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Die höchste Eisenbahnbrücke Deutschlands verbindet die Städte Solingen und Remscheid. Nun soll die Müngstener Brücke Unesco-Weltkulturerbe werden.
Solingen/Remscheid – Deutschlandweit hat die Müngstener Brücke zwischen Solingen und Remscheid bereits einen Rekord inne: Sie ist 107 Meter hoch – und damit ist das Bauwerk in NRW die höchste Eisenbahnbrücke in der Bundesrepublik. Über 465 Meter überspannt die Brücke das Tal der Wupper. Schon heute ist sie ein beliebtes Ausflugsziel und ein Wahrzeichen der Region. Doch zukünftig könnte sie auch international Anerkennung finden: Gemeinsam mit weiteren Brücken aus dem Ausland soll die Müngstener Brücke in NRW als mögliches Unesco-Weltkulturerbe nominiert werden.
Müngstener Brücke: Höchste Eisenbahnbrücke Deutschlands soll Unesco-Weltkulturerbe werden
Am Montag (4. Dezember) hat die Kultusministerkonferenz beschlossen, dem Antrag der NRW-Landesregierung zur Aufnahme der Müngstener Brücke auf die nächste deutsche Tentativliste, eine Art Vorschlagsliste zur Nominierung zum Unesco-Weltkulturerbe, zuzustimmen, heißt es in einer Mitteilung. Gemeinsam mit fünf Großbrücken aus dem europäischen Ausland hat sich die Stadt Solingen mit der Müngstener Brücke als Teil der „Europäischen Großbogenbrücken des 19. Jahrhunderts“ beworben. Folgende Brücken sind in dem Antrag ebenfalls erfasst:
- Ponte Pia Maria (Portugal)
- Ponte Dom Luís I (Portugal)
- Viaduc de Garabit (Frankreich)
- Viaduc du Viaur (Frankreich)
- Ponte San Michele (Italien)
Müngstener Brücke soll Unesco-Weltkulturerbe werden – „technisches Pionier- und Meisterwerk“
Insgesamt hatten sich in Deutschland 21 Stätten aus 13 Bundesländern für die Tentativliste zum Unesco-Weltkulturerbe beworben. Sieben davon bekamen die Empfehlung von einem Fachbeirat aus Expertinnen und Experten und wurden schließlich ausgewählt. Um ein „Welterbe“ zu werden, muss die Stätte einen „außergewöhnlichen universellen Wert“ haben, heißt es vom Deutschen Unesco-Komitee. Wenn es nach den Verantwortlichen geht, hat die Müngstener Brücke diesen auf jeden Fall. Sie sei ein „technisches Pionier- und Meisterwerk“, schreibt der Verein Welterbe Müngstener Brücke.
Welterbe Müngstener Brücke e.V.
Der Förderverein „Welterbe Müngstener Brücke“ wurde am 26. März 2021 gegründet, besiegelt mit den Unterschriften der Gründungsmitglieder – unter anderem den Stadtspitzen der drei bergischen Großstädte, hochrangigen Vertretern der Deutschen Bahn, Mitgliedern der jeweiligen Stadträte und dem Welterbekoordinator, der das Projekt international betreut. Vereinszweck ist die Unterstützung aller Bemühungen auf dem Weg zum UNESCO-Welterbe.
Quelle: Welterbe Müngstener Brücke e.V.
Müngstener Brücke in NRW als Unesco-Weltkulturerbe? Entscheidung fällt erst 2033
Zudem haben auch die Brücken gemeinsam eine besondere Bedeutung, wie der Verein in seiner Begründung schreibt: Die sechs Brücken der Bewerbung „Europäische Bogenbrücken des späten 19. Jahrhunderts“ stellen demnach „den Verlauf der technischen Entwicklung dieses Brückentyps in europäischen Ländern im 19. Jahrhundert lückenlos dar“. Nur wenige Großbogenbrücken aus der Zeit der zweiten Industriellen Revolution seien noch weitgehend im Original erhalten. Deshalb markiere die Müngstener Brücke „einen Meilenstein in der Brückenbaukunst und hat für die Geschichte der Bautechnik weltweite Bedeutung“.
Müngstener Brücke
Der erste Spatenstich zum Bau der Müngstener Eisenbahnbrücke wurde am 26. Februar 1894 gesetzt. 1895 startete die Montage der Gerüstpfeiler auf Solinger und Remscheider Seite, im Sommer des darauffolgenden Jahres die des großen verbindenden Bogens. 1897 konnte der Bau schließlich abgeschlossen. Von 2013 bis 2021 hat die Deutsche Bahn als Eigentümerin das Bauwerk umfangreich saniert.
Quelle: Welterbe Müngstener Brücke e.V.
Ob die Brücke tatsächlich auf die Liste der Unesco-Weltkulturerben aufgenommen wird, wird sich jedoch erst in einigen Jahren entscheiden. 2029 wird der Antrag laut dem aktuellen Plan der Kultusministerkonferenz für eine „Vorabentscheidung“ eingereicht. 2031 wird der Entwurf zur Prüfung eingereicht, bevor 2032 die offizielle Anmeldung eingereicht wird. Das Welterbekomitee entscheidet dann in 2033. In zehn Jahren könnte es dann schließlich sieben Welterbestätten in NRW geben: Schon jetzt gehört der Industriekomplex der Zeche Zollverein in Essen dazu. (mg)
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