VonMarkus Hannekenschließen
Die Zahl der ebenso geliebten wie ungeliebten E-Scooter in Hamm ist nach dem Abzug des Anbieters Lime deutlich geschrumpft. Ob das so bleibt oder womöglich der Konkurrent Tier in die Bresche springt, ist aktuell ebenso unklar wie es die tatsächlichen Gründe sind.
Hamm - Für Beobachter und Beteiligte gleichermaßen überraschend hat sich das Unternehmen Lime Bike Germany GmbH in der vergangenen Woche mit seinen 300 E-Scootern aus Hamm zurückgezogen. Das Engagement sei auf Dauer nicht wirtschaftlich, hieß es bei Lime auf Nachfrage. Interessant: Vergleichbares wurde unlängst auch aus anderen Städten bekannt. Der Anbieter zog fast zeitgleich auch in Bielefeld, Gladbeck, Herne, Detmold, Gelsenkirchen, Recklinghausen und Münster komplett oder vorübergehend den Stecker.
Der Abzug dürfte den Verantwortlichen im Hammer Rathaus nicht gefallen, sind die motorisierten „Tretroller“ doch Teil des heimischen Mobilitätskonzepts, mit dem umweltfreundliche Verkehrsmittel gefördert werden sollen. Tatsächlich sollte die Versorgung in der Stadt sogar noch ausgebaut werden – „zum Beispiel an den Bahnhöfen in Bockum-Hövel und Heessen sowie in den Stadtbezirken“, hatte Tom Herberg, Sprecher der Stadt Hamm, erst vor wenigen Wochen gesagt.
Rahmenbedingungen für Gespräche entscheidend
Woran auch immer es hakt: Dass der andere in Hamm tätige Anbieter Tier seine Flotte von aktuell 250 Fahrzeugen – nicht 300, wie zuvor zu lesen war – spürbar aufstocken wird, ist nicht absehbar. Seitens der Stadt gab es bislang zumindest keine entsprechende Kontaktaufnahme, sagt Firmensprecher Patrick Grundmann. Vom Lime-Rückzug habe man „aus der Presse erfahren“.
Zwar sei Tier mit der bisherigen Bilanz in Hamm „sehr zufrieden“, doch sei eine größere Flotte nur profitabel, „wenn die E-Scooter auch genutzt werden“. Die Stadt Hamm verlange eine Gebühr von 30 Euro pro Fahrzeug und Jahr – das sei „ziemlich viel“ für eine Stadt mit rund 180.000 Einwohnern. „Ob eine Aufstockung vor dem Hintergrund der Gebühren ökonomisch sinnvoll ist, können wir aktuell noch nicht sagen“, so Grundmann. Der aber noch deutlicher wird, wenn er sagt: Mögliche Gespräche über eine Erweiterung hingen von den „Rahmenbedingungen“ ab.
Hält Lime sich eine Rückkehr stillschweigend offen?
Gut möglich, dass Lime ebenfalls auf diese Karte setzt. Denn in einer ersten Stellungnahme hatte Firmensprecherin Anika Reinshagen unauffällig den Begriff „vorerst“ genutzt. Das könnte bedeuten, dass sich Lime eine Rückkehr offen hält, sollte die Stadt bestimmten Bedingungen entsprechen oder Abstand von Auflagen nehmen. Solches Kräftemessen werde zumindest immer wieder aus anderen Städten bekannt – zuletzt unter anderem auch aus Münster, wo sich Lime offiziell in der Winterpause befindet. Im Firmensprech steht über diesen Drohszenarien mitunter diffus: „Wir machen eine Winterpause“.
Bei der Stadt Hamm zeigt man sich beim neu aufgeflammten Thema E-Scooter bislang nach außen schmallippig. Zur Lime-Nachricht Ende vergangener Woche wollte man sich inhaltlich nicht äußern, darüber hinausgehende Anfragen blieben am Rosenmontag noch unbeantwortet.
Nicht mehr als 300 Fahrzeuge je Anbieter
Offiziellen Angaben zufolge haben mit den 250 Tier-Scootern bis heute 6000 Nutzer insgesamt 45 000 Fahrten durchgeführt und dabei eine Strecke von 75.000 Kilometern zurückgelegt. Grundsätzlich sei die Flottengröße keine starre Zahl, sondern schwanke täglich, da Scooter auch gewartet und repositioniert werden müssen, heißt es. Die Stadt hat eine Obergrenze von 300 Fahrzeugen je Anbieter festgelegt.
Rubriklistenbild: © Symbolbild: Sina Schuldt
