- VonFrank Lahmeschließen
Es war keine Falle, keine gescheiterte Abzocke – aber was dann? Auch vier Wochen nach einem blutigen Rendezvous in dem Dortmunder Nobelhotel „Steigenberger Hotel“ ist das Rätsel um die bizarre Tat einer 22-jährigen Hammerin nicht gelöst.
Hamm/Dortmund – Die junge Frau hatte sich am 10. Dezember in dem in B1-Nähe gelegenen Vier-Sterne-Haus mit einem 58-jährigen Mann aus Havixbeck getroffen und für eine Nacht eingebucht.
Beide waren nicht miteinander bekannt, sondern hatten sich erst kurz zuvor kennengelernt. Was das „Kennenlernen“ in diesem Fall bedeutete, präzisierte Staatsanwalt Jörg Schulte-Göbel auf WA-Nachfrage: Die 22-Jährige habe auf der Internetplattform „markt.de“ eine Art Kontaktanzeige aufgegeben gehabt, auf die der 58-Jährige dann reagiert habe.
Mann bricht blutüberströmt in Hotel-Lobby zusammen
Es kam also zum Treffen in Dortmund. Mitten in der Nacht erschien dann zunächst der 58-Jährige in der Hotellobby. Er war blutüberströmt und nur leicht bekleidet, als er die Treppe herunterkam.
Durch Messerstiche war er unter anderem am Hals und an der Schulter verletzt worden. Der Mann brach in der Lobby zusammen. Die dort noch anwesenden Gäste und das Personal leisteten bis zum Eintreffen der Rettungskräfte erste Hilfe.
Wenig später kam auch die 22-Jährige die Treppe herunter. Auch sie war nur leicht bekleidet und hatte ein Messer in der Hand. Es handelte sich um ein Klappmesser, das sie mit ins Hotel gebracht hatte. Sie leistete keinen Widerstand, als die Polizei sie wenig später festnahm. Gegenüber den ermittelnden Beamten erklärte sie irgendwann, dass sie das Messer immer bei sich gehabt habe.
Beschuldigte kann sich nicht an Tat erinnern
Warum es in dem Hotelzimmer zu dem Übergriff, den die Staatsanwaltschaft als Mordversuch und gefährliche Körperverletzung wertet, kam, ist auch für Schulte-Göbel bis heute rätselhaft und durchaus tragik-behaftet. „Es gibt keinerlei Hinweise darauf, dass in dem Hotelzimmer etwas gemacht wurde, was sie nicht wollte“, sagt der Staatsanwalt.
Die Beschuldigte könne sich nur an das Geschehen vor und nach der Tat erinnern. Den Übergriff könne sie sich nicht erklären. Sie beschreibe das Opfer als nett, der Abend sei eigentlich harmonisch verlaufen. Alkohol soll im Spiel gewesen sein, allerdings nicht entscheidend.
Frau sitzt in der JVA - und wird langfristig psychiatrisch untersucht
Die 22-Jährige stammt aus soliden Verhältnissen. Sie hat das Abitur gemacht und studiert. Sie als Prostituierte zu bezeichnen, ist anscheinend unpassend. Die Staatsanwaltschaft sieht sie jedenfalls nicht als solche. Inserate auf „markt.de“ hat sie aber möglicherweise schon mehrmals geschaltet.
Am Tag nach ihrer Festnahme wurde Untersuchungshaft angeordnet. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Sie sitzt weiterhin in einer JVA ein. Sie soll nun über einen längeren Zeitraum psychiatrisch exploriert werden. Eine erste Untersuchung eines Sachverständigen kurz nach der Tat war ohne Befund geblieben.
Das 58-jährige Opfer aus dem Münsterland wurde lebensgefährlich verletzt. Der Mann wurde noch in der Nacht notoperiert. Am nächsten Tag hatte sich sein Zustand stabilisiert.