VonJohannes Spangardtschließen
Rewe Dörholt schließt Ende November. Inhaber Christian Dörholt blickt auf eine ereignisreiche Geschichte zurück. Das Gebäude wird Anfang 2025 abgerissen.
Bockum-Hövel – Rewe Dörholt an der Hammer Straße schließt am 30. November, der Markt wird Anfang des Jahres abgerissen. Inhaber Christian Dörholt verspricht aber: „Es kann bis zum letzten Tag eingekauft werden.“ Einzige Einschränkung: Die Frischetheken mit Fleisch und Käse sind seit dem 16. November bereits geschlossen. Die haltbaren Lebensmittel werden dagegen entweder von Rewe zurückgenommen werden oder auf andere Märkte in der Umgebung verteilt. Dörholt ist froh, dass es keines Räumungsverkaufes bedarf, sondern dass er seinen Kunden bis zum Schluss das gewohnte Sortiment bieten kann.
Rewe Dörholt schließt seine Türen: Gemischte Gefühle zum Abschied
Anfang Dezember findet dann eine Schließungsinventur statt, bei der alle noch im Markt befindlichen Waren erfasst werden, bereits eine Woche später folgt der Innenabriss. „Was verwertbar ist, wie Kühlmöbel oder Trockenregale, wird anderen Nutzern zugänglich gemacht“, erklärt Dörholt. Er befürchtet jedoch, dass viele der alten Geräte nicht weitergenutzt werden können. Der Getränkemarkt, 2010 errichtet, schließt derweil ab dem 27. November nur für einige Tage. Denn ab Dezember betreibt die Firma Schürmann ihn weiter, sie benötigt ein paar Tage für Inventur und Softwaretausch.
„Mir war es eine Herzensangelegenheit, dass es für meine Mitarbeiter vernünftig weitergeht“, erklärt Dörholt, der den Markt im Jahr 2000 von seinem Vater Ludger Dörholt übernommen hatte. Einen Großteil der Belegschaft übernimmt Rewe Hugendiek, der im Dezember an der Römerstraße öffnen wird.
Highlights, aber auch „Lowlights“ habe es in den letzten 25 Jahren viele gegeben, so der scheidende Inhaber. Vor rund zehn Jahren wurde eingebrochen und der Tresor sowie sämtliche Zigaretten wurden entwendet. „Später hat man den Tresor dann aufgebrochen in einem Bach in Walstedde gefunden“, erinnert sich Dörholt – und an einen Schaden in Höhe von circa 40.000 Euro.
Viele Erinnerungen: Radrennen, Karneval und Schützenfeste
Aber natürlich habe es ebenso schöne Seiten gegeben. Der Umbau auf über 800 Quadratmeter direkt mit der Übernahme des Marktes sei auch nach 25 Jahren immer noch das größte Highlight. Ansonsten waren da Veranstaltungen wie der Radrenntag oder der Karnevalsumzug. „Wenn du als Kaufmann mitten im Dorf bist, dann bist du natürlich immer dabei.“
Auch an Schützenfeste erinnert sich Dörholt gerne zurück. „Könige haben sich bei mir eingedeckt“, scherzt er. Ein Anwärter auf den Königstitel hätte sogar einmal schon alles bei ihm vorbestellt, dann sei aber spontan ein anderer König geworden. „Glücklicherweise hat der neue König dennoch alles bei mir abgenommen, da er glücklich war, dass er sich um nichts kümmern musste.“ Dafür gab es dann einen Ehrenorden für besondere Verdienste.
Die Schließung treibt offenbar auch viele Bockum-Höveler um. „Immer wieder sprechen uns Kunden an – meine Mitarbeiter an den Kassen natürlich mehr als mich. Wir bekommen viel Zuspruch und viel Bedauern, aber glücklicherweise kein böses Wort.“ Natürlich, so Dörholt weiter, macht das schon was mit einem – er würde lügen, wenn er sagen würde, ihn ließe das kalt. Nicht nur Kunden, vor allem auch der liebgewonnene Kreis von Mitarbeitern werde ihm fehlen.
Christian Dörholt: „Werde das Getratsche vermissen“
Auf der anderen Seite sei in den vergangenen Jahren durch die Inflation und die Krisen das Leben im Einzelhandel generell schwieriger geworden. Der bürokratische Aufwand sei stark gestiegen und auch die Dokumentationspflicht schwieriger geworden. „Daher gehe ich mit einem lachenden Auge, aber auch mit einem sehr großen weinenden Auge.“ Er hätte gerne noch ein paar Jahre weitergemacht, aber die Umstände, die ihn zur Schließung gezwungen haben, seien unausweichlich gewesen. Das Hauptgebäude ist mehr als 100 Jahre alt, das Dach ist undicht und die Nebenräume und die Kühlhäuser entsprechen nicht mehr den heutigen Anforderungen eines Supermarktes.
„Am meisten werde ich vermutlich das Getratsche im Laden vermissen. Denn seien wir mal ehrlich, die Leute kamen nicht wegen der 30 Jahre alten Regale oder weil der Markt so toll illuminiert ist – die Leute kamen, weil man sich hier trifft und man mal quatschen kann.“
Besonders ambitioniert war Dörholt, was die Frischetheken anging – bekannt für Aktionen wie das „Bockumer Mett“ oder den Spießbraten nach eigenem Rezept. „Damit konnten wir uns von anderen Märkten abheben und gerade vor den Feiertagen haben wir den quasi tonnenweise verkauft – auch über die Grenzen von Bockum-Hövel hinaus.“ Ende Dezember folgt dann noch die Schlüsselübergabe für den Rewe-Markt und dann ist Christian Dörholt offiziell raus.
Weil Rewe Dörholt schließt und es fußläufig keinen anderen Lebensmittelladen gibt, wird jetzt eine Einkaufshilfe für Menschen mit eingeschränkter Mobilität organisiert.

