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Die letzte Wildpferdeherde Europas zieht nicht nur einmal im Jahr Besucher nach Dülmen in NRW. Der Besuch im Münsterland ist etwas ganz Besonderes.
Dülmen – In Dülmen nahe Münster in NRW gibt es eine Herde Wildpferde. Sie ist die Letzte noch lebende Herde in Europa. Aus diesem Grund ist sie nicht nur ein Anziehungspunkt für viele Besucher jedes Jahr, die Herde muss auch besonders geschützt werden.
Wildpferde in Dülmen – So lebt die Herde
Bereits seit über 700 Jahren lebt die Herde im Münsterland. Damals umfasste ihr Lebensraum mehrere Tausend Hektar Land. Mit fortschreitender Kultivierung und Ausbreitung der Menschen wurden die Pferde immer mehr eingeschränkt und sie mussten um ihren Lebensraum kämpfen.
Mitte des 19. Jahrhunderts wurde die Familie Herzog von Croÿ auf die Herde aufmerksam, die zu dem Zeitpunkt aus einer bedrohlich klein gewordenen Anzahl bestand. Die Familie schuf für die Pferde ein fast 400 Hektar großes Reservat, die Wildpferdebahn im Merfelder Bruch. Heute leben in dem Naturschutzgebiet rund 400 Wildpferde.
Naturschutzgebiet Merfelder Bruch
Die Wildpferdebahn im Merfelder Bruch ist heute ein Naturschutzgebiet, in dem die Herde einen wesentlichen Bestandteil bildet. Das oberste Ziel des Naturschutzes ist hier die Arterhaltung des Dülmener Wildpferdes. Damit verbunden sind alle Tätigkeiten, die den Bestand der Herde fördern und ihre Existenz langfristig sichern.
Ein entscheidender Aspekt für die Arterhaltung ist der Erhalt des Biotops, also dem natürlichen Lebensraum der Pferde. Jegliche Veränderungen durch Menschen in diesem Lebensraum können langfristig die natürliche Selektion beeinflussen und einen anderen Pferdetypus hervorbringen. Daher ist es von großer Bedeutung, den Lebensraum der Wildpferde im Merfelder Bruch zu schützen und zu erhalten, um ihre einzigartigen Merkmale und die genetische Vielfalt zu bewahren.
► Größe der Wildbahn (Naturschutzgebiet): ca. 360 ha bzw. 3,6 km²
► Nutzung des Gebiets: 45 Prozent Wald, 50 Prozent Wiesen und 5 Prozent Wege, Gräben und die Arena
Ein jährliches Highlight – Der Wildpferdefang
Der Wildpferdefang in Dülmen ist ein weiterer wichtiger Aspekt, der zur Arterhaltung beiträgt. Um Machtkämpfe zwischen den Hengsten zu vermeiden, werden einmal im Jahr die männlichen, geschlechtsreif werdenden Hengste aus der Herde heraus gefangen. Seit 1907 findet das Event jährlich am letzten Samstag im Mai in der Arena auf der Wildpferdebahn statt. Die Hengste werden nach dem Fang zum Kauf angeboten und versteigert.
Die Veranstaltung lockt jährlich viele Besucher aus ganz Deutschland nach Dülmen. Nach eigenen Angaben ist die Stadt, an die der Lebensraum angrenzt, auch als „Stadt der Wildpferde“ bekannt. Rund um den eigentlichen Fang gibt es ein Showprogramm und vor den Tribünen gibt es Stände mit Verpflegung. Der Höhepunkt ist dann der Einlauf der Wildpferde mit dem anschließenden Fang der Hengste. Besonders ist, dass die Fänger die männlichen Pferde mit den Händen fangen. Das Fangen kann teilweise auch über eine längere Zeit andauern. Für das Publikum ist es spannend zuzuschauen, wie die Pferde den Fängern immer wieder entwischen, bis sie sich doch geschlagen geben müssen.
Die Wildpferde erleben – Besuch der Wildpferdebahn
Die Wildpferdebahn als Ausflugsziel:
► Öffnungszeiten: Zwischen März/April – 1. November: 10 – 18 Uhr an Samstagen, Sonntagen und Feiertagen in NRW. Während die Wildpferdebahn witterungsbedingt außerhalb dieser Zeit geschlossen ist, gibt es alternative Ausflugsziele in NRW für Entdecker.
► Eintritt: Erwachsene: 4 Euro; Kinder (bis 14 Jahre): 2 Euro
► Adresse und Anfahrt: Ins Navi eingeben: Zur Wildpferdebahn; alternativ: Rekener Straße, Dülmen; Beschilderungen zur Wildpferdebahn folgen
► Außerdem wichtig: Auf dem Gelände sind keine Hunde erlaubt.
Die Tickets für den Wildpferdefang in der Arena sind jedes Jahr innerhalb kurzer Zeit vergriffen. Ein Besuch der Wildpferde ist aber auch so möglich. In den Frühjahrs– und Sommermonaten kann die Wildpferdebahn besucht werden. Dort kann man die Herde in ihrem natürlichen Lebensraum beobachten. Auch Gruppenführungen sind unter der Woche nach Vereinbarung möglich. Neben dem Blick auf die Wildpferde können die Teilnehmenden auch noch einiges über die beeindruckenden Pferde lernen. (may)
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