Bürger kritisieren fehlende Infos

„Politische Bankrotterklärung“: Großer Ärger über Entscheid zum Stadtbad Drolshagen

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Ein Ratsbürgerentscheid soll über das Stadtbad entscheiden. Bürger kritisieren fehlende Infos und die Vorgehensweise der Politik. Eine Schließung hätte weitreichende Folgen.

Drolshagen – „Ganz viele Fragen bleiben unbeantwortet“. Ob das Stadtbad in Drolshagen bleibt oder geschlossen wird, sollen die Bürger am 14. September per Ratsbürgerentscheid selbst bestimmen (wir berichteten am 12. Juli). „Höchst demokratisch“, sagt Bürgermeister Ulrich Berghof. Als „politische Bankrotterklärung“ bezeichnen es die Drolshagener Axel Bayer, Sabine und Richard Hebbecker, Rita und Georg Stamm sowie Tobias Schneider.

Sie ärgern sich über den Ratsbürgerentscheid zum Stadtbad (v.l.): Richard Hebbecker, Rita Stamm, Georg Stamm und Axel Bayer. Es fehlen: Sabine Hebbecker und Tobias Schneider.

Wie sollten die Einwohner eine solch konsequenzenreiche Entscheidung treffen, ohne ausreichende Informationen an der Hand? – lautet der Einwand. „Eine Vielzahl von Aspekten kann gar nicht mit einem Ja oder Nein abgebildet werden.“ Dadurch, dass die Politiker nun die Bürger entscheiden lassen, würden sie lediglich die Verantwortung von sich abwälzen. „Besser wären konstruktive Ideen und Maßnahmen in eine positive Richtung gewesen.“ So könne man nur falsch entscheiden: „Hinterher heißt es, ihr wolltet das Hallenbad, deshalb können wir, zum Beispiel, keinen Fahrradweg bauen.“ Dass die Verantwortung einfach so den Bürgern überlassen wird, ärgere sie furchtbar.

Stadtbad Drolshagen: Entscheidung lange aufgeschoben

Dabei habe man das Thema Stadtbad so lange vor sich hergeschoben, bis es nicht mehr ging. „Warum?“, das fragen sich die Drolshagener. „Aus einer Vorlage soll hervorgehen, dass die dringende Sanierungsbedürftigkeit des Stadtbads seit 2018 bekannt sein soll, in 2018 war das Stadtbad 44 Jahre alt und schon lange nicht mehr in Schuss.“ Es sei gerade mal das Allernötigste an Aufwand und Substanzerhaltung im Stadtbad betrieben worden. Ebenso an den Schulgebäuden.

Die Entscheidung für oder gegen das Bad muss gut durchdacht sein.

Dass es einen Ratsbürgerentscheid geben wird, ist beschlossen. Aber: „Jeder Dräulzer kann und muss erwarten dürfen, dass gemessene Zeit vor dem Bürgerentscheid hier noch Klarheit geschaffen wird.“ Klare Zahlen, Gegenüberstellungen von Kosten und vor allem Zukunftspläne. „Wir stochern im Nebel“, sagt Axel Bayer.

Jeder Dräulzer kann und muss erwarten dürfen, dass gemessene Zeit vor dem Bürgerentscheid hier noch Klarheit geschaffen wird.

Richard Hebbecker Bürger aus Drolshagen

Wie teuer wären Erhalt und Renovierung des Stadtbades wirklich? Wie teuer wäre der Abriss im Vergleich? „So geistert in den Köpfen vieler Bürger die vom Bürgermeister veröffentlichte Mehrbelastung von 60 Euro, pro Kopf und Jahr. Die UCW droht sogar mit 100 Euro. Wie diese Beträge mathematisch ermittelt wurden, weiß niemand. Sollten die durch Renovierung und Weiterbetrieb des Stadtbads entstehenden Mehrkosten über die Grundsteuer weitergegeben werden, ergäben sich für jeden Bürger unterschiedliche und – so wie die dafür entscheidende Wohnsituation – vollkommen individuelle pro Kopf-Anteil.“

Der „prekären Haushaltssituation“ der Stadt seien sie sich bewusst. Sie wollen wissen, ob Drolshagen weitere Fördermittel erwarten und beantragen kann. Denn: „Der Bundeskanzler sprach am 23. Juni 2025 über einen Schulterschluss von Bund, Ländern und Kommunen.“

Ärger über Politik: Sorge um Verlust des Stadtbades

Die Drolshagener sorgen sich: „Die Abschaffung eines Schwimmbades ist einmalig und unumkehrbar.“ Dabei bedeute das Bad so viel für den Ort, es stehe viel auf dem Spiel. Zum einen der Schwimmunterricht für Kinder. Hierzu habe Bürgermeister Berghof zwar gesagt, der Unterricht könne umverteilt werden, „doch gilt das auch langfristig?“ Denn eine Unterrichtsstunde würde schon für Hin- und Rückfahrt zum Hallenbad benötigt. Vielleicht würde man irgendwann feststellen, dass der zeitliche, logistische und finanzielle Aufwand für die Verlagerung des Schwimmunterrichts zu groß werde. Zudem gehe aus der Antwort des Bürgermeisters hervor, „dass man sich für den Fall der Schließung des Stadtbades keine Gedanken über die Zukunft der betroffenen Vereine gemacht hätte“.

Sport und Bewegung seien wichtig. Zudem herrscht Unverständnis darüber, dass Städte sich zunehmend damit beschäftigen, wo kühle Orte angeboten werden können, und Drolshagen an einer Bad-Schließung überlegt. „Der Ort wird unattraktiver. Die Wohn- und Lebensqualität nimmt ab, wenn man die Wurzeln abschneidet.“ Über all das müssten die wahlberechtigten Bürger informiert werden.

Stadtbad Drolshagen: Kampf für den Erhalt

Die Frage zum Ratsbürgerentscheid lautet: „Soll das Stadtbad in Drolshagen ab 01.01.2026 dauerhaft geschlossen bleiben?“ Eine Fragestellung, die perfide sei. „Willst du das Stadtbad, musst du für Nein stimmen“, sagt Richard Hebbecker und schüttelt den Kopf. Schon die Formulierung würde in eine bestimmte Richtung führen. Der Vorschlag: „Soll das Stadtbad des staatlich anerkannten Erholungsortes Drolshagen mit Einsatz von finanziellem Aufwand erhalten bleiben?“

Die Gruppe möchte sich weiter einsetzen, dass die Bürger ausreichend Informationen bekommen und das Stadtbad erhalten bleibt. „Die Zeit wird knapp“, sind sie sich bewusst. Die Entscheidung für den Ratsbürgerentscheid sei mehr als ungünstig gewesen, kurz vor der Sommerpause. Der Ausgang sei schließlich nicht „spannend“, wie sie den Bürgermeister zitieren, kein sportlicher Wettkampf, sondern zukunftsentscheidend – für viele Generationen.

Rubriklistenbild: © Laura Müller

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