VonGerald Busschließen
An der A44 könnte ein Solarfeld von rund acht Hektar entstehen. Die Pläne sind bereits gemacht, doch die Realisierbarkeit ist unsicher. Die zentrale Frage: Ist das Vorhaben rentabel?
Werl – Es ist ein millionenschweres Vorhaben entlang der Autobahn – ob es aber realisiert werden kann, das steht noch in den Sternen. An der Sonne wird es zumindest nicht scheitern. Eher stellt sich die Frage, ob es sich rentiert. Und da sieht es aktuell etwas düsterer aus, als es der Gewinnung von Sonnenenergie gut tut. An der A 44 könnte ein rund acht Hektar großes Solarfeld entstehen, das Strom für 2 000 Haushalte liefern würde. Die Flächen sind bereits gesichert, die Pläne sind gemacht, viele Aufgaben erledigt. Aber über allem schwebt die Frage: Lohnt sich das finanziell?
Stadtwerke Werl sind beteiligt
Einer der drei beteiligten Projektierer sind die Stadtwerke Werl, wie deren Geschäftsführer Robert Stams bestätigt. Zudem wirken zwei örtliche Projektierer mit. Dass das, was da vorgesehen ist, ein Großprojekt ist, lassen die Zahlen erahnen: Acht Megawatt (8 000 Kilowatt) soll die Leistung der Anlage sein und bis zu 7,5 Millionen Kilowattstunden Strom im Jahr erzeugen; die ausgesuchten Flächen längs entlang der Autobahn sollen 80 000 Quadratmeter groß sein, die Investition bei bis zu sechs Millionen Euro liegen. Den genauen Standort möchte der Stadtwerke-Chef derzeit noch nicht nennen, er befinde sich aber auf Werler Gebiet.
Vor allem passe das Projekt in die Bemühungen des heimischen Energieversorgers, in Erneuerbare Energien vor Ort zu investieren. Ein Weg, den das Haus an der Grafenstraße seit Jahren geht. Zuletzt hatten die Stadtwerke Werl das im Bereich Sonnenkraft mit dem Solarfeld am Bergstraße Weg und der Beteiligung am Wind-Repowering-Projekt in Mawicke gemacht. Am Bergstraßer Weg sollen die schon stehenden Module ebenfalls bald Strom aus Sonnenkraft liefern können.
Schattenseite des Projekts
Der Haken, der im Moment Schatten wirft aufs Projekt an der A 44: die Mindestvergütung. Es bedürfte der Zusage der EEG-Vergütung (Erneuerbare-Energien-Gesetz) durch die Bundesnetzagentur, damit die Projektierer das Vorhaben ohne finanzielles Risiko umsetzen können. Ob das gelingen kann, vermag Robert Stams aktuell nicht zu sagen; denn mittlerweile gebe es einen Preisverfall beim Strom, der sich auswirke. „Vor zwei Jahren hat das noch ganz anders ausgesehen, gab es eine gute Wirtschaftlichkeit“, sagt der Geschäftsführer.
Wir können schließlich nicht in ein Projekt investieren, wo wir nicht die ausreichende Sicherheit haben, dass es sich wirtschaftlich trägt.
Natürlich könnten die Stadtwerke den Strom auf dem Solarfeld auch erzeugen und selbst direkt vermarkten. Aber in der Verantwortlichkeit eines Energieversorgers auch den Kunden gegenüber wolle und werde man kein Risiko eingehen. „Wir können schließlich nicht in ein Projekt investieren, wo wir nicht die ausreichende Sicherheit haben, dass es sich wirtschaftlich trägt“, sagt Robert Stams.
Wie schwierig die Lage am Strommarkt sei, zeige sich in den schwankenden Tagespreisen. Fazit: Verlässlich ist das aktuell nicht.
Also gelte es für die Werler Projektierer nun, zunächst zu beobachten, wohin die Preise sich entwickeln. Grundsätzlich aber ist das Solarfeld an der A 44 weit in der Planung – und ein gewolltes Vorhaben, betont Robert Stams: „Da sind wir schon einen weiten Weg erfolgreich gegangen.“
Chancen und Gefahren
Offen ist die Frage, ob eine Teilnahme der Stadtwerke an der Ausschreibung der Bundesnetzagentur für die EEG-Vergütung aktuell Sinn macht. Die Bundesnetzagentur schreibt eine bestimmte Menge aus, deckelt aber den Preis nach oben. Heißt: Je niedriger die geforderte Vergütungssumme des Fotovoltaik-Anlagenbetreibers, umso größer die Chance, den Zuschlag zu erhalten – aber umso größer auch die Gefahr, dass es unwirtschaftlich wird für den Projektierer. Ein Abwägungsprozess also, den die Stadtwerke mit ihren Partnern zu leisten haben. Hinzu kommt, dass es deutlich mehr Bewerber als zu vergütende Strommengen gibt; Anfang Dezember 2023 sei zum Beispiel die Menge dreifach überzeichnet gewesen, sagt Robert Stams, der zudem auf ein Problem in unserer Region bei derlei Ausschreibungen verweist: Hier gebe es nun mal weniger Sonne als in Bayern oder Baden-Württemberg, was sich direkt auf die Wirtschaftlichkeit von Fotovoltaikanlagen auswirkt. Ein Nachteil, gegen den nichts zu machen ist.
