- VonFrank Lahmeschließen
Die hässliche Straßenschlacht in Hamm mit rund 60 Jugendlichen treibt auch das NRW-Innenministerium um. Eine Mordkommission hat die Ermittlungen übernommen.
Hamm - Die Straßenschlacht von Dienstagabend am Flugplatz in Hamm zieht Kreise bis in die höchsten Ebenen des Landes. Das NRW-Innenministerium ordnete am Donnerstag an, dass nicht mehr die Hammer Polizei die Ermittlungen führt, sondern eine Mordkommission der Dortmunder Polizei den Fall unmittelbar übernimmt. Offensichtlich soll nichts unversucht bleiben, die Hintergründe aufzuklären und die für die Massenschlägerei Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen.
Ein Sprecher der Dortmunder Polizei bestätigte am Freitag gegenüber dem WA, dass auf Weisung des Innenministeriums nunmehr eine Mordkommission (MK) die Ermittlungen führe. Das Ganze sei durchaus ungewöhnlich, denn bislang gebe es keinerlei Hinweise auf ein mehrere versuchte Kapitaldelikte – was eigentlich den Einsatz einer MK bedingen würde. Ermittelt werde weiterhin wegen gefährlicher Körperverletzung und Landfriedensbruchs.
„Dem öffentlichen Interesse gerecht werden“
„Die Polizei geht hier aber weiter, um dem öffentlichen Interesse gerecht zu werden“, sagte Polizeisprecher Kay-Christopher Becker am Freitag. Eine Mordkommission verfüge über mehr Personal und andere technische Möglichkeiten als die gewöhnliche Polizei und könne die Ermittlungen daher auf einem höheren Niveau führen.
Dass sich am Dienstagabend rund 60 Jugendliche aus Hamm, Münster und dem Kreis Warendorf über das soziale Netzwerk Tiktok zu einer Massenschlägerei verabredet hatten, wird also offensichtlich auch im Reul-Ministerium und beim Landeskriminalamt als ungeheuerlich eingestuft. Wie berichtet, waren zwei 16-jährige Hammer schwer verletzt worden. Lebensgefahr bestand bei ihnen aber nicht. Im Netz kursierten anschließend mehrere Videos von der Schlägerei, die auf der Münsterstraße in Höhe des Flugplatzes stattfand.
Hinweise auf Racheaktion bei Tiktok?
Etwa 30 Jugendliche und junge Erwachsene waren aus Münster und dem Kreis Warendorf mit Pkw und der Bahn nach Hamm gekommen, um sich mit den ebenfalls rund 30 Hammer Jugendlichen zu prügeln. Welche Art von Provokationen im Vorfeld über Tiktok ausgetauscht wurden, stand auch am Freitag noch nicht fest. „Das waren aber keine Clans, und es gibt auch keinen politischen Bezug“, hieß es am Freitag von der Dortmunder Polizei. Auch habe man bislang keine Hinweise auf weitere verletzte Personen erhalten.
Auf Tiktok kursieren seit Donnerstag Nachrichten, die mit „hamm.comeback.extremmm“ überschrieben sind. Das könnte auf eine Revanche in Münster oder andernorts hindeuten. Laut Polizei gibt es bislang aber keine Hinweise auf eine Racheaktion.
Das ist Tiktok
„Tiktok“ ist ein Kurzvideoportal, das hauptsächlich als App auf Handys genutzt wird. Die chinesische App ist in Deutschland ursprünglich unter dem Namen „Musical.ly“ berühmt geworden, damals noch durch Lippensynchronisation von Musikvideos. 2018 wurde die App verkauft und unter dem Namen „TikTok“ neu aufgezogen. Die Nutzer produzieren mit der App lustige, unterhaltsame, aber auch ernste Kurzvideos. Durch die Pandemie erlangte die Plattform an Reichweite. In Deutschland hat sie über 20 Millionen Nutzer. (aw)
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