VonMick Oberbuschschließen
Solingen ist die einzige Stadt, die in NRW als Risikogebiet für die von Zecken übertragene Krankheit FSME gilt. Wie kommt das?
Solingen – Bei hohen Temperaturen Zeit im Freien verbringen, sich der Gartenarbeit widmen oder eine Wanderung unternehmen – diese und viele Aktivitäten mehr stehn bei vielen Menschen in NRW und somit auch in Solingen bei schönem Wetter auf der Tagesordnung. Dabei lauert jedoch nicht nur die Gefahr eines Sonnenbrandes – auch Zeckenbisse drohen und für teils schwere Krankheiten sorgen. Denn die Tiere gelten als Überträger der Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) aber auch von Borreliose.
Solingen einziges FSME-Risikogebiet in Nordrhein-Westfalen
FSME ist meldepflichtig, anhand gemeldeter Fälle gibt das Robert-Koch-Institut (RKI) jedes Jahr Daten zu FSME-Risikogebieten in Deutschland heraus. Eine Karte von Ippen.Media, die auf den aktuellen Daten beruht, zeigt: Vor allem in Süddeutschland gibt es als FSME-Risikogebiete, vor allem Bayern und Baden-Württemberg. Seit 2015 sind aber auch neue Risikogebiete hinzugekommen, die deutlich weiter im Norden liegen, etwa in Sachsen, Thüringen oder Brandenburg. NRW ist auf der Karte nahezu komplett weiß, sprich: Es gibt keine gemeldeten FSME-Fälle – außer in Solingen: Der Stadtkreis gilt laut den Daten des Robert-Koch-Instituts als FSME-Risikogebiet.
Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) – was ist das?
Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME): FSME-Viren werden vor allem durch Zecken auf den Menschen übertragen. Zunächst zeigen sich grippeähnliche Beschwerden wie Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen und allgemeines Krankheitsgefühl. Bei einem Teil der Erkrankten kommt es nach etwa einer Woche zu einer Entzündung der Hirnhäute und des Gehirns. Eine Rückenmarksentzündung kann ebenfalls auftreten. Als Folgeschäden können z. B. Lähmungen, Kopfschmerzen, geringere Belastbarkeit und Gefühlsschwankungen noch mehrere Monate anhalten. Eine folgenlose Heilung ist auch spät noch möglich. Es kann jedoch auch zu bleibenden Schäden kommen.
Quelle: infektionsschutz.de (Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung)
Zur Erklärung: Die Karte zeigt, in welchen Regionen Deutschlands das Risiko der Übertragung von FSME durch Zecken besonders hoch ist. Dies ist vor allem in Süddeutschland der Fall, doch auch in NRW gibt es mit dem Stadtkreis Solingen einen Fleck, der als Risikogebiet gilt. Warum ist das so?
FSME tritt in NRW vor allem in Solingen auf – fünf Fälle in den vergangenen drei Jahren
„Warum FSME gerade dort auftritt, kann niemand erklären. Da laufen ökologische Prozesse ab, die nicht im Detail verstanden sind“, teilt das RKI auf Anfrage mit. Allerdings müsse man die Zahlen relativ sehen: Demnach reiche bereits ein FSME-Fall pro 100.000 Einwohnende innerhalb fünf Jahren aus, um eine Stadt oder einen Landkreis als FSME-Risikogebiet auszuweisen. „Im Jahr 2021 hat es in Solingen vier FSME-Fälle gegeben. In 2022 wurde kein Fall nachgewiesen, in 2023 einer“, erklärt ein Stadtsprecher auf Anfrage.
Zecken in NRW und Solingen: Auch ohne FSME-Übertragung nicht ungefährlich
Zeckenbisse seien auch ohne FSME-Übertragung nicht ungefährlich; vor allem Borreliose, bundesweit verbreitet, sei auch in NRW vertreten. Dafür gibt es jedoch einige Handlungshinweise seitens des Robert-Koch-Institutes, welche eine Krankheit durch Biss verhindern oder bekämpfen sollen.
Wie wird eine Zecke richtig entfernt?
► Um das Infektionsrisiko zu minimieren, sollte die Zecke sobald wie möglich herausgezogen werden. Dabei sollten möglichst alle Teile der Zecke entfernt werden, um eine Entzündung zu vermeiden.
► Hierzu greift man die Zecke mit einer Pinzette oder einem speziellen Zeckenentfernungsinstrument nahe der Hautoberfläche, also an ihren Mundwerkzeugen (niemals am vollgesogenen Körper!) und zieht sie langsam und gerade aus der Haut.
► Falls kein Zeckenentfernungsinstrument oder Desinfektionsmittel zur Hand ist sollte die Zecke trotzdem sofort entfernt werden (z.B. mit dem Fingernagel), da so der Übergang von Krankheitserregern verhindert werden kann.
► Möglichst sollte die Zecke dabei nicht gedreht werden, und auf keinen Fall darf sie vor dem Entfernen mit Öl oder Klebstoff beträufelt werden. Dies würde das Tier unnötig reizen und könnte dazu führen, dass es seinen Speichel und somit mögliche Infektionserreger abgibt.
► Nach Entfernung der Zecke ist eine sorgfältige Desinfektion der Wunde empfohlen.
Quelle: Robert-Koch-Institut
(mo)
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