Kwartier Latäng

„Haben Angst um Mitarbeiter und Gäste“ – Kölner Gastronom schließt Kneipen am 11.11.

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Der 11.11. steht kurz bevor. Doch in Köln blicken einige Gastronomen mit Sorge auf den Karnevalsstart. Einige Kneipen bleiben darum geschlossen.

Update vom 2. November, 11:17 Uhr: Markus Vogt ist Gastronom aus Leidenschaft. Seit Jahren führt er gleich mehrere Kneipen in Köln. Doch am 11.11. bleiben seine Kneipen – Kwartier und Soylent Green – geschlossen. Aus Sorge. „Wir tun das nicht wegen anhaltendem Reichtum. Wir könnten das Geld sicher sehr gut gebrauchen. Wir tun das auch nicht, weil wir karnevalsmüde sind“, schreibt er in einem emotionalen Facebook-Post. „Warum wir zu machen, ist sehr einfach: Wir haben Angst um Mitarbeiter/innen und Gäste.“

Seine Befürchtung: Köln und vor allem das Kwartier Latäng – wo sich Vogts Kneipen befinden – werden am 11.11. überrannt. „Wir erwarten dieses Mal, wenn es auf einen Samstag fällt, einen Ansturm, wie ihn die Stadt noch nie gesehen hat und wie ihn die Stadt mit ihrem Sicherheitskonzept nicht wird bewältigen können.“ Ähnlich sehen es auch die Betreiber des Päffgen-Brauhauses: „Das Brauhaus bleibt am 11.11. dieses Jahres geschlossen“, heißt es in einem Facebook-Post wenige Tage vor der Sessionseröffnung. Der Grund, so das Kölsch-Brauhaus weiter: „Die Erfahrungen der letzten 2 Jahre und das unzureichende Konzept der Stadt Köln lässt uns leider keine andere Wahl.“

Mehrere Kneipen bleiben am 11.11. in Köln geschlossen (Symbolbild)

„Wir erwarten eine Menge an Menschen, die den 11.11.22 und Weiberfastnacht 23 aussehen lassen werden, wie einen entspannten Kindergeburtstag“, so Vogt weiter. „Wir erwarten, dass es sehr, sehr gefährlich wird im Kwartier Latäng. Und wir wollen nicht, dass unsere Mitarbeiter hier mittendrin stecken werden. Wir wollen auch nicht, dass unsere Gäste dort mittendrin stecken werden.“ Der Appell des Gastronoms darum: „Bitte geht nicht ins Kwartier Latäng am 11.11.2023!!! Feiert in einem netten Veedel in einer kleinen Kneipe einen traditionellen Karneval.“

Wegen Sicherheitskonzept der Stadt: Gastronom schließt Kneipe an Karneval – „ist mir zu gefährlich“

Die Stadt Köln veröffentlicht erste Pläne für das Sicherheitskonzept im Kölner Karneval (Archivbild).

Update vom 11. Oktober, 14:03 Uhr: Der Karnevalscountdown läuft. In einem Monat startet die neue Session. Doch nicht alle blicken mit Vorfreude auf den Kölner Karneval 2024. Der 11.11. fällt in diesem Jahr auf einen Samstag. Die Sorge: Der Ansturm wird zu groß für Köln und vor allem für das Kwatier Latäng. Mehrere Gastronomen ziehen darum ernste Konsequenzen – und lassen die Kneipen am 11.11. zu.

„Ich habe Gästen, Mitarbeitern und den Securitys schon abgesagt, die brauchen an dem Tag nicht zu kommen“, sagte Markus Vogt, Gastronom und Vorstandsvorsitzende der IG „Gastro Kwartier Latäng“, bereits gegenüber 24RHEIN. „Ich habe meinen einen Laden mitten im Sturm. Direkt auf der Zülpicher Straße, ich könnte das Geld gut gebrauchen, aber das ist mir zu gefährlich“. Weitere Kneipenwirte ziehen nun nach. Nada Abdin will die Tankstelle in der Kyffhäuser Straße ebenfalls geschlossen lassen. Damit bleiben geschlossen:

  • Tankstelle: Kyffhäuserstraße 19, 50674 Köln
  • Soylent Green: Kyffhäuserstraße 23, 50674 Köln
  • Kwartier Köln: Zülpicher Straße 10, 50674 Köln

11.11. in Köln: Erste Details zum Sicherheitskonzept durchgesickert – schon jetzt gibt es Kritik

