sei.
„Seit Monaten müssen unsere Busfahrer überdurchschnittlichen Einsatz zeigen“, sagt Sulies, betont aber zugleich, dass das keine dauerhafte Lösung sein könne: „Wir haben derzeit atypisch hohe Krankenstände – sowohl bei der Anzahl der Erkrankten als auch deren Erkrankungsdauer. Unsere Angestellten kommen an ihre Grenzen.“
Das gelte auch für die zahlreichen Auftragnehmer, die rund 50 Prozent der MVG-Verkehrsleistungen übernehmen: „Teilweise werden diese Ausfälle erst durch unsere Leitstelle festgestellt. Je nach Entfernung zur nächsten Betriebsstelle können wir diese Fahrten nicht immer ersetzen und unsere Kunden nur kurzfristig darüber informieren“, erklärt Sulies.
MVG peilt Sonderfahrplan an: Gespräche mit Politik und Verwaltungen
Vor diesem Hintergrund könne die MVG derzeit nur den Schülerverkehr priorisieren und die Ausbildung in der eigenen Fahrschule forcieren – unter anderem mit einem neuen Fahrlehrer. Doch in den kommenden Monaten strebt die Verkehrsgesellschaft eine andere Lösung an.
„Wir wollen künftig nur noch so viel Fahrplan anbieten, wie wir auch tatsächlich fahren können“, beschreibt Sulies die Idee eines „leicht reduzierten“ Sonderfahrplans, der ab sofort mit Politik, Märkischem Kreis sowie den Städten und Gemeinden abgestimmt werden solle.
„Wir wollen dabei den Schülerverkehr vollumfänglich beibehalten und die Daseinsvorsorge beachten“, betont der Pressesprecher. „Stattdessen wollen wir Parallelverkehre untersuchen und enge Taktungen in Frage stellen.“ Wann genau der Sonderfahrplan in Kraft treten soll, stehe auch im Hinblick auf ungeklärte Rechtsfragen noch nicht fest.
Abschließend bleibe Geschäftsführer Stefan Janning dazu nur zu sagen: „Wir bitten unsere Kunden ausdrücklich um Verständnis. Aber wir wollen Verantwortung für unsere Mitarbeiter übernehmen und für deutliche Entlastung sorgen.“
Deutschlandticket besonders bei ÖPNV-Nutzern beliebt
„Das Auto lässt deswegen kaum jemand stehen.“ So lautet eine wesentliche Erkenntnis der MVG nach rund fünf Monaten mit dem Deutschlandticket – transportiert von Pressesprecher Jochen Sulies. Bezogen auf den Westfalentarif seien nur 0,5 Prozent der Neukunden ehemalige Nicht-ÖPNV-Nutzer. „Dennoch ist das Deutschlandticket ein tolles Instrument, das die übrige Tariflandschaft zwar nicht redundant macht, innerhalb dieser aber gerne genutzt wird“, sagt Sulies. Die Zahlen dazu: Zwischen April und Juni – das Deutschlandticket ist am 1. Mai gestartet – seien die Abozahlen bei der MVG um rund 3000 (circa 27 Prozent) gestiegen. Für viele, die vorher schon MVG-Kunden waren, bisher aber beispielsweise Einzel- oder Mehrfachtickets genutzt haben, stelle das Angebot somit eine günstigere Alternative dar. Und auch unter den Abo-Kunden ist das Deutschlandticket beliebt, aktuell belaufe sich der Anteil unter allen abgeschlossenen Abos auf 70 Prozent.
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