VonKatharina Bellgardtschließen
Hohe Kosten sind keine Ausnahme, das Hobby Reiten wird immer teurer. 1600 bis 1800 Euro im Monat - so viel zahlt Pferdebesitzer Flemming Kreckel für seine beiden Tiere.
Hamm – „Pferde sollten doch für jedermann sein, oder?“ fragt Klaus Gräve mit Zweifel in seiner Stimme. Doch die Kosten für Pferdehalter sind mit der neuen Gebührenordnung für Tierärzte deutlich gestiegen. Der Springreiter besitzt die Reitsportanlage Gräve in Werries, seine Zweifel teilen viele seiner Kollegen. „Die Kosten haben sich verdoppelt“, sagt Vanessa Lödding vom Gut Lödding in Hamm-Mitte. Teile der gestiegenen Kosten sind für viele Pferdehalter nicht nachvollziehbar.
Werden Pferde unbezahlbar? „Das Hobby macht sich selbst kaputt“
Die neue Gebührenordnung gilt seit etwa einem Jahr, jetzt hat der Präsident der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN), Hans-Joachim Erbel, dringende Veränderungen gefordert. Erbel kritisiert, dass die Gebühren nicht um etwa 20 bis 30 Prozent erhöht worden waren, sondern die Kosten deutlich höher seien. Fast 100 000 Unterschriften gab es für die Petition der Vereinigung gegen die Tierarzt-Gebührenordnung.
Die Kosten steigen vor allem für Pferdehalter, betonte FN-Präsident Erbel: Pro Pferd wird jetzt eine Hausbesuchsgebühr von 34,50 Euro fällig, auch dann, wenn im selben Stall mehrere Tiere untersucht werden. Und das ist nur die erste Gebühr. „Wenn Reiten ein Breitensport bleiben soll, dann steuern wir in die falsche Richtung“, sagt Maike Gahr vom Aktivstall „HerzensGut“ in Flierich.
Finanzielles Risiko für Pferdebesitzer - hohe Rechnungen für den Tierarzt
Die gestiegenen Kosten steigern das Risiko für Pferdebesitzer, finanziell überfordert zu werden. „Wir merken, es trifft die Falschen“, sagt Maike Gahrs Ehemann Henning Gahr. Kleine Höfe, einzelne Pferdehalter haben nicht die Möglichkeit, Rahmenverträge mit Tierärzten zu schließen. Um Gebühren zu sparen, fahren die Pferdehalter ihre Tiere selbst zum Tierarzt, statt den Hausbesuch zu nutzen. Doch das bringt weitere Probleme mit sich. Für den Transport brauchen die Halter einen Anhänger und den passenden Führerschein, die Tierärzte brauchen die Klinikräume, um die Pferde in ihrer Praxis behandeln können, und die passenden Parkplätze.
Ricarda Müller von der Tierarztpraxis in Rhynern bestätigt, dass mehr Pferde in ihre Praxis kommen – viele sind es aber noch nicht. Häufiger kommen Besitzer mit ihren etwas kleineren Nutztieren wie Alpakas oder Schafen. Vanessa Lödding vom Gut Lödding hat mit 28 Pferden nicht die Möglichkeit, die Tiere einzeln zum Tierarzt zu fahren. „Wir organisieren Sammeltermine“, erklärt sie, so könnten zumindest einige Kosten eingespart werden. Sie stellt ihren Einstallern – den Pferdehaltern, die ihre Tiere bei ihr unterstellen – ihren Anhänger zur Verfügung, damit sie zum Tierarzt fahren können. Trotzdem haben sich die Kosten, so schätzt es Lödding ein, etwa verdoppelt.
Pferdbesitz bald nicht mehr bezahlbar? Neue Gebührenordnung für Tierärzte
In manchen Punkten hätten sie sich sogar noch deutlicher vervielfacht, bestätigt Maike Gahr. „Wir merken, dass die Kosten für viele Pferdebesitzer zur immer größeren Belastung werden. Viele sagen, wenn mein Pferd nicht mehr ist, werde ich mir kein neues anschaffen.“ Doch der Pferdesport setzt gerade darauf, einem breiten Publikum zugänglich zu sein. „Die Futtermittel sind moderat teurer geworden, die Hufschmiede und Pensionen auch. Nur die Tierärzte haben die Preise krass angezogen“, so Maike Gahr.
Pferdebesitzer Flemming Kreckel bestätigt, dass das Hobby immer teurer wird. 1600 bis 1800 Euro zahlt er im Monat für seine beiden Pferde, die in der Reitsportanlage Gräve stehen. Als Springreiter und mit einer Zuchtstute hat er eine hohe Belastung, weil die Tiere regelmäßig geimpft und untersucht werden müssen. Doch auch die Alltags-Pferdehalter klagen über hohe Kosten. Eine Reiterin gibt an, dass sie das Tier lieber von Werries in die Klinik nach Delbrück fährt, statt den Tierarzt zu rufen. „Es ist einfach günstiger“, sagt sie. Eine andere Reiterin will gar nicht an die Tierarztrechnung denken, die noch in ihrem Auto liege.
Mit der neuen Gebührenordnung sei das Pferd bald nicht mehr zu bezahlen, sagt auch Stallbesitzer Klaus Gräve. Er geht davon aus, dass nicht nur Reiten als Breitensport, sondern auch Zucht und Turniersport angegriffen werden, wenn sich niemand mehr Pferde und die tierärztlichen Behandlungen leisten kann. „Die Stallbesitzer, die Landwirte, die Hufschmiede, Halter und Tierärzte, wir alle zusammen gehören zu einem gesunden Pferdeleben“, bringt es Gahr auf den Punkt.


