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Hinter jedem Ballonpiloten steht auch ein engagiertes Team. Die Warsteinerin Leoni Kemper ist Verfolgerin von Partner und Ballonpilot Frederic Sass. Was sie am Ballonsport fasziniert und worauf es beim Verfolgen ankommt.
Warstein – Der Begriff des „Erdferkels“ gefällt Leoni Kemper nicht besonders: „Ich finde, dass Verfolger besser klingt. Und irgendwie ja auch neutraler.“ Denn wenn in diesen Tagen an den Morgenden und Abenden die Heißluftballone in den Warsteiner Himmel steigen, steigt Kemper hinters Lenkrad und verfolgt Partner und Ballonpilot Frederic Sass vom „Warsteiner Happy Ballooning“-Team. Über ihn fand Kemper auch zur Faszination für den Ballonsport.
„Na klar, ich komme aus Warstein, als Kind habe ich mit meinem Bruder auch schon immer die Starts beobachtet“, sagt sie. Engere Bindungen zum Ballonspektakel gab es aber nie. Erst als Partner Frederic bei befreundeten Ballonteams half, wurde auch Kemper Teil der großen Ballonsportfamilie: „Beim Aufrüsten, bei Starts oder beim Nightglow war ich dann auch dabei. Und ich glaube für uns beide war unabhängig voneinander klar, dass Freddi auch irgendwann seinen Pilotenschein machen wird.“ Das habe nie wirklich infrage gestanden, sei auch nie Streitpunkt gewesen, ganz im Gegenteil, sagt Kemper: „Ich habe mich darüber gefreut.“
Ballonsport ist Hobby, das man gut teilen kann
Den Schein hat Sass nun seit rund sechs Jahre, bei der ersten Ausbildungsfahrt war Kemper sogar mit im Korb – und seitdem stets an Bord: „Es war klar, dass ich dann auch helfe und unterstütze. Frederic sagt selber: Habe ich keine Verfolger, brauche ich auch nicht los. Ohne ein Team drumherum gibt es keinen Ballonsport. Ich musste aber auch nicht überredet werden. Ich mache das schon gerne.“
Das Schöne sei, dass der Ballonsport ein Hobby sei, das man gut teilen könne, gut gemeinsam betreiben kann, sagt Kemper: „Es nimmt eben auch viel Zeit in Anspruch, fünf bis sechs Stunden pro Start ist man schon unterwegs.“ Häufig darf sie natürlich auch mit in den Korb. Die schönste Fahrt? „Wir sind einmal im Winter zusammen mit Dominik Pfeiffer fast drei Stunden ins Sauerland gefahren, überall lag Schnee. Das war schon besonders.“
Im Verfolgerfahrzeug mit Anhänger hinterher
Wenn der Wecker wie beispielsweise am Montagmorgen um 4.30 Uhr zum „Long Distance Race“ klingele, stehe manchmal aber auch die Morgenmüdigkeit über der Ballonsport-Liebe: „Da fragt man sich schon auch mal, ob das nun wieder nötig ist. Das Aufstehen fällt dann schon schwer. Aber wenn man dann dabei ist, wenn es losgeht, weiß man, warum man es macht.“
Doch worin genau besteht die Verfolger-Arbeit? „In erster Linie arbeitet man als Team dem Piloten zu und hilft beim Aufrüsten.“ Wo es um Technik und Sicherheit gehe, übernehme aber immer der Pilot selber: „Aber beispielsweise bedient man den Ventilator, klettet die Hülle und bepackt den Anhänger.“
Große Kunst, rechtzeitig vor Ort zu sein
Und dann geht es mit Verfolgerfahrzeug und Anhänger hinterher: „Meistens sprechen wir auch vorher, in welche ungefähre Richtung es geht.“ Dann heißt es: Wenn möglich Sichtkontakt halten, Livestandorte austauschen, per Telefon oder Funk kommunizieren: „Der große Vorteil hier ist, dass man Warstein und Umgebung kennt. Andernorts wird es schon einmal schwieriger.“
Die große Kunst sei, genau dann an Ort und Stelle zu sein, wenn der Ballon auch lande. Häufig klappt es, manchmal mit wenigen Minuten Verzögerung auch nicht. Mit einem Lachen fügt Kemper an: „Aber bislang habe ich Freddi immer wieder eingesammelt.“


