Enttäuschter Solar-Investor

Photovoltaik-Ärger – „45.000 Euro auf dem Dach und null Ertrag“

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Karl-Günther Wiemer besitzt eine Photovoltaik-Anlage auf einer Kartoffelhalle in Lohne. Die ersten vier Monate speiste er den Strom umsonst ins Netz ein.
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Karl-Günther Wiemers Beitrag zum Klimaschutz sollte eine Photovoltaik-Anlage sein. Aber statt Ertrag gibt es nur Ärger mit der Westnetz.

Lohne – „Jetzt habe ich 45.000 Euro auf dem Dach und Null Ertrag“. Karl-Günther Wiemer ärgert sich. Im September 2023 hatten sich der 77-Jährige und sein Schwiegersohn auf der landwirtschaftlichen Scheune an der Bundesstraße 17 in Lohne eine Photovoltaik-Anlage aufs Dach bauen lassen. Doch seitdem ist von der Westnetz GmbH (ehemals VEW) noch kein Cent an Ertrag geflossen – und der Kredit läuft weiter.

„Das Geld hätte ich besser in Aktien angelegt“, macht Wiemer seinem Ärger Luft. Gleichzeitig aber ist er traurig darüber, dass ihm die Investition in eine klimafreundliche Zukunft mit der Anlage nicht gelungen ist.

Vier Monate in den Sand gesetzt

Dabei hatte es 2007 mit der ersten PV-Anlage auf dem Bauernhof seines Schwiegersohnes doch gut geklappt. Aus der Anlage zieht die Sander/Wiemer GbR seither den Strom für den Eigenbedarf – „das reicht allemal“ – und speist zusätzlich Energie ins öffentliche Netz. 2020 kam eine Kartoffelhalle hinzu und es reifte die Idee heran, auf ein großes Scheunendach eine zweite PV-Anlage mit einer Leistung von 40 Kilowatt (kW) anzubringen.

Im November 2022 wurde der Antrag bei der Westnetz GmbH in Arnsberg gestellt und der Elektriker bestellt, der schon damals die Anlage installiert hatte. Der aber zog sein Angebot im Januar zurück, mit der Begründung, dass nicht nur das Ausfüllen mehrerer Formulare, sondern auch eine Kommunikation mit der Westnetz nicht möglich sei. Auch ein zweiter Fachmann aus Welver strich nach mehreren Anläufen die Segel.  

Der Zähler ließ auf sich warten

Mithilfe einer Soester Firma hatte es dann geklappt. Im Sommer 2023 kamen die Module für 45.000 Euro aufs Dach, im September war die Anlage installiert – bis auf den Zähler für die Vergütung, den Westnetz selbst einbauen wollte. „Aber nichts passierte, trotz zahlreicher Nachfragen“, erinnert sich Wiemer. Im Januar 2024 dann kam der Zähler dran. Bis dato waren bereits vier Monate ohne Vergütung geflossen.

 Ich fühle mich ziemlich verloren und weiß nicht, wo ich ansetzen soll.

Karl-Günther Wiemer, Besitzer einer PV-Anlage

Wiemer meldete den Zählerstand nach und schickte auch alle erforderlichen Unterlagen. „Doch ich habe nichts mehr gehört“. Telefon, E-Mail – keine Antwort. Zeitweise seien Portale aufgrund technischer Portale nicht verfügbar, hieß es. Auch bei Durchwahlnummern ging niemand dran und bei der Hotline, so Wiemer, „landen Sie in Sachsen“.

Verlorene Unterlagen: Kampf gegen die Bürokratie

Er schrieb an die Geschäftsführung in Arnsberg, an die Hauptstelle in Dortmund, an das Ministerium für Energie in Düsseldorf und sogar an die Abrechnungsstelle in Münster.

Im August habe ihn dann ein Mitarbeiter der Westnetz GmbH angerufen. Er solle doch bitte verloren gegangene Unterlagen nachreichen. Wieder einmal? Hat er gemacht. Sogar noch im Oktober, als sich eine Sachbearbeiterin meldete und ein Kreuz bei der „Einspeisevergütung“ haben wollte. Doch danach war wieder Funkstille. Eine finale Rückmeldung würde ihn sehr beruhigen. „Ich fühle mich ziemlich verloren und weiß nicht, wo ich ansetzen soll“, ist Karl Wiemer angesichts der bislang getätigten Fehlinvestition schon ein wenig verzweifelt. Es ist nicht, dass er deswegen darben müsse, „aber Geld kann man besser investieren“, sagt er.

Viel Geld in den Sand gesetzt

Für die vier Monate wird er nichts mehr bekommen. Etwa 1000 Euro hat er damit in den Sand gesetzt. Einen Anwalt deswegen einzuschalten, lohne sich nicht. Für das Jahr 2024 indes, in dem der Zähler fleißig gelaufen ist, werde er ja wohl eine Vergütung bekommen. Nun überlegt er, sein Anliegen dem Landtagsabgeordneten Heinrich Frieling vorzutragen.   

Auf Nachfrage bei der Westnetz GmbH gibt die Pressestelle Auskunft darüber, dass die Anbringung in der Regel der Westnetz GmbH vorbehalten sei, es sei denn, der Elektriker ist registriert. „Dass die Installateure bei uns registriert sein müssen, wird aus Gründen der Qualitätssicherung so gehandhabt“, erläutert Patrick Plate von der Pressestelle, die nach mehreren Anläufen Auskunft gab.

Grundsätzlich befürworte man, dass Installateure die Zähler anbringen. „Das bringt für alle Seiten Vorteile“, so Pressesprecherin Annett Urbaczka, die das weitere Prozedere ausführt, wie es auch Karl Wiemer durchlaufen hat.

Anbringung der Zähler durch Westnetz-Monteuren

„Zunächst melden die Kunden ihre PV-Anlage über das Einspeiseportal der Westnetz an und benennen ihren Installateurbetrieb. Oder sie beauftragen ihren Installateur mit der Abwicklung über das Portal. In Ausnahmefällen, etwa bei komplexeren Messsituationen, werden die Zähler von Westnetz-Monteuren eingebaut. In Fällen, in denen ein intelligentes Messsystem, also ein Zähler mit Datenübertragung eingebaut werden muss, ist dies vor dem Hintergrund der Datensicherheit aktuell sogar gesetzlich vorgeschrieben“, so Urbaczka.

Die Stadtwerke Werl und die Firma Neuhaus präsentieren ihre Freiflächen-Solaranlagen an der Bergstraßer Weg in Werl.

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