Ehrenamtliches Engagement

Raum zum Wohlfühlen: Aus der Kleiderkammer wird die „Kleideroase“

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Freuen sich auf die Umgestaltung: Nadine Schwingel (links), die die Kleiderkammer seit einem Jahr als Helferin unterstützt, und Ute Eichmann vor dem Entwurf der neuen Räumlichkeiten der „Kleideroase“.
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Aus der Kleiderkammer der Flüchtlingshilfe „Helfende Hände mit Herz“ wird die Kleideroase. Am Samstag, 4. Oktober, findet die offizielle Eröffnung statt, zwei Tage später dürfen Interessierte dort zum ersten Mal in den Räumen für kleines Geld gebrauchte Kleidung erwerben.

Drensteinfurt – Als 2015 viele Geflüchtete nach Deutschland kamen, fühlte sich Ute Eichmann berufen zu helfen. Am 29. August 2015 gründete sie im heimischen Wohnzimmer die Flüchtlingshilfe „Helfende Hände mit Herz“. Nur zwei Monate später, am 20. Oktober, durfte sie Räume im Keller des Gemeindehauses an der evangelischen Martinskirche nutzen. Zehn Jahre lang versorgte sie dort mit zahlreichen Helfern in erster Linie Geflüchtete mit Kleidung. Der Bedarf war groß, die Spendenbereitschaft in Drensteinfurt hoch – doch die Räume waren zu klein. Es fehlte stets an Platz zum Sortieren, Lagern und Verkaufen, an eine eigene Umkleidekabine war gar nicht zu denken.

Als 2024 die Räume im Gemeindehaus frei wurden, die von der Lola-Gruppe, später von der Kindergruppe genutzt worden waren, hatte Ute Eichmann eine Vision. „Ich wollte mehr Platz für Kleider und Schuhe, zusätzlich aber eine ansprechende Atmosphäre für die Besucher – praktisch einen Raum, in dem man sich wohlfühlt“, erklärt sie. Nach Zustimmung des Presbyteriums setzte sie ihr Vorhaben um. Schon der Entwurf ließ erahnen, wie schön alles werden würde.

Deutlich mehr Platz im Gemeindesaal

Nun stehen etwa 95 Quadratmeter Fläche inklusive Vorraum zur Verfügung. Eine neue Wand teilt den Raum so, dass am Fenster ein eigener kleiner Bereich entsteht – multifunktional nutzbar, etwa für Bastelgruppen oder Gesprächskreise, ausgestattet mit einer gemütlichen Sitzecke. An den Wänden werden Regale aufgestellt, davor soll ein Schienensystem mit Vorhängen für Flexibilität sorgen. Eine fahrbare Theke ermöglicht es, den Raum bei Bedarf für Besprechungen mit Tischen und Stühlen umzugestalten. Auch die beiden kleinen Nebenräume (früher Werkstatt und Archiv) gehören dazu und dienen als Lager und Sortierraum. Zudem ist im Eingangsbereich eine Spielecke für Kinder vorgesehen und endlich steht auch eine Umkleidekabine zur Verfügung.

Vor der Eröffnung haben die Helfer viel Arbeit investiert: Ein Wasserschaden hatte Spuren hinterlassen, der Raum musste entfeuchtet, Pumpen erneuert werden. Dazu kamen ein frischer Anstrich, neues Laminat und ein durchdachtes Lichtkonzept mit Strahlern. Den letzten Feinschliff übernimmt die Reinigungsfirma „glanz&grün“ der Familie Osmani aus Drensteinfurt.

Viel zu klein und hoffnungslos überfüllt sind die ehemaligen Räume der Kleiderkammer.

„Wenn alles fertig ist, ist es keine Kammer mehr – eher ein Tanzsaal, in dem sich die Besucher wohlfühlen und zur Ruhe kommen können“, sagt Ute Eichmann. Darum auch der neue, passende Name: Kleideroase.

Finanziert wurde das Projekt von der Kirche und durch Spenden. „Vielen war es wichtig, uns zu unterstützen“, betont Eichmann. Die Klientel hat sich im Laufe der Jahre gewandelt: Waren es anfangs ausschließlich Geflüchtete und andere Bedürftige, so kommen heute auch vermehrt ältere Menschen und Alleinerziehende.

Kinderkleidung ist so teuer, und der Basar findet nur zweimal im Jahr statt – das reicht oft nicht.

Ute Eichmann

„Kinderkleidung ist so teuer, und der Basar findet nur zweimal im Jahr statt – das reicht oft nicht“, erklärt Eichmann. „Bei uns gibt es alles bis Größe 116 kostenlos, da Kinder in diesem Alter am schnellsten wachsen.“ Ein Berechtigungsschein ist nicht erforderlich. Viele Besucher kommen inzwischen auch aus Gründen der Nachhaltigkeit. Besonders schön findet es Eichmann, wenn Mütter neue Kleidung mitnehmen und gleichzeitig die herausgewachsene Kleidung ihrer Kinder zurückbringen.

Kleidung in größeren Größen wird zu moderaten Preisen abgegeben. „Wir können sie nicht verschenken, allein schon, um Missbrauch zu vermeiden“, sagt Eichmann. Die Helfer behalten den Überblick: „Wenn jedes Familienmitglied eine Winterjacke hat, gibt es keine zweite – so verhindern wir, dass die Sachen weiterverkauft werden.“ Kinderschuhe werden je nach Bestand ebenfalls kostenlos abgegeben. „Wenn wir besonders viele haben, geben wir den Überschuss für kleines Geld an afrikanische Geflüchtete, die sie in ihre Heimat schicken – auch dort herrscht großer Bedarf.“

Spenden benötigt, Helfer gesucht

Spenden werden auch weiterhin benötigt – besonders Herrenbekleidung, Herrenschuhe, Bettwäsche und Handtücher. „Wir sortieren alles sorgfältig. Manches geht direkt in die Ukraine, einzelne Kissen- oder Bettbezüge werden dort zu Verbandsmaterial weiterverarbeitet“, berichtet Eichmann.

Auch neue ehrenamtliche Helfer sind willkommen. „Wir haben einen Stamm von bis zu 25 Unterstützern. Jeder bringt sich nach seinen Möglichkeiten“, erklärt sie. Organisiert wird vieles über eine Whatsapp-Gruppe. „Fünf zusätzliche Helfer wären schon eine große Entlastung. Wenn es noch viel mehr werden, könnten wir sogar über einen zweiten Öffnungstag nachdenken.“

Eröffnung

Die Eröffnung findet am Samstag, 4. Oktober von 11 bis 13 Uhr mit einem Sektempfang statt – allerdings ohne Kleiderverkauf. Die Öffnungszeiten der „Kleideroase“ sind immer montags von 15.30 bis 18 Uhr im Keller des Gemeindehauses. Spenden können zur gleichen Zeit im Gemeindesaal abgegeben werden.

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