Soester Symbolfigur

Jetzt kommt der Profi ran: Stadtarchivar Tobias Westhoff wird Soester Jägerken

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Wenn es um die Soester Stadtgeschichte geht, macht dem neuen Jägerken so schnell niemand etwas vor: Tobias Westhoff ist schließlich Profi.
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Soest hat ein neues Jägerken. Mit der Stadtgeschichte kennt sich das neue Soester Jägerken bestens aus.

Soest - Wams, Stiefel und Hut hatte er zwar noch nicht im Schrank, das musste wie bei den meisten seiner Vorgänger seit 1976 auch für ihn angepasst werden, aber beim Jägerken kennt er sich schon lange bestens aus: Als Soester Stadtarchivar ist Tobias Westhoff schließlich Profi – und wird schon bald selbst in die Symbolfigur schlüpfen, als wenn sie eine zweite Haut wäre.

Jetzt kommt der Profi ran: Stadtarchivar Tobias Westhoff wird Soester Jägerken

Gewiss, der Mann ist zugezogen – vor einigen Jahren bewarb er sich auf eine Stellenanzeige fürs Stadtarchiv in Soest. Was da noch ein neuer Job war, wurde schnell zu einer Angelegenheit des Herzens. „Für Historiker wie mich ist die Stadt quasi ein Paradies“, gerät der gerade mal 30-Jährige unwillkürlich ins Schwärmen. Sie ist nicht nur wunderschön und hat eine extrem spannende Vergangenheit, sondern auch der sehr umfangreiche mittelalterliche Archiv-Bestand ist außergewöhnlich und sucht in Westfalen seinesgleichen.“

Dass ihm als Jägerken im Jahr des 1400-jährigen Stadtjubiläums die Möglichkeit gegeben wird, sowohl für diesen außergewöhnlich großen und tatsächlich auch spannenden Schatz an historischen Zeugnissen aller Art zu werden, freut ihn besonders. „Viele Menschen glauben ja, das wäre ein Ort und eine Arbeit, die staubtrocken wäre und irgendwo hinter verschlossenen Türen passiert – tatsächlich aber ist das genaue Gegenteil der Fall“, schwärmt der passionierte Bücherfreund, Historiker und Soest-Fan gleich weiter.

Stadtarchivar wird Jägerken: Kontaktscheu ist er nicht

Der Austausch mit vielen Besuchern gehört für ihn zum Alltag wie die Lektüre von Dokumenten oder Recherche in einer Vielzahl von Quellen – kontaktscheu ist das neue Jägerken also sicher nicht.

Was für das Duo aus Hans-Albert Limbrock und Bernie Wieners, die gefühlt seit dem frühen Mittelalter, und auch in diesem Jahr wieder, das 48. Jägerken auswählten, ein Grund mehr war, Tobias Westhoff anzusprechen. Er ist schließlich auch Vorstandsmitglied im Verein für Geschichte und Heimatpflege, der zum 1400-Jährigen der Stadt der Verein sein sollte, der durch die Person des Jägerken besonders repräsentiert wird.

Das ist natürlich kein Zufall – was niemand besser als der Auserwählte selbst erklären kann. „Im Jahr 1924 organisierten die Soester Bürgerschützen unterstützt vom Soester Geschichtsverein und dem Verein für Heimatpflege, die damals noch getrennt agierten, nachweislich belegbar das 1300. Soester Stadtjubiläum. Auf dieses Ereignis konnte man sich in der Zeitrechnung nun zurückbeziehen und wir feiern jetzt – einhundert Jahre später – folglich 1400 Jahre Soest. Da lag es nahe, als Amtsträger für dieses Jahr jemanden aus den Reihen der damals ausrichtenden Vereine auszuwählen. Amtsträger, die das Soester Schützenwesen repräsentierten, gab es in der Geschichte der Soester Symbolfigur schon zweimal. Also fiel die Wahl auf jemanden aus dem Verein für Geschichte und Heimatpflege – und damit schließlich auf mich.“

Stadtarchivar wird Jägerken: Der Experte drückt Auge zu

Profi hin, Profi her: Dass die historische Authentizität Figur des Jägerkens es ganz gut verträgt, wenn man bei ihr als Experte ein Auge zudrückt, stört Tobias Westhoff überhaupt nicht – ebenso wenig wie das ein oder andere eher „neumodische“ Detail seines Outfits: „Erstens handelt es sich ja hier um eine Werbe-Figur und die muss ja in erster Linie auffallen und Sympathien wecken. Und zweitens bin ich in diesem speziellen Fall ganz dankbar für ein bisschen modernen Tragekomfort.“

Vor allem aber ist es für ihn „eine absolute Ehre, Soest als Repräsentationsfigur vertreten zu dürfen und den Menschen damit auch die Arbeit des Soester Geschichtsvereins näherbringen zu können.“ Und ja, „unheimlich stolz“ macht es ihn auch, ausgewählt worden zu sein.

Seine Feuertaufe mit allem Drum und Dran wird Tobias Westhoff mit der offiziellen Amtsübernahme von seinem Vorgänger Moritz Eckhoff im Rahmen der mit Riesenschritten nahenden Allerheiligenkirmes erhalten. Am Eröffnungstag, also Mittwoch, 6. November, wird die Übergabe um 14 Uhr am Fahrgeschäft Look 360 Grad auf dem nördlichen Petrikirchhof erfolgen.

Zwei Männer, zwei Geschichten

Tobias Westhoff wurde am 9. September 1994 in Rheda-Wiedenbrück geboren und wuchs dort auch auf. Nach seinem Studium kam er nach Soest. Er nennt als Lieblingsort seinen Balkon und als sein Lieblingsgericht Grünkohl mit Bratkartoffeln. Sein Lieblingsfahrgeschäft auf der Kirmes ist das Kettenkarussell.
Das Jägerken ist, gaaaanz streng genommen, eine Kunstfigur nach der literarischen Vorlage des Jägers von Soest in Grimmelshausens Roman Der abenteuerliche Simplicissimus. Simplicius, die Hauptfigur dieses Romans, verbringt einige Zeit in Soest, so wie auch der Roman-Autor Soest von eigenem Aufenthalt kannte.

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