- VonJürgen Menkeschließen
Die eine durchstöbert das Kellerregal, die andere krabbelt über das Ablaufrohr der Waschmaschine. Nein, Ratten hat niemand gerne im Haus. Auch nicht die Menschen an der Adlerstraße in Bockum-Hövel.
Hamm – Dort, in einem Mehrfamilienhaus mit nicht nur einem Eingang, fühlten sich die Nager zuletzt offenbar sehr wohl. Das jedenfalls berichtete eine Mietpartei wa.de. Die Person möchte nicht mit Namen genannt werden. „Ich meide zurzeit den Keller – und die Wäsche wasche ich woanders“, berichtet sie.
Ein bis zwei Meldungen pro Monat
Rattenbefall in Wohnhäusern: Bei der Stadt gehen dazu etwa ein bis zwei Meldungen pro Monat ein. Dann wird sie aktiv. „Ursachenfindung und Kontrolle vor Ort sind aufgrund des Infektionsschutzgesetzes zwingend erforderlich“, heißt es auf Anfrage. Und: Lebten Kinder im Haus, sei die schnelle Reaktion und Beseitigung des Problems umso dringlicher.
Vom Fall Adlerstraße erfuhr die Stadt nach eigenem Bekunden Ende vergangener Woche von einer Mietpartei. „Die Schädlingsbekämpfung in den für alle Mieter zugänglichen Kellerräumen lief bereits“, so die Auskunft. Das Ordnungsamt habe den Vermieter sowie die Mietparteien beraten und auch die Beköderung eines Privat-Kellers vorgeschlagen.
„Nicht außergewöhnlich“
Dort soll sich nach Auskunft der Person, die wa.de kontaktiert hat, schon ein regelrechtes Rattennest befunden haben. Kellertüren seien bereits angenagt worden.
Die Stadt sagt, dass es an der Adlerstraße „keinen außergewöhnlich starker Befall“ gebe. Wie die Tiere überhaupt ins Haus gelangen konnten? „Wir vermuten einen nicht dichten Abwasseranschluss im Kellergang.“
Tiere kommen durch defektes Abwasserrohr
Von einem „Abflussrohrbruch“ als Ursache spricht die Vermieterin, die LEG. Das Rattenproblem sei am 3. Januar durch eine Mieterin ans Unternehmen herangetragen worden, heißt es. Tags drauf sei umgehend ein Schädlingsbekämpfer beauftragt worden, der nun auch eine Dauer-Beköderung mit wechselnden Wirkstoffen aufstellt, damit die Ratten nicht immun gegen das Gift werden.
Die LEG will den Rohrbruch kurzfristig beheben. „Wir möchten betonen, dass wir alles in unserer Macht Stehende unternehmen, um die Situation im Sinne unserer Mieter zu optimieren bzw. das Problem dauerhaft abzustellen“, heißt es.
Bußgeld-Androhung „ganz selten“
Wenn die Stadt vor Ort Rattenspuren feststellt, dringt sie auf ein schnelles Handeln. Das Aufstellen von Köderboxen, von Lebend- oder Schlagfallen sowie die Ursachenermittlung und die Problembeseitigung sei dann Sache des Gebäudeeigentümers, wird betont. „Das Ordnungsamt ist nur beratend tätig.“
Diese Beratung sei kostenlos und bürgerfreundlich, weshalb man auch nicht direkt Bußgelder verhänge. „Wichtig ist uns, dass die Beratung immer die Ursachen im Blick hat – beispielsweise Müll, Tierhaltung, Vogelfütterung etc.“ Sollten angedachte Maßnahmen ignoriert werden, so die Stadt, könne eine „Ersatzmaßnahme“ auf Kosten des Verursachers vorgenommen werden. Dass Zwangsgeld angedroht werden müsse, sei nur „ganz selten der Fall“.
Einen besonderen Weg in der Bekämpfung von Ratten geht zurzeit die Stadt Dortmund.
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