VonMarvin K. Hoffmannschließen
Alles muss raus: Das größte Teppichgeschäft in der Dortmunder Innenstadt schließt für immer. Der Räumungsverkauf lockt Kunden mit Rabatten in die Stadt.
Dortmund – Azad genießt nahezu Kultstatus. Das Teppichgeschäft gehört fast schon zu Dortmund wie der BVB. Fast jeder kennt den großen Laden direkt am Hansaplatz, auch wenn noch längst nicht jeder dort mal einkaufen war. Bald haben sie auch nicht mehr der die Chance dazu. Azad schließt. Dieses Mal wirklich für immer.
Größtes Teppichgeschäft schließt endgültig: Räumungsverkauf mit großen Rabatten
Gefühlt Jahr für Jahr hat der Teppichladen mit Rabattaktionen auf sich aufmerksam gemacht. Unter einigen Dortmundern ist das längst zum Running Gag geworden. Die Teppichhändler selbst sehen das etwas anders. „Unser letzter Ausverkauf war 2005 als Karim Azad in den Ruhestand ging und sein Sohn Dr. Ali Azad das Geschäft übernahm“, wird Werner Müller, der Generalbevollmächtigte des Unternehmens, von den Ruhr Nachrichten zitiert. „Was wir immer gemacht haben, sind Saisonverkäufe. Einmal hatten wir auch einen Wasserