VonSusanne Kornauschließen
Südwestfalen rutscht immer weiter in die Krise. Jetzt trifft es mit Schrauben Betzer ein Lüdenscheider Traditionsunternehmen.
Lüdenscheid - Man habe am Dienstag, 12. November, Antrag auf Eigenverwaltung gestellt, teilt Geschäftsführer Dr. Frank Hoffmeister mit. Die Genehmigung sei auch umgehend gekommen. Man habe sich dazu entschlossen, heißt es in einer Mitteilung des Unternehmens, „die Werkzeuge und Möglichkeiten eines Eigenverwaltungsverfahrens zu nutzen, um eine drohende Zahlungsunfähigkeit abzuwenden“.
Dr. Hoffmeister gibt sich angesichts einer positiven Fortführungsprognose zuversichtlich, die Krise meistern zu können. „Die wichtige Botschaft ist, dass es ungebremst weitergeht.“ Alle Geschäftsbereiche würden unbefristet und vollumfänglich weitergeführt: „Jeder Kunde wird weiter bedient, neue Lieferungen werden gemäß der vereinbarten Zahlungsziele bezahlt, alle Mitarbeiter erhalten ihre Gehälter.“
Lüdenscheider Unternehmen baut Stellen ab: Folge der überregionalen Wirtschaftsschwäche
Flankiert wird der Sanierungsprozess von einem Stellenabbau. Von 95 Mitarbeitern will man bis zum 1. Quartal 2025 auf 80 schrumpfen. Das gelinge, indem befristete Verträge nicht verlängert würden und Altersteilzeit greife. Drei Mitarbeiter hätten gekündigt. Man müsse das Unternehmen nun neu ausrichten, betont Dr. Hoffmeister: „Konsequent und ohne Kompromisse.“
Das Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung werde begleitet durch die Insolvenz- und Restrukturierungsspezialisten ATN-Rechtsanwälte, eine Unternehmensberatungsgesellschaft sowie durch eine vorläufig bestellte Sachwalterin. Solchermaßen unterstützt, kann die Geschäftsleitung selbst den Sanierungskurs bestimmen.
Als Vorsitzender des hiesigen Arbeitgeberverbandes weiß Dr. Hoffmeister um die schwierige Lage in der Region. Doch bei der Suche nach den Ursachen blickt er weit über die Region hinaus – auf „die wirtschaftliche Situation in Gänze“. Zwei Drittel der Betzer-Kunden kämen aus der Automobil-Zulieferindustrie. Die schwache Konjunktur schlage durch, stellt er fest und nennt die unerwartet lange, überregionale Wirtschaftsschwäche, anhaltend angespannte Lieferketten, Preissteigerungen im Lieferantenumfeld sowie stark gestiegene Energiekosten.
Lüdenscheider Unternehmen: „Wir sind sehr zuversichtlich“
Das Geschäftsleitungsteam, zu dem auch Dipl.-Kfm. Christian Hoffmeister zählt, setze nun auf eine Neuausrichtung des Unternehmens. Dr. Hoffmeister: „Wir treffen viele Maßnahmen, haben sehr gute Perspektiven. Wir sind sehr zuversichtlich.“
Nach dem Anfang 2024 eingeleiteten und mittlerweile abgeschlossenen Insolvenzverfahren blickt man bei der Firma Ernst Vogelsang derweil erwartungsfroh dem Neustart entgegen.
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