Optimismus in Autohäusern

Elektro-Autos als Gebrauchtwagen: „Keine Nische mehr!“

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Ein gebrauchtes Elektro-Fahrzeug? Wo früher Skepsis herrschte, kommt nun Bewegung rein. Doch es braucht besondere Verkaufsstrategien, erklären Autohändler in Hamm.

Hamm – Elektroautos sind auf dem Gebrauchtwagenmarkt angekommen. Immer mehr Leasingrückläufer und junge Gebrauchte sorgen für ein wachsendes Angebot an unterschiedlichen Marken und Modellklassen. Was bedeutet das für den Handel vor Ort in Hamm?

E-Autos: Vertrauen in die Technologie schaffen

„Ich fahre selbst ein E-Auto, man muss es einfach mal ausprobieren“, sagt Marco Schulz vom Autohaus Weller. „Im Alltag klappt das durch die Auseinandersetzung mit dem Thema viel besser, als viele denken. Ich pendle jeden Tag zwischen Hamm und Recklinghausen.“ Er beobachtet eine wachsende Anzahl an Interessierten, betonte dabei aber, wie essenziell Vertrauen und Informationen seien. Schulz ist überzeugt: Wer fundiert beraten will, muss eigene Erfahrungen mitbringen.

Uwe Laskowski (VW Franken) setzt sich mit Fragen zu Akkuzustand, Ladezyklen oder Garantien auseinander.

Deshalb ermutigt er auch sein Team, E-Autos auszuprobieren – zumindest für ein paar Tage. Für ihn ist Elektromobilität nicht nur eine Übergangslösung, sondern langfristig die sinnvollste Alternative. Gerade deshalb ist es ihm wichtig, Berührungsängste abzubauen.

VW Franken: Klassische Verkaufsstrategien greifen nicht

Anders sieht man es beim Autohaus VW Franken. Der Gebrauchtmarkt für E-Autos sei aktuell schwierig einzuschätzen, erklärt Uwe Laskowski, vor allem durch den Wegfall von Förderungen und Unsicherheiten bei der Preisentwicklung. „Wer sich für ein gebrauchtes E-Auto interessiert, kommt meist gezielt auf uns zu. Klassische Verkaufsstrategien greifen hier oft nicht“, so Laskowski. Stattdessen steht die individuelle Entscheidungsfindung der Kunden im Vordergrund. Fragen zu Akkuzustand, Ladezyklen oder Garantien werden dabei häufig gestellt.

Marco Schulz von Auto Weller fährt selbst ein Elektro-Auto.

Christian Franke vom Autohaus Senger bestätigt die steigende Nachfrage nach elektrischen Gebrauchtwagen, vor allem wenn diese gut sichtbar im Bestand platziert werden. „Unsere E-Autos, rein elektrisch oder als Hybrid, machen mittlerweile 65 Prozent unseres Gebrauchtwagenangebotes aus“, sagt Franke. Die Käufer seien häufig gut informiert und bringen Vorstellung von nachhaltiger Mobilität mit.

E-Autos werden als Ergänzung zum nachhaltigen Lebensstil gesehen. Bedenken entkräftet er durch Fakten, wie er betont: „Viele Kunden haben noch Zweifel an der Lebensdauer von Akkus. Doch moderne Batterien sind widerstandsfähiger, als man denkt“, erklärt Franke. Längere Garantien sorgen zusätzlich für Sicherheit und Vertrauen. Für ihn ist klar: „Gebrauchte E-Autos sind keine Nische mehr. Sie brauchen aber Präsenz und ehrliche Aufklärung.“ So lassen sich Einstiegshürden senken und Vertrauen kann geschaffen werden.

Denny Lux sieht Bewegung im Gebrauchtwagenmarkt

Denny Lux vom Autohaus Ebbinghaus erlebt, wie der Markt für gebrauchte E-Autos gerade richtig in Bewegung kommt. „Vor allem durch Leasingrückläufer bekommen wir aktuell eine große Menge an E-Autos rein“, sagt er. Besonders gefragt sind gebrauchte E-Autos als Zweitwagen, etwa bei Familien oder älteren Menschen mit begrenztem Budget, die in bar zahlen möchten. Die richtige Preisgestaltung ist dabei wichtig.

„Viele gebrauchte E-Autos verkaufen sich nicht von alleine, die Preise müssen marktgerecht angepasst werden“, so Lux. Im Gegensatz zum Neuwagenbereich spielten Förderungen hier eine untergeordnete Rolle. Die meisten Fahrzeuge stammen aus früheren Förderprogrammen und sind jetzt als attraktive Gebrauchte verfügbar.

Neben einem guten Auto braucht es gute Straßen, um mit Fahrkomfort von A nach B zu kommen. Die Stadt Hamm hat nun beschlossen, mindestens 50 Straßensanierungen vorzunehmen.

Rubriklistenbild: © Andreas Rother

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