VonMarcel Guboffschließen
Hannah Deckeschließen
Es war viel los an Silvester in NRW. Vielerorts haben die Einsatzkräfte eine arbeitsreiche Nacht hinter sich. Dazu wurden sie vielerorts attackiert.
NRW - Viele, teils fatale Brände, Angriffe auf Rettungskräfte und ein Toter: Auch wenn die Silvesternacht in Nordrhein-Westfalen laut Polizei ohne größere Zwischenfälle über die Bühne gegangen ist, hatten die Einsatzkräfte beim Jahreswechsel vielerorts allerhand zu tun. Mehrere Leitstellen berichteten am Neujahrsmorgen von einem durchaus hohen, aber für eine Silvesternacht nicht ungewöhnlichen Einsatzaufkommen. Im Kreis Soest wurde die Freude über das neue Jahr von einem tragischen Unglück überschattet.
Silvester in NRW: Tod durch illegalen Böller und schwere Verletzungen
Fünf Menschen verloren in der Silvesternacht 2024/2025 in Deutschland ihr Leben. Der Grund: Böller-Unfälle. Auch in NRW starb ein junger Mann. In Geseke im Kreis Soest wurde ein 24-Jähriger durch einen illegalen Böller tödlich verletzt. Ersten Untersuchungen zufolge geschah das Unglück, als der junge Mann mit dem Feuerwerkskörper hantierte. Der 24-Jährige war von seinem Bruder, seiner Schwägerin und mehreren Kindern tot aufgefunden worden.
In Duisburg wurde ein Mann schwer verletzt, als ein Böller in seiner Hand explodierte. Er kam in ein Krankenhaus, wie die Feuerwehr mitteilte. Laut WAZ hat ein 10-Jähriger in Bochum durch einen Böller einen oder mehrere Finger verloren. Ob er den Böller selbst zündete oder jemand anders, war zunächst nicht bekannt.
Viele Brände an Silvester in NRW – Haus in Münster unbewohnbar
Vor allem die Feuerwehr hatte in vielen Städten in NRW einiges zu tun. Es brannten Mülltonnen, Gebüsche und Balkone. In den meisten Fällen waren die Brände auf Raketen und Böller zurückzuführen. In Essen berichtete die Feuerwehr von 107 Alarmierungen wegen Brandereignissen – mehr als im Vorjahr. In Duisburg zerstörte die Detonation eines verbotenen Böllers Teile eines Restaurants. Die Ermittlungen zu dem Vorfall dauerten an, hieß es von der Duisburger Polizei.
Neben kleineren Feuern kam es mancherorts auch zu fatalen Bränden, wobei zunächst nicht bekannt war, ob sie durch Feuerwerk verursacht wurden. In Heinsberg brannte am Neujahrsmorgen eine Lagerhalle vollständig ab. Die Brandursache ist noch unklar, berichtet der WDR.
In Essen kam es am frühen Abend zu einem Zimmerbrand in einem Mehrfamilienhaus, die Feuerwehr konnte ein Übergreifen der Flammen auf den Rest der Wohnung verhindern. Kurz nach Mitternacht gingen zahlreiche Notrufe bei der Leitstelle in Essen ein. Im neunten Stock eines Hochhauses brannte es. Laut Feuerwehr beschränkte sich das Feuer auf den Balkon und das dahinterliegende Wohnzimmer. Drei Minuten später brannte es auf einem Balkon eines anderen Mehrfamilienhauses in Essen. Sechs Minuten später stand der nächste Balkon in Flammen.
Auch in Münster standen die Telefone kurz nach Mitternacht nicht still. Laut Feuerwehr meldeten viele Anrufer verschiedene Brände und medizinische Notfälle. Gegen 0.09 Uhr erreichten die Leitstelle mehrere Notrufe wegen eines Wohnungsbrandes. „Beim Eintreffen der ersten Kräfte stand eine Wohnung im 2. Obergeschoss in Vollbrand. Die Flammen schlugen bereits aus den Fenstern“, schildert die Feuerwehr Münster. Insgesamt waren 8 Feuerwehrtrupps nötig, um das Feuer zu löschen. Eine Person wurde leicht verletzt. Das Haus galt wegen der „massiven Rauch- und Brandausbreitung“ zunächst als unbewohnbar. 19 Personen wurden in eine Ersatzunterkunft gebracht.
„Bemerkenswert“: Feuerwehr berichtet von Böller-Angriffen während Einsätzen
Als „bemerkenswert“ bezeichnet es die Feuerwehr Münster, dass bei diesem Einsatz wie auch bei anderen in der Silvesternacht „offensichtlich Feuerwerkskörper absichtlich sowohl auf Einsatzkräfte als auch die Einsatzfahrzeuge gerichtet wurden“, heißt es in einer Mitteilung. Glücklicherweise seien keine Einsatzkräfte verletzt worden. Die Einsatzabarbeitung habe sich jedoch dadurch verzögert.
Auch Mitarbeiter des Kommunalen Ordnungsdienstes (KOD) der Stadt Münster seien nach Angaben der Stadt in der Silvesternacht „offenbar gezielt“ mit Feuerwerkskörpern angegriffen worden. KOD-Mitarbeiter sei dabei leicht verletzt worden. Münsters Ordnungsdezernent Wolfgang Heuer fand klare Worte dazu: „Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit Pyrotechnik zu beschießen, ist gefährlich, dumm und gegen die Rechtsordnung gerichtet.“
Auch weitere Polizeileitstellen berichteten von Angriffen mit Pyrotechnik auf Einsatzkräfte. So beschossen Unbekannte in mehreren Kölner Stadtteilen Polizei und Feuerwehr mit Feuerwerkskörpern. Zwei Beamte seien durch Böller verletzt worden, teilte eine Polizeisprecherin mit. In Gelsenkirchen warfen Unbekannte zwei Raketen und einen Böller auf Feuerwehrleute, die gerade einen Mülltonnenbrand löschten. Auch in Leverkusen sind laut Polizei Einsatzkräfte während der Löscharbeiten mit Pyrotechnik beworfen worden, die in unmittelbarer Nähe explodierten. In Dortmund kam es zu „unkontrollierten Böllerwürfen“, wodurch ein Polizist verletzt wurde.
In Erkrath hatten die Einsatzkräfte derweil mit 150 Jugendlichen und Heranwachsenden gut zu tun, die am Jahreswechsel ordentlich für Randale gesorgt hatten. Die Feuerwehr berichtete dort etwa von in Brand gesetztem Müll, Böllerwürfen auf Einsatzkräfte und umgeworfene Toilettenhäuschen als Straßensperren. Die Polizei setzte dabei auch Schutzschilde ein, um die Feuerwehrleute bei den Löscharbeiten zu schützen. (mit dpa-Material)
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