Teurer Tierarztbesuch im Stall

„Preisexplosion“: Pferdehalter und Reiter klagen über Tierarzt-Kosten

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Pferdebesitzer sind verärgert: Die Kosten für den Tierarzt steigen. Teils ist von einer Verdopplung der Rechnungen die Rede. Eine Petition wurde gestartet.

Warendorf – Reitsport gilt als teures Hobby. Seit etwas mehr als einem Jahr kommen nun noch deutlich höhere Tierarztkosten hinzu. Das verärgert Tausende Pferdebesitzer. Knapp unter 100.000 Menschen haben deshalb im Internet eine Petition unterschrieben, mit der sie Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir (Grüne) auffordern, die seit Ende 2022 geltende neue Gebührenordnung für Tierärzte (GOT) zu überprüfen und anzupassen.

„Preisexplosion“: Pferdehalter und Reiter klagen über Tierarzt-Kosten

Im Petitionstext ist die Rede von einer „Preisexplosion“. Die Rechnungen hätten sich oft mehr als verdoppelt, berichtet Soenke Lauterbach, Generalsekretär der Deutschen Reiterlichen Vereinigung FN in Warendorf in NRW. „Das ist für viele Tierbesitzer nicht mehr leistbar.“ FN ist der Dachverband der Pferdezüchter, Reiter, Fahrer und Voltigierer. Er hatte die Petition im November angeschoben.

Die neue Gebührenordnung für Tierärzte gilt seit November 2022. Sie legt bundesweit einheitliche Sätze fest. Für die Untersuchung eines Hundes oder einer Katze müssen Tierhalter zum Beispiel seither 23,62 Euro bezahlen – statt zuvor 13,47 Euro beim Hund und 8,98 Euro bei der Katze. Die neue Gebührenordnung soll sicherstellen, dass Tierärzte ihre Praxen trotz gestiegener Kosten wirtschaftlich betreiben können.

Die Untersuchungsgebühr für ein Pferd stieg von 19,24 Euro auf 30,78 Euro. Zusätzlich müssen Pferdebesitzer die Fahrtkosten des Tierarztes und eine Hausbesuchsgebühr von mindestens 34,50 Euro zahlen. Diese kann nicht aufgeteilt werden. Impft ein Tierarzt also in einem Stall zehn Pferde von unterschiedlichen Besitzern, muss jeder der Tierhalter die Hausbesuchsgebühr zahlen. 

„Uns ist ganz wichtig zu betonen, dass sich die Petition nicht gegen die Tierärzte selbst richtet“, bekräftigt FN-Generalsekretär Lauterbach auf der Internetseite der Deutschen Reiterlichen Vereinigung. Man wolle, dass die Arbeit der Tierärzte fair entlohnt werde. Dafür sei eine Anpassung der Gebührenordnung notwendig gewesen. „Erhöhungen um 20 bis 30 Prozent wären nachvollziehbar und maßvoll gewesen“, so Lauterbach. Die Realität sieht jedoch in vielen Fällen anders aus. „Unsere Sicht der Dinge ist, dass über das Ziel hinausgeschossen wurde“, sagte FN-Präsident Hans-Joachim Erbel der „Neuen Osnabrücker Zeitung“.

Tierarztkosten verärgern Pferdehalter: 100.000 Menschen unterzeichnen Petition

Mit der Petition wird das Bundeslandwirtschaftsministerium nun aufgefordert, die Gebühren zu prüfen. Die Hausbesuchsgebühr soll nach dem Willen der Unterzeichner abgeschafft werden. Zumindest soll anerkannt werden, dass Pferde landwirtschaftliche Nutztiere seien. Für diese ist laut GOT keine Hausbesuchsgebühr vorgesehen. Die Unterschriften konnten online oder auf Papier geleistet werden. Alleine im Internet machten mehr als 97.000 Reiter, Züchter und Tierhalter mit.

Täglich träfen weitere Listen aus den Reitvereinen ein, hieß es in Warendorf. Mit einer Gesamtzahl sei nächste Woche zu rechnen. „Das zeigt, dass es nicht nur ein paar professionelle Zuchtbetriebe sind, die das Thema umtreibt, sondern dass es die ganz normalen Pferdesportler sind. Wir sind ein Querschnitt der Gesellschaft und viele Menschen können sich ihr Pferd gerade so leisten. Das wird deutlich, wenn man sieht, dass wir weit über 100.000 Unterschriften haben werden“, sagte Lauterbach Radio WAF.

Die Bundestierärztekammer verurteilt die FN-Petition „aufs Schärfste“. Die Anpassung der GOT 2022 sei „überfällig“ gewesen. Die FN wolle mit der Kampagne von eigenen Versäumnissen ablenken, so die Tierärztekammer Nordrhein. Der Verband habe es versäumt, sich als Interessenvertretung der Pferdehalter rechtzeitig in die Planungen der GOT einzubringen.

Ein ganz anderes Problem, das viele Tierbesitzer haben: In NRW werden kaum noch Haustier-Notdienste angeboten. In anderen Bundesländern sorgt ein Gesetz dafür, dass es nicht so weit kommt. In Nordrhein-Westfalen soll sich im Jahr 2025 etwas ändern.

Rubriklistenbild: © Christin Klose / dpa

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