Starkregenfälle in Hamm

Flut vor der Haustür: In Osttünnen und Süddinker wächst wieder die Angst

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Vielerorts in Hamm hat der erneute Starkregen wieder Wege und Flächen überflutet. Die Ortsteile Osttünnen und Süddinker haben eine eigene und besondere Vorgeschichte; die Ängste der Bürger wachsen wieder.

Hamm – Der Super-Gau blieb den Bewohnern von Osttünnen und Süddinker zwar erspart, das Hochwasser erreichte nicht die Ausmaße der Ereignisse aus dem Jahr 2014. Doch viel gefehlt hat nicht und das Wasser hätte erneut viele Wohnungen der Orte im Süden von Hamm überflutet. Es machte vielerorts kurz vor der Haustür halt. Die Angst der Bürger bleibt. „Wir machen bei solchen Wettervorhersagen kein Auge zu“, sagt eine betroffene Bürgerin aus Süddinker.

Der Starkregen von Dienstag und Mittwoch hat jedenfalls noch einmal deutlich vor Augen geführt, wie schnell sich die Katastrophe von 2014 wiederholen kann. Und eine Verbesserung der Lage ist nicht in Sicht. Die Pläne für die Hochwasserschutzmaßnahmen können weiterhin nicht verwirklicht werden. Und einen Plan B scheint es nicht zu geben.

Die Feuerwehr musste Wasser abpumpen.

Unwetter in Hamm: das Beispiel Osttünnen

Das Mega-Gewitter am Dienstagmorgen traf den Stadtbezirk Rhynern mit voller Wucht. Selbst in Rhynern selbst, wo vergleichsweise eher seltener Hochwasser-Probleme geschildert werden, war die Feuerwehr an mehreren Stellen im Einsatz und setzte die Pumpen ein. Viel Wasser in Rhynern bedeutet gleichzeitig, dass sich Osttünnen auf einiges gefasst machen muss. Denn das Wasser sucht sich seinen Weg nach unten in Richtung Ahse und muss dafür unweigerlich durch Osttünnen.

Am Dienstagmorgen wurde dies zunächst besonders anschaulich im Bereich der Raiffeisen-Genossenschaft. Hier schoss das Wasser durch beide Gräben entlang der Straße „An der Lohschule“ in Richtung Bahnübergang. Im Kreuzungsbereich mit Twärsweg und Am Tünner Berg lief es auf die Straße. Im Laufe des Tages erreichte es die Osttünner Mitte, wo der Durchlass nahe des Hofes Hoferichter für diese Wassermassen nicht ausreicht. Das Wasser überspülte die Gröneberg-, Berken- und Brinkstraße.

Dieser Hof in Osttünnen lief voll.

Glück für die Anwohner: Der Regen hörte im Laufe des Tages auf, bis zu den nächsten Güssen in der Nacht hatte das Wasser Zeit genug gehabt, in Richtung Ahse abzufließen. Geblieben sind volle Gräben und unter Wasser stehende Äcker, die den Landwirten zu schaffen machen.

Einige Osttünner Bürger spekulierten am Dienstag, die zusätzliche Versiegelung durch den Neubau des Sportgeländes von Westfalia Rhynern könnte das Problem vergrößert haben. Dort wurde allerdings extra ein neues Regenrückhaltebecken errichtet. Dieses Bauwerk stand nun zum ersten Mal so richtig auf der Probe, so dass die Osttünner Bürger interessiert daran sind, ob alles wie gedacht und gehofft funktioniert hat. Auf Anfrage teilte die Stadt Hamm mit, im Laufe des Donnerstags dazu berichten zu können.

Unwetter in Hamm: das Beispiel Süddinker

In Süddinker erlebte unter anderem die Familie Böse aufregende Stunden am Dienstag und Mittwoch. Denn unweit des Hauses an der Straße „Im Hagen“ schwappte das Wasser von den Feldern auf die Straße und lief schnurstracks auf Haus und Hof zu. In die Wohnbereiche gelangte es nicht, das Grundstück selbst stand unter der Wasser, ebenso wie benachbarte Höfe und die Straße „In Süddinker“, die seit Mittwoch im Kurvenbereich an der Einmündung „Im Hagen“ nicht mehr passierbar ist. Zunächst stand dort das Wasser. Es wurde abgepumpt und in speziellen Fahrzeugen zur Ahse transportiert. Anschließend begann die Fehlersuche.

In Süddinker sollen Sandsäcke schützen.

„Es kann sein, dass der Kanal unter der Straße beschädigt, vielleicht sogar eingebrochen ist“, teilte Stadtsprecher Tom Herberg auf Nachfrage mit. Dies war bereits Anfang August vermutet worden. Auch da stand das Wasser in der Kurve. Eine Fachfirma wurde beauftragt, die Rohre, auch die privaten, durchzuspülen und mit Kameras zu inspizieren. Da das Wasser aber im August zunächst dort wieder floss, gab es keinen Schadensverdacht am Kanal, so Herberg.

Der Einsatz der Fachfirma sei bislang auch deshalb noch nicht erfolgt, ergänzt er. Dieses Mal lief das Wasser dort aber gar nicht mehr weiter. „Der Durchfluss ist verstopft. Das Freipumpen hat am Mittwoch nicht funktioniert“, so Herberg. Provisorisch sei danach ein Bypass gelegt und das Kanalrohr angebohrt worden, so dass das Wasser derzeit durchfließen kann.

Die Straße an der Genossenschaft.

Die Fehlersuche wird sich am Donnerstag fortsetzen. Sollte der Kanal tatsächlich beschädigt sein, werde er ausgetauscht, so Herberg. Die Straße „In Süddinker“ bleibe vorübergehend gesperrt. Eine Umfahrung soll baldmöglich eingerichtet werden.

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