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Nach dem Anschlag auf dem Magdeburger Weihnachtsmarkt haben Stadt und Polizei in Hamm nochmals alle Bereiche an der Pauluskirche auf ihre Sicherheit überprüft – und „nachjustiert“.
Hamm – Der Anschlag auf dem Magdeburger Weihnachtsmarkt bleibt in Hamm nicht ohne Folgen: Die Stadt hat weitere Maßnahmen zur Sicherheit ihres eigenen festlichen Dorfes rund um die Pauluskirche umgesetzt, die Menschen gehen mit gemischten Gefühlen von Stand zu Stand.
Trauer und Anteilnahme nach der schrecklichen Tat sind groß. Am Samstag um 19 Uhr, fast genau 24 Stunden nach der Todesfahrt durch eine friedlich-flanierende Menschenmenge in Sachsen-Anhalts Hauptstadt und mit Beginn des Gedenkgottesdienstes im dortigen Dom, findet an der Pauluskirche eine Schweigeminute für die vielen Verstorbenen und Verletzten statt.
„Unsere Gedanken sind bei den Verletzten und den Angehörigen der Opfer.“
Schausteller und Besucher halten inne, auch Marc Herter. „Diese Tat hat die Menschen in Magdeburg, genauso jedoch weit darüber hinaus aus der vorweihnachtlichen Stimmung gerissen“, sagt Hamms Oberbürgermeister. „Unsere Gedanken sind bei den Verletzten und den Angehörigen der Opfer.“
Mitgefühl und Solidarität: Auf dem belebten Platz im Herzen der Stadt herrscht Stille, viele Lichter sind erloschen. Den ganzen Tag über schon war auf das Abspielen von Musik verzichtet worden, das Bühnenprogramm fiel aus. Erst am Sonntag herrschte wieder „Normalbetrieb“. Alles war beim Alten, aber irgendwie auch nicht …
Sind die Sicherheitsvorkehrungen auf dem hiesigen Weihnachtsmarkt ausreichend? Diese Frage hätten sich die Verantwortlichen von Stadt und Polizei bereits unmittelbar nach der Schreckenstat am Freitagabend gestellt, schildert Stadtsprecher Detlef Burrichter – um sich für den Morgen danach zu einer Begehung zu verabreden. Dabei sei „nachjustiert“ worden, heißt es.
Als Sofortmaßnahme wurden elf zusätzliche „Oktablöcke“ aufgestellt, in Gänze sind es jetzt rund 50. Die speziellen Poller verhindern die Weiterfahrt, sobald sie überfahren werden. „Wir haben sie vor allem im Bereich Oststraße platziert“, so Burrichter, als „zweite Sicherheitslinie hinter der bestehenden“. Er spricht von einer „Verdichtung“, Lücken in den Barrieren habe es auch zuvor nicht gegeben.
Kleintransporter vor den Rettungswegen
Der Täter in Magdeburg ist über Rettungswege auf den Markt ein- und ausgefahren, die zwar mit Polizeikräften besetzt, aber offenbar nicht mit ausreichend Hindernissen gegen unberechtigtes Passieren versehen waren. „Unsere Zufahrten für Rettungskräfte sind seit Marktbeginn mit Kleintransportern verstellt“, schildert Burrichter. Bei Notfalleinsätzen auf dem Markt könnten sie schnell durch das Personal vor Ort versetzt werden.
„Oktablöcke“: Mobile Fahrzeugsperren
Bis 2021 hatte die Stadt Veranstaltungen im öffentlichen Raum mit wassergefüllten, aber unhandlichen „Indutainern“ geschützt, dann erwarb sie „Oktablöcke“. Die 1,25 Meter hohen und 450 Kilogramm schweren mobilen Fahrzeugsperren stehen auf einem Krallenkranz. Kippt der Poller beim Aufprall mit einem Fahrzeug um, gerät der 80-Zentimeter-Kranz unters Kfz und bremst dieses nach wenigen Metern ab.
Der Weihnachtsmarkt ist am Montag, 23. Dezember, von 12 bis 20 Uhr geöffnet (Gastronomie: bis 21 Uhr) und geht dann in eine dreitägige Weihnachtspause. Abschließende Öffnungstage sind Freitag, 27., bis Montag, 30. Dezember.
Die Sicherheitskonzepte für Großveranstaltungen in Hamm würden laufend überprüft und, wenn nötig, nachgebessert, heißt es. Das gelte auch für den Weihnachtsmarkt. Die Ereignisse von Magdeburg würden unabhängig von den Sofortmaßnahmen in die Betrachtungen einfließen. Von der Polizei heißt es, ihre Präsenz an der Pauluskirche „bleibt hoch“.
