Neuer Inhaber

Neustart nach Insolvenz: Firma Vogelsang ist unter neuer Führung

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Philipp Friedrich (Bildmitte) hat die Firma Ernst Vogelsang GmbH übernommen, die ab dem 1. Oktober unter dem Namen Vogelsang Umformtechnik GmbH firmiert und mit reduzierter, aber nahezu unveränderter Mannschaft neu durchstarten will.
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Nach dem Anfang 2024 eingeleiteten und mittlerweile abgeschlossenen Insolvenzverfahren blickt man bei der Firma Ernst Vogelsang erwartungsfroh dem Neustart entgegen.

Herscheid - Die Vorfreude hat einen Namen: Philipp Friedrich ist der Mann, der das am Mühlengraben ansässige Unternehmen ohne Altlasten wieder nach vorne bringen will. „Das wird schon ein Stück Arbeit, aber ich arbeite gerne“, sagt der 44-jährige Inhaber, der in Kirchveischede wohnt und eine Firma in Finnentrop führt. An der dortigen Firma Hesener sei bereits sein Vater beteiligt gewesen. Er habe als Sohn und gelernter Werkzeugmacher dessen Anteile und später die der anderen Gesellschafter übernommen.

Der 15 Mitarbeiter zählende Betrieb habe ein ähnliches Produktportfolio wie die Firma Vogelsang.

Neustart nach Insolvenz: Firma Vogelsang ist unter neuer Führung

Während die Maschinen in Finnentrop einen Pressendruck zwischen 45 und 125 Tonnen haben, liegt dieser bei der Firma Vogelsang zwischen 80 und 250 Tonnen. Das Herscheider Unternehmen, das ab dem 1. Oktober als Vogelsang Umformtechnik GmbH firmiert, soll getrennt vom Finnentroper Werk geführt werden. Gleichwohl erhofft sich Philipp Friedrich gewisse Synergieeffekte beim Materialeinkauf und der Verwaltung.

Als nach der Eröffnung des Insolvenzverfahrens ein Investor gesucht wurde, haben sich mehr als ein Dutzend Interessenten in Herscheid die Klinke in die Hand gegeben. Nach Informationen der Redaktion waren darunter einige potenzielle Investoren, die lediglich Interesse am Maschinenpark und einem Teil der Mitarbeiter hatten, den Standort in Herscheid aber nach der Übernahme aufgegeben hätten.

Philipp Friedrich (li.) beim Gespräch mit einem Mitarbeiter der Vogelsang Umformtechnik GmbH.

„Ich hatte hier gleich ein gutes Gefühl, denn die Mitarbeiter sind motiviert und wollen der Firma treu bleiben“, sagt Friedrich, der sich trotz anderer Alternativen letztlich für die Übernahme „eines gewachsenen Unternehmens mit fachlich kompetenten Mitarbeitern“ entschied.

„Ich will hier nicht den schnellen Euro machen“

Und auch für die „Vogelsänger“ war Philipp Friedrich, der in seiner Freizeit gerne mal durch die Natur reitet, die erste Wahl, was auch mit seiner Einstellung zu tun haben dürfte: „Ich will hier nicht den schnellen Euro machen, sondern die Firma wieder auf ein solides Fundament stellen“, sagte der Kirchveischeder, der lieber Hemd als T-Shirt trägt und mehrmals in der Woche vor Ort sein will, sich aufgrund der überschaubaren Entfernungen aber auch vorstellen kann, an einem Tag an beiden Standorten zu sein.

Was das Produktportfolio angeht, ist der Herscheider Betrieb, der vor der Insolvenz 40 und jetzt 20 Mitarbeiter zählt, zu 40 Prozent von der Automobilindustrie abhängig. Jeweils 30 Prozent werden für die Elektroindustrie und für weitere Bereiche wie die Solar- und die Agrarindustrie produziert.

Dass die Produktionsmannschaft, die Tiefziehteile, Unterlegscheiben und Stanzteile aus Stahl, Kupfer, Messing, Edelstahl und Aluminium verarbeitet, kleiner geworden ist, passe aktuell zu den Abrufen, die bedingt durch die gesamtwirtschaftliche Lage und die Insolvenzphase zurückgegangen seien.

Das Vertriebsteam habe aber bereits einige Neuaufträge generiert, mit denen man ab Oktober unter neuer Firmierung, aber mit nahezu unveränderter Mannschaft durchstarte, betonte Friedrich. Mit an Bord ist dabei auch Seniorchefin Dorothea Vogelsang (73), auf deren Erfahrung Philipp Friedrich nicht verzichten will.

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