Erstmeldung vom 21. September: Köln – Rund zehn Monate wurde nun in Köln gestritten, diskutiert, Ideen gesammelt und analysiert, wie nach dem Chaos am 11.11. die Sessionseröffnung im Kölner Karneval in diesem Jahr sicherer werden kann. Vorschläge gab es massig: Genannt wurde unter anderem ein Karnevalsumzug zur Sessionseröffnung, ein Party-Hotspot auf der Nord-Süd-Fahrt, Parkhaus-Partys mit Karnevalsmotto oder aber eine App, die Informationen zur „Zülpi“ gibt und möglichen Alternativflächen anzeigt. Jetzt sind erste Details durchgesickert, wie das Sicherheitskonzept für den 11.11. tatsächlich umgesetzt werden soll. Und genau die sorgen bei Gastronom und Anwohner Markus Vogt für blankes Entsetzen.

11.11. in Köln: Erste Details zum Sicherheitskonzept durchgesickert – schon jetzt gibt es Kritik

Beim Runden Tisch wurde das Sicherheitskonzept in Grundzügen Politik, Polizei und Gastroszene vorgestellt. Demnach orientieren sich die Maßnahmen am Konzept von Weiberfastnacht. Die Uniwiese soll wieder zur sogenannten Entlastungsfläche werden. Die Zülpicher Straße soll gesperrt und nur über besondere Eingänge zugänglich sein. Details zum Konzept sollen Ende Oktober folgen.

Auch Markus Vogt war beim Runden Tisch vor Ort – und ist von den Sicherheitsmaßnahmen der Stadt alles andere als begeistert. „Das Konzept wird nie richtig infrage gestellt. Stattdessen wird die ganze Zeit lediglich an einem ‚kranken Konzept‘ herumgedoktert. Das reicht nicht aus“, sagt Markus Vogt, Gastronom und Vorstandsvorsitzende der IG „Gastro Kwartier Latäng“, gegenüber 24RHEIN. Dabei hat es sogar zahlreiche Vorschläge und Visionen gegeben, „aber die wurden alle von der Stadt abgelehnt“. Die Gründe für die jeweiligen Absagen seien für Vogt dabei nicht nachvollziehbar.

Und was sagt die Stadt Köln? Bislang wenig. Eine 24RHEIN-Anfrage blieb am Donnerstag unbeantwortet. In einer Beschlussvorlage im Ratsinformationssystem heißt es jedoch, dass „trotz aller Bemühungen keine private Veranstaltungslösung und keine Alternativfläche gefunden werden“ konnte.

Wegen Sicherheitskonzept der Stadt: Gastronom schließt Kneipe an Karneval – „ist mir zu gefährlich“

Der Kölner Gastronom mit zwei Kneipen im Kwartier Latäng befürchtet nun jedenfalls das Schlimmste: Dadurch, dass der 11.11. auf einen Samstag fällt, rechnet Vogt mit deutlich mehr Feiernden rund um der Zülpicher Straße als im letzten Jahr. „Genaue Zahlen sind natürlich schwierig, aber ich gehe von bis zu 150.000 Menschen aus – wenn nicht sogar noch mehr“, sagt er. „Dafür reichen die Maßnahmen der Stadt nicht aus. Die werden überrannt. Die haben keine Ahnung, was an einem Samstag auf die zukommt“, so Vogt weiter. „Was die Stadt auf der Uniwiese macht, ist keine Entlastung, sondern eine Belastung.“

Er selbst zieht darum drastische Konsequenzen: Seine beiden Kneipen bleiben am 11.11. geschlossen. „Ich habe Gästen, Mitarbeitern und den Securitys schon abgesagt, die brauchen an dem Tag nicht zu kommen“, so Vogt. „Ich habe meinen einen Laden mitten im Sturm. Direkt auf der Zülpicher Straße, ich könnte das Geld gut gebrauchen, aber das ist mir zu gefährlich“, sagt er.

„Ich hab die Entscheidung nicht leichtfertig getroffen. Wir brauchen es nach Corona und den Preissteigerungen eigentlich dringend, an Karneval Geschäfte zu machen.“ Immerhin macht der Gastronom an einem Tag wie dem 11.11. schnell einen ganzen Monatsumsatz. „Aber nicht so. Nicht um jeden Preis.“ (jw) Fair und unabhängig informiert, was in Köln, Düsseldorf und NRW passiert – hier unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

Rubriklistenbild: ©  Manngold/Imago

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