Kölner Karneval

„Wir sind ein Veedel und kein Ballermann“: Anwohner-Demo wegen Plänen für den 11.11.

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Der Countdown für den 11.11. in Köln läuft – und mit ihm steigt die Angst der Anwohner vor „vollgepinkelten Eingängen“ und Erbrochenem auf der Straße.

Köln – Der 11. November 2022 war für die Anwohnerinnen und Anwohner rund um die Zülpicher Straße ein trauriger Höhepunkt. Seit Jahren beschweren sich die Menschen im sogenannten Kwartier Latäng über die Karnevalszustände in ihrem Veedel. Bei der Sessionseröffnung im letzten Jahr eskalierte es für die Bewohnerinnen und Bewohner komplett: Bereits am frühen Vormittag ertrank der Bereich in Müll. Der Andrang: zu groß für die Zülpicher Straße und die umliegenden Straßen und Plätze. Schnell war klar: So kann es nicht weitergehen. „Wir haben genug. Wir wollen das nicht“, hieß es von vielen Bewohnerinnen und Bewohnern sowie Gastronomen – und dennoch: Die Befürchtungen, dass sich das ganze wiederholt, sind groß.

Die Anwohner der Zülpicher Straße demonstrieren gegen die Party-Zone am 11.11. (Symbolbild)

11.11. in Köln: Anwohner in Sorge – „exzessives feiern und saufen“

Zwar wurde das offizielle Sicherheitskonzept für den Kölner Karneval und vor allem für die Zülpicher Straße noch nicht offiziell vorgestellt, die Bürgergemeinschaft Rathenauplatz e. V. hat jedoch die Sorge, dass die Maßnahmen auch in diesem Jahr wieder nicht ausreichen. „Die Stadt überlässt den öffentlichen Raum in unserem Viertel feierwütigen Menschen, die sich den Besuch in der Kneipe angeblich nicht leisten können oder wollen. Stattdessen mit Kiosk-Schnaps und Supermarkt-Bier auf unseren Straßen und im Grüngürtel exzessiv feiern und saufen“, heißt es unter anderem.

Für die Anwohnerinnen und Anwohner ist klar: „Die Stadt Köln nutzt den Karneval als Aufhänger, um immer mehr trinkwütige Touristen in die Stadt zu locken. Mit dem klassischen Kölschen Karneval haben die Besäufnisse am 11.11. und an Karneval nichts mehr zu tun.“ Die Vorwürfe der Bürgergemeinschaft wiegen schwer. Die Anwohnerinnen und Anwohner sind „eher lästige Manövriermasse, die gerade noch gut genug dafür ist, hinterher vollgepinkelte Eingänge zu reinigen, Erbrochenes wegzuwischen und den Müll einzusammeln. Und was tut die Stadt, um die Exzesse für die Anwohner/innen abzumildern? Nichts!“

Anwohner-Demo wegen Plänen für den 11.11. 

Doch damit will man sich nun nicht länger abfinden. Während am Freitag (20. Oktober) der Runde Tisch Karneval tagt und unter anderem mit Politik, Verwaltung, Polizei, Ordnungsamt, Gastronomen und dem Festkomitee Kölner Karneval das Vorhaben für die Sessionseröffnung am 11.11. bespricht, wollen die Anwohnerinnen und Anwohner des Kwariter Latängs vor dem Rathaus demonstrieren. Das Motto dabei: „Wir sind ein Veedel und kein Ballermann“ und „Gegen die Enteignung unseres Veedels durch das Feiervolk“. Bereits im letzten Jahr demonstrierten die Anwohnerinnen und Anwohner aufgrund der städtischen Pläne zum Kölner Karneval.

Anwohner-Demo vor dem Kölner Rathaus: Das sind die Forderungen:

► Kein Ausnahmezustand am 11.11. und Karneval im Rathenauviertel

► Entschädigung aller Anwohner/innen, die flüchten müssen

► Entschädigung des Einzelhandels, der zur Sicherheit schließen muss

► Entschädigung für Vandalismus und Beseitigung der Exkremente

► Dezentralisierung der Feierzonen

► Keine organisierten Massenevents im Veedel durch die Stadt Köln (dauerhaft)

► Image-Korrektur der Stadt und der Veedel (dauerhaft)

► Schließung der Außengastronomie zu den Ruhezeiten (dauerhaft)

► Lärmschutz der Anwohnerschaft (dauerhaft)

► Schutz der Anwohnerschaft statt Schutz der Feierenden (dauerhaft)

► Schutz und Bau von bezahlbarem Wohnraum (dauerhaft)

► Reduzierung von Airbnb-Vermietungen (dauerhaft)

Quelle: Bürgergemeinschaft Rathenauplatz e. V

„Der ‚Runde Tisch Karneval‘ der Stadt ist lediglich Feigenblatt und überwiegend ein Treffen der Karnevals- und Gastronomie-Lobby unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Alle konstruktiven Vorschläge zur Reduktion, Eindämmung oder Dezentralisierung der Saufevents werden abgeschmettert, Ideen und Lösungsansätze im Keim erstickt“, so die Bürgergemeinschaft zu den Plänen am 11.11. in Köln.

Für die Anwohnerinnen und Anwohner ist klar: „Die Verweigerungshaltung der Kölner Verwaltung muss öffentlich gemacht werden! Die Stadt muss endlich mit ihren Bürgern in Dialog treten, nicht nur mit den Gastronomen und Profikarnevalisten, und tätig werden!“ Die Demo soll dafür ein erster Schritt sein. (jw) Fair und unabhängig informiert, was in Köln, Düsseldorf und NRW passiert – hier unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

Rubriklistenbild: © Henning Kaiser/dpa

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