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Zwölf mal stand Philip Brall bei der nun vergangenen 30. Warsteiner Internationalen Montgolfiade als Pilot im Ballonkorb - dabei hat er eigentlich Höhenangst. Wie er die Jubiläums-WIM resümiert und was er noch für Ballonsportpläne hat.
Warstein – Eigentlich hat Philip Brall Höhenangst. Wenn er aber in den Ballonkorb klettert, ist die Angst wie weggeflogen. Oder sollte man lieber sagen „wie weggefahren“? In den vergangenen acht Tagen war der 26-jährige Warsteiner erstmals als Pilot Teil der Warsteiner Internationalen Montgolfiade – genauso wie sein Kollege Torben Raßmus vom gemeinsamen Ballonteam „Raßmus & Brall“. Dass es eine WIM-Premiere mit solch traumhaften Bedingungen wurde, hätte sich Brall vorher nie erträumen lassen. Vor allem, weil der Pilotenschein fast auf den Tag genau gerade einmal ein Jahr alt ist: „Es hätte besser nicht laufen können.“
Die Vita seiner Ballonsport-Faszination beginnt auch mit eben jener Höhenangst – abgesehen von den Montgolfiaden, die Brall als Kind mit den Eltern besuchte oder deren Starts er im Feld bestaunte: „Bei einer Montgolfiade, ich glaube 2016 war es, suchte ein Team noch einen Verfolger. Dadurch, dass ich einen Anhängerführerschein hatte, rutschte ich über meinen Kumpel Marvin Nöllecke schnell in die Mannschaft. Weil ich aber extreme Höhenangst habe, habe ich mich immer gewehrt, in so einen Korb einzusteigen. Ich bin lieber draußen geblieben.“
Sprung ins kalte Wasser
Ein paar Fahrten sei das auch „gut gegangen“, „aber nach dem dritten oder vierten Mal wurde ich ins kalte Wasser geschmissen“ – oder vielmehr in den Ballonkorb: „Ich habe gesagt, das mache ich nicht, aber mir blieb nichts anderes übrig. Mit einem Tritt im Hintern fand ich mich im Korb wieder. Und der Start, auch auf der Montgolfiade, hätte stressiger nicht sein könne, wurde nach zehn Minuten aber richtig schön.“ Von der Höhenangst keine Spur.
Über die folgenden Jahre lernt Brall immer mehr Ballonpiloten und Crews kennen, darunter auch Carsten Pankoke und Mannschaft aus Waldhausen: „Wir haben viele Fahrten hier in der Gegend gemacht und dann stand für mich irgendwann fest: Das will ich auch selber machen.“ Trotz der Höhenangst, die habe Brall nach wie vor – „nur im Ballonkorb komischerweise nicht“.
Ohne funktionierende Crew geht es nicht
Es sei schon etwas anderes, eine WIM als Pilot statt als Verfolger mitzumachen, resümiert Brall seine erste Teilnahme: „Es ist schon immer auch ein bisschen Stress und Hektik bei den Starts und auch anstrengend, keine Frage. Insgesamt 12 Fahrten, nur zwei habe ich ausgesetzt, dazu das frühe Aufstehen, da ist man irgendwann ein bisschen angeschlagen. Aber es lohnt sich immer wieder.“ All das aber nicht ohne ein funktionierendes Team: „Wir fahren am Sonntag auch nicht, sondern lassen die WIM am Samstagabend im Zelt ausklingen. Das ist auch ein schöner Moment für die gesamte Crew.“
Ballonfahren sei „richtige Maloche“, sagt Brall. Korb, Brenner und Hülle wiegen zusammen knapp 250 Kilogramm, die Gasflaschen kommen noch hinzu: „Mit weniger als fünf Leuten ist das unmöglich, aber da packen alle mit an, das klappt super.“ Ja, in Warstein zu starten, das sei ganz besonders. Vor allem, wenn man dann auch noch über die Stadt selber hinweg fährt. Aber auch in Kiel, in Frankreich oder in Bayern beispielsweise war Brall mit seinem Ballon bereits unterwegs: „Ich will möglichst viel sehen, viel mitmachen. Vor den Alpen Ballon fahren ist auch atemberaubend.“