Eine Mutter: „Wir fühlen uns hier sicher“
Uwe Röhrig vom Schaustellerverband „Hand in Hand“ sagt, dass die Gewalt von Magdeburg ihn und seine Kollegen „geschockt“ und „teils sprachlos“ gemacht hätten. Die Besucher seien, zumindest am Samstag, spürbar ruhiger und zurückhaltender gewesen. „Dabei kommen sie doch eigentlich, um abzuschalten – und dann so etwas. Furchtbar.“
Das normale Leben müsse irgendwann weitergehen, sagt Röhrig. Am Sonntagnachmittag sieht man schon wieder Familien mit Kindern über den Markt schlendern. „Wir fühlen uns hier sicher“, meint eine Mutter und zeigt auf die Poller. „Ich habe ein komisches Gefühl, doch wenn man Angst hat, geht man nirgendwo mehr hin“, sagt eine andere Frau.
+++ UNSERE BERICHTERSTATTUNG VON FREITAG UND SAMSTAG +++
Update vom 21. Dezember, 19.30 Uhr: Um 19 Uhr, fast genau 24 Stunden nach dem tödlichen Anschlag in Magdeburg, wurde es auf dem Hammer Weihnachtsmarkt still und dunkel. Zur Schweigeminute für die Opfer versammelten sich Hamms Oberbürgermeister Marc Herter, Schausteller und Besucher vor der Pauluskirche. Danach ging es mit gedämpfter Lautstärke weiter, es gab kein Programm auf der Bühne.
Reaktion auf Anschlag in Magdeburg: Schweigeminute und keine Musik in Hamm
[Erstmeldung vom 21. Dezmber] Hamm – Die aktuell laufende Weihnachtsmarkt-Saison bringt leider nicht nur Freude mit sich. Am 20. Dezember fuhr ein Attentäter in Magdeburg mit seinem SUV in einen Weihnachtsmarkt und tötete mehrere Menschen, viele weitere wurden schwer verletzt. Wer nun einen Besuch auf einem der vielen Weihnachtsmärkte in Nordrhein-Westfalen plant, dürfte möglicherweise verunsichert sein. Einige Veranstalter äußerten sich bereits zu den Sicherheitskonzepten der Großveranstaltungen. Auch der kommunale Ordnungsdienst in Hamm greift das Thema Sicherheit auf dem Hammer Weihnachtsmarkt auf und hat die Vorkehrungen noch einmal genau unter die Lupe genommen.
Sicherheit auf dem Weihnachtsmarkt in Hamm: Stadt und Polizei überprüfen Bereiche
Am Samstagvormittag, 21. Dezember, überprüfte das Ordnungsamt gemeinsam in einer Begehung mit der Polizei, Feuerwehr und dem Stadtmarketing das bestehende Sicherheitskonzept an der Pauluskirche. „Wir haben das Sicherheitskonzept nochmal durchgesprochen, die Sperrungen angeschaut und genau überprüft“, erklärt Matthias Walter, Abteilungsleiter des kommunalen Ordnungsdienstes im Gespräch mit wa.de. Dabei habe sich herausgestellt, dass alles in Ordnung und sicher ist.
Dennoch habe man sich dazu entschieden, ein paar zusätzliche „Oktablöcke“ – spezielle Poller, die als Zufahrtkontrollsysteme dienen und nach vorne kippen, wenn ein Auto dagegen fährt – zu setzen. Diese Maßnahme wurde beschlossen, „um die beste Sicherheit vor Ort zu garantieren“, so Walter. Ergänzt wurden diese im Bereich der Bereich Oststraße. Auch der Wochenmarkt habe ein paar zusätzliche, mobile Sperren bekommen. Ansonsten laufe alles wie gewohnt weiter.
Weihnachtsmarkt in Hamm: Keine Musik und Schweigeminute am Samstag
Zusätzlich will die Stadt am Samstag im Weihnachtsdorf auf Musik verzichten, aus Rücksicht auf die Opfer. Es werde keine Party-Musik in den Zelten und keine Musik auf der kleinen Bühne gespielt.
Die Stadt beteiligt sich außerdem an einer landesweiten Schweigeminute vor der Pauluskirche um 19 Uhr, zu der der Schaustellerverband aufgerufen hat. Das bestätigt Detlef Burrichter, Leiter der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit in Hamm. Auch Oberbürgermeister Marc Herter werde vor Ort sein.
Rubriklistenbild: © Robert Szkudlarek


