Ehemaliger Steinkohlebergbau

Grubenwasser: Ohne Pumpen würden sich Teile des Ruhrgebiets in eine Seenplatte verwandeln

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Der Steinkohlebergbau im Ruhrgebiet ist vorbei. Allerdings laufen dort täglich noch Pumpen, die vor einer Überflutung schützen. Und das wird wohl für immer so sein müssen.

Essen – Das Ruhrgebiet in NRW ist aufgrund des Steinkohlebergbaus von einem riesigen Netz an Schächten, Gruben und Stollen durchzogen. Doch seit der Einstellung der Subventionierung des Bergbaus in Deutschland im Jahr 2018, endete diese jahrhundertelange Ära. Zwar sind die Schächte mittlerweile stillgelegt, trotzdem füllen sie sich täglich mit großen Wassermengen – dem sogenannten Grubenwasser. Im Gespräch mit Dr. Sebastian Westermann von der Technischen Hochschule Bochum und Sabrina Manz von der RAG-Stiftung wird deutlich, welche große Herausforderung nun bevorsteht.

Während des Bergbaus musste Wasser aus den Schächten gepumpt werden – wohin jetzt damit?

Riesige Pumpen befördern jährlich 70 Millionen Kubikmeter Grubenwasser aus den Schächten des Steinkohlebergbaus im Ruhrgebiet. (Archivbild)

Mit dem Ende des Bergbaus wurden die letzten verbliebenen Steinkohlebergwerke geschlossen. Dazu gehört neben dem Bergwerk Ibbenbüren im Tecklenburger Land auch das Bergwerk Prosper Haniel im Ruhrgebiet, auf dessen Halde heute mystische Holz-Stelen stehen. Allerdings führte die Schließung zu einem neuen Problem: Wohin mit dem Wasser, das seit Beginn des Steinkohleabbaus kontinuierlich aus den untertägigen Grubengebäuden abgepumpt wurde?

Denn während des aktiven Steinkohleabbaus war es notwendig, den Wasserzufluss zu kontrollieren. „Ohne entsprechende Wasserhaltungsmaßnahmen, behindert Wasser zum einen den Abbaubetrieb. Zum anderen stellen unkontrollierte Wasserzuflüsse auch ein betriebliches Gefahrenpotenzial dar“, wie Dr. Westermann erklärt.

Was ist Grubenwasser?

Unter Grubenwasser versteht man Wasser, das als Regen durch den Boden in die Grubengebäude eingedrungen ist. Auf dem Weg durch den Boden spült das Wasser Minerale aus dem Gestein heraus, an dem es vorbeifließt. An der tiefsten Stelle eines Bergwerks sammelt sich dieses Grubenwasser dann. „Seit Beginn des Bergbaus gilt es, dieses Grubenwasser abzufangen, abzupumpen und abzuleiten. Denn ohne diesen regulierenden Eingriff würde das ständig eindringende Wasser den Abbau von Kohle und die Arbeit unter Tage unmöglich machen“, erklärt die RAG dazu.

Quelle: RAG

Grubenwasser könnte Ruhrgebiet in Seenplatte verwandeln

Viele hundert Meter reichen die Pumpen der Bergwerke in den Untergrund. Sie sollen das Grubenwasser vor dem Trinkwasser schützen. (Archivbild)

Bei dem abgepumpten Wasser handelt es sich um sogenanntes Grubenwasser, „das mit Tief und Tagebauen in Kontakt steht oder stand“, so Westermann. Wie der Experte rund um die Themen „Ewigkeitsaufgaben und Grubenwassermanagement“ berichtet, kommt dieses in Form von „Sicker- und Grundwasser“ vor. Das bedeutet: Regenwasser, welches durch die verschiedenen Bodenschichten sickert, sammelt sich in den alten Stollen.

Wer denkt, dass man jetzt nach Ende des Bergbaus die Pumpen abstellen könnte, irrt sich. Denn dies hätte schlimme Folgen: Ohne Kontrolle über das Grubenwasser würden die Gebiete an der Tagesoberfläche rund um die Zechen zu einer Seenplatte werden. Außerdem könnte es zu einer Verunreinigung des Trinkwassers kommen. Grund hierfür ist der hohe Salzgehalt des Grubenwassers, das auf keinen Fall mit dem Trinkwasser in Berührung kommen sollte. Zudem gelangten durch den Bergbau weitere Stoffe in die Grube, die definitiv nichts in Trinkwasser zu suchen haben.

Pumpen für Grubenwasser müssen bis in die Ewigkeit laufen – das kostet jährlich 300 Millionen Euro

Es wird deutlich: Das Abstellen der Pumpen kommt auch nach Beendigung des Steinkohleabbaus nicht infrage. Allerdings ist der Prozess mit erheblichen Kosten verbunden. Für diese Ewigkeitsaufgabe ist seit 2019 die RAG-Stiftung verantwortlich. Dabei kostet das Projekt jedes Jahr rund 300 Millionen Euro. Auf Nachfrage teilt Sabrina Manz von der Stiftung mit, dass bislang neun Milliarden Euro dafür gesammelt werden konnten.

Derzeit werden ungefähr 70 Millionen Kubikmeter Grubenwasser pro Jahr im Ruhrgebiet abgepumpt. Diese fließen aktuell in die Vorfluter Ruhr, Lippe und in den Rhein. „Da, wo es notwendig ist, wird das Grubenwasser vor der Einleitung behandelt“, sagt Westermann.

Laut Westermann wäre es sinnvoll, das „Grubenwasser kontrolliert ansteigen zu lassen“. Dafür könnten dann auch die Pumpstandorte reduziert werden – und damit auch die Kosten. In Zukunft sind nur noch sechs anstelle von 13 zentrale Wasserhaltungen an verschiedenen Standorten, darunter Duisburg, Essen und Bochum, geplant. „Damit das Wasser unter Tage den zentralen Standorten zufließen kann, muss der Wasserspiegel ansteigen“, erklärt Manz. Nun soll bis zum Jahr 2035 das Grubenwasser unter Tagesfläche auf 500 Meter erhöht werden.

Könnte das Ruhrgebiet beim Ausfallen der Pumpen einfach ertrinken?

Doch was passiert, wenn die Pumpen einmal ausfallen? Westermann erklärt, dass man zunächst zwischen den einzelnen Pumpen unterscheiden muss. Zum einen gebe es Pumpen, die untertägig das Grubenwasser entnehmen. Zum anderen dienen die Pumpen an der Tagesoberfläche zur Regulierung der Oberflächenwasserverhältnisse.

„Sollten die Pumpen in den Schächten ausfallen, passiert erst einmal ganz lange nichts, da das Grubenwasser sehr langsam ansteigt“, so Westermann. Wenn allerdings die Pumpen an der Tagesoberfläche ausfallen, würden die Gebiete „vernässen oder gar unter Wasser stehen“. Dabei betont er aber, dass auch dieser Prozess nicht „von jetzt auf gleich“ passiert. (cj)

Rubriklistenbild: © Gottfried Czepluch/Imago & bilky/ IMAGO

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