Geschäftsaufgabe

Schließung nach 78 Jahren: Aus für letztes Nähmaschinengeschäft in der Innenstadt

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Eine Ära endet. Nähmaschinen Blättermann in der Nähe des Hauptbahnhofs Dortmund schließt. Bis Ende April läuft ein Räumungsverkauf.

Dortmund – Viele Generationen näh- und stickfreudiger Kunden kauften bei Blättermann in Dortmund ihre Nähmaschinen oder besuchten Workshops und Kurse, um sich weiterzubilden. Nun muss das Familienunternehmen schließen. Der Räumungsverkauf mit Rabatten läuft voraussichtlich noch bis Ende April.

Aus nach 78 Jahren: Letztes Nähmaschinengeschäft in NRW-Stadt schließt

Zentral in Bahnhofsnähe gelegen und mit einer großen Auswahl an höherpreisigen Nähmaschinen vieler Marken wie beispielsweise Pfaff, Singer oder Brother, war Nähmaschinen Blättermann seit der Eröffnung im Jahr 1949 eine beliebte Anlaufstelle für Kunden. Auf über 200 Quadratmetern Ladenfläche bot sich außerdem Platz für zahlreiche Workshops und Kurse aller Art, die sich an Einsteiger und Fortgeschrittene richteten. Inzwischen wird das Familienunternehmen in dritter Generation von Ulrich Blättermann und seiner Frau Susanne geführt.

Die endgültige Entscheidung, das Geschäft aufzugeben, sei ihnen nicht leicht gefallen. „Wir hätten gerne noch fünf Jahre, bis zu unserer Rente, weiter gemacht. Leider rechnet es sich aufgrund gestiegener Mieten und weiterer Kosten finanziell nicht mehr“, sagt Geschäftsführer Ulrich Blättermann im Gespräch mit wa.de. Auch das Kaufverhalten der Kunden habe sich mit den Jahren verändert. „Die Menschen halten ihr Geld für wichtigere Sachen zurück. Wir verkaufen gehobenere Maschinen, also quasi Luxusartikel, bis hin zum Preis von 6.000 Euro. Das ist eine Summe, die viele heutzutage zum Beispiel für Autos ausgeben“, sagt er. Das schränke den Kundenkreis deutlich ein.

Ende April ist Schluss: Nähmaschinen Blättermann schließt endgültig seine Türen.

Einen Wegfall älterer Kunden führt Ulrich Blättermann auch auf die Probleme im Bahnhofsumfeld zurück. „Der Drogenhandel hier hat stark zugenommen. Auch viele Obdachlose liegen in den Hauseingängen. Das macht älteren Leuten etwas Angst und die Laufkundschaft bleibt aus“, bedauert er.

Aufgrund der Weltlage und der allgemeinen Unsicherheit würden viele außerdem auf günstigere Online-Käufe zurückgreifen, anstatt sich im Fachhandel beraten zu lassen.

„Die Zeiten haben sich verändert“: Kein Nachfolger für Technikerin

Über viele Jahre waren vor allem Reparaturarbeiten ein Zugpferd von Nähmaschinen Blättermann. Bereits im Spätsommer 2024 musste der Familienbetrieb seine hauseigene Werkstatt jedoch schließen. „Unsere langjährige Mitarbeiterin musste aus gesundheitlichen Gründen aufhören. Wir konnten aber keinen neuen Nähmaschinentechniker finden“, erklärt Blättermann. Heute sei dies ein sehr spezifischer Job, der eine große Kenntnis über die Feinmechanik der hoch entwickelten Maschinen brauche. Denn neuere Maschinen, beispielsweise mit Stickfunktion, bestehen aus vielen elektronischen Komponenten, die es ihren Nutzern möglich machen, sie per USB-Verbindung an einen Computer anzuschließen oder per App mit dem Smartphone zu betreiben. „Es gibt heutzutage nicht mehr viele Menschen, die sich damit auskennen. Die Zeiten haben sich verändert“, so Blättermann.

Seit der Bekanntgabe der Schließung auf der Facebookseite des Unternehmens Mitte April hätten sich bereits zahlreiche Stammkunden per Telefon gemeldet. „Viele sagen, wie schade sie es finden, dass wir schließen und fragen, an wen sie sich bei Problemen mit ihren Maschinen wenden können. Ich verweise dann auf befreundete Unternehmen in anderen Städten“, sagt er.

„Ist ein doofes Gefühl“: Inhaber traurig über Geschäftsaufgabe

Dass er sein Geschäft schließen muss, stimmt Ulrich Blättermann traurig. „Es ist ein doofes Gefühl. Man betreibt einen Laden jahrzehntelang, mit dem Gedanken, das bis zur Rente zu tun und muss dann vorzeitig aufgeben. Das zieht einen schon runter“, beschreibt er. Auch für seine beiden verbliebenen Mitarbeiterinnen, die nun ihren Job verlieren, tue es ihm leid.

Wie es für ihn persönlich nach der Schließung Ende April weitergeht, weiß der Geschäftsführer noch nicht. „Ich versuche in den kommenden Wochen auszurechnen, ob eine frühzeitige Rente möglich wäre. Vielleicht suche ich mir auch einen neuen Teilzeitjob“, sagt er. Das sei zwar mit 61 Jahren nicht mehr ganz so einfach, aber weiter gehe es immer.

Fest steht allerdings: Mit der Schließung von Blättermann verschwindet auch das letzte Fachgeschäft für Nähmaschinen aus Dortmund.

Ein Fachgeschäft für Stoffe mit mehreren Filialen in NRW befindet sich in der Insolvenz. Nach und nach verkündet das Unternehmen weitere Schließungen. Trotz erfolgreicher Investorensuche muss auch der Discounter Kodi 80 Filialen schließen. Ein Räumungsverkauf hat bereits begonnen, während Verhandlungen laufen.

Rubriklistenbild: © Christin Klose

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