Zentral und dezentral

Notunterkunft für Wohnungslose in Hamm mit zwei Standorten

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Ausschließlich Notschlafstelle: So sehen es aktuelle Überlegungen der Stadt für die Kleine Alleestraße 1 vor.
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Neben der Kleinen Alleestraße soll auch Dortmunder Straße in Betrieb bleiben: Die Betreuung von Menschen ohne festen Wohnsitz soll nach städtischen Willen künftig zweigleisig erfolgen. Als zentrale Notschlafstelle und als dezentrale längerfristige Belegung von einzelnen Zimmern wie bisher.

Hamm – Das geht aus einer Mitteilungsvorlage der Verwaltung an den Ausschuss für Soziales und Gesundheit (18. September, 16 Uhr, Technisches Rathaus) hervor. Die Stadt Hamm will für die neue, reine „Notschlafstelle“ das bestehende Gebäude an der Kleinen Alleestraße instand setzen. Bisher war auch von der Option mit Abriss und Neubau an gleicher Stelle die Rede gewesen.

Auf Basis eines vom Amt für Soziales, Wohnen und Pflege entwickelten Flächenkonzepts und dem Abgleich mit der Bestandsimmobilie habe man sich für Sanierung und Umbau entschieden. Die HGB (Hammer gemeinnützige Baugesellschaft) soll das Vorhaben umsetzen.

Damit das „Gasthaus“, wie die Notschlafstelle künftig heißen soll, langsam Konturen an. Gleichzeitig wirft die Mitteilung der Verwaltung aber einiges an Fragen auf.

Umbaukosten noch nicht klar

Politischer Beschluss: Der Punkt sei erst noch zu konkretisieren, heißt es von der Pressestelle der Stadt auf Nachfrage unserer Zeitung.

Umbaukosten: Gleiches gelte für die Finanzierung. Oberbürgermeister Marc Herter hatte bereits bei früherer Gelegenheit erklärt, das Vorhalten von Notschlafstellen beziehungsweise Unterkünften für Wohnungslose sei eine kommunale Aufgabe, müsse also ohne Förderung auskommen. Herter hatte zuletzt einen Neubau zumindest aber nicht kategorisch ausgeschlossen. Der Schluss liegt nahe, dass die Substanz der Immobilie an der Kleinen Alleestraße immerhin so gut ist, dass eine Sanierung bei Erfüllung aller funktionalen Erfordernisse der neuen Notschlafstelle die deutlich günstigere – und auch energetisch klügere – Variante sein dürfte.

Doppelstrukturen: Die Fachstelle Wohnungsnotfallhilfe der Stadt Hamm und und die Wohnungsnotfallhilfe der Caritas arbeiten bisher in der Unterkunft an der Dortmunder Straße eng zusammen, um Wohnungslosigkeit zu verhindern oder wieder in Wohnraum zu vermitteln. Ob durch die räumliche Zweiteilung ein erhöhter Personalbedarf, eine Verlagerung der Aufgaben an den zentraleren Standort oder andere neu strukturierte Arbeitsabläufe folgen, wurde noch nicht kommuniziert.

Geht Immobilie in HGB-Bestand über?

Immobilien: Gleiches gilt für den frei gezogenen Immobilienteil an der Dortmunder Straße. Der Standort hat immerhin zwei Gebäude mit vier Hausnummern. Wenn die HGB die Kleine Alleestraße „fit“ machen soll, wäre es folgerichtig, die Immobilie auch im Bestand zu haben. Und wenn die Stadt-Tochter dem Mutterschiff eine Kostenrechnung für Sanierung und Vermietung aufmacht, dürfte sicher auch die Politik mitreden.

„Bei der Standortfindung handelt es sich um den allerersten Schritt“, sagte Stadtsprecher Tobias Köbberling. „Die weiteren Punkte müssen erst noch konkretisiert werden.“ Die Vorlage sei daher bewusst kurz gehalten.

Der Rat hatte die Verwaltung im Dezember 2021 beauftragt, nach einem zentralen Standort für eine Übernachtungsstelle zu suchen. Die Stadt hatte die Immobilie 2022 im Rahmen des Vorkaufsrechts erworben.

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