Rekordzahlen

Aktuell mehr Flüchtlinge in Hamm als in Krisenjahren 2015/16

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Seit Wochen voll belegt: die ZUE im Hammer Osten.
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Der Begriff „Flüchtlingskrise“ ist bis heute eng mit den Jahren 2015/16 verbunden. Tatsächlich leben aktuell aber deutlich mehr Flüchtlinge in Hamm als in jenen Krisenjahren. Das bestätigt die Stadtverwaltung auf Anfrage.

Hamm – Zunächst der Blick zurück: 2 149 Flüchtlinge wurden der Stadt Hamm in den Jahren 2015/16 zugewiesen (1 768 kamen in 2015, weitere 318 im Folgejahr). Die Zentrale Unterbringungseinrichtung (ZUE) am Alten Uentroper Weg wurde damals in Windeseile hergerichtet und im Herbst 2015 in Betrieb genommen. Weitere (in der Regel) 800 Menschen wurden dort in Zuständigkeit des Landes untergebracht. Insgesamt lag die Flüchtlingszahl in Hamm damit regelmäßig bei rund 2 950.

Heute sind dies 550 Flüchtlinge mehr – also insgesamt 3 500. Der allergrößte Teil stammt aus der Ukraine. 1 777 flüchteten in 2022 vor Putins Angriffskrieg und landeten in Hamm. Weitere 248 Ukrainer kamen im Lauf dieses Jahres hinzu. Ferner wurden der Stadt von der Bezirksregierung im vergangenen Jahr 345 Asylbewerber nach dem Flüchtlingsaufnahmegesetz zugewiesen.

In diesem Jahr kamen auf dieser Grundlage weitere 251 Personen hinzu. Weitere Zuweisungen erfolgten nach dem Aufenthaltsgesetz (42) und nach dem Teilhabe- und Integrationsgesetz (31). Die Gesamtzahl der Zuweisungen liegt damit um 25 Prozent über der aus den Krisenjahren 2015/16.

Flüchtlinge in Hamm: ZUE seit Wochen voll belegt

Die ZUE ist ebenfalls seit Wochen nahezu voll belegt. 830 Menschen können in der Landesunterkunft maximal untergebracht werden. Am Dienstag waren es nach Auskunft der Bezirksregierung Arnsberg 800. Anders als bei den der Stadt zugewiesenen Flüchtlingen befinden sich die Menschen in der ZUE noch im Anerkennungsverfahren und haben vielfach keine Bleibeperspektive. Die Verweilzeit schwankt zwischen 6 und 18 Monaten.

Wie berichtet, würde die Stadt die Alfred-Fischer-Halle gern als zweite ZUE dem Land zur Verfügung stellen. Damit würden Zuweisungen nach dem Flüchtlingsaufnahmegesetz wegfallen und Kosten eingespart. Zuweisungen aufgrund anderer Bestimmungen blieben davon unberührt, hatten zumindest bislang aber nur eher Einzelfall-Charakter.

Flüchtlinge in Hamm: 175 Menschen hier „geduldet“

Wie viele der Flüchtlinge, die 2015/16 nach Hamm gekommen waren, heute noch in Hamm leben und möglicherweise in Lohn und Brot stehen, kann die Stadtverwaltung nicht sagen. 267 Menschen aus der Zeit seien aber inzwischen ins Ausland verzogen beziehungsweise abgeschoben worden.

175 Menschen leben aktuell trotz abgelehntem Asylverfahren mit dem Status „geduldet“ in Hamm. Darunter sind 22 Personen, die bereits 2015/16 nach Hamm gekommen waren.

Die Zahl der illegal eingereisten Flüchtlinge ist deutschlandweit indes so hoch wie seit 2016 nicht mehr. Bundeskanzler Scholz kündigte ein härteres Vorgehen an.

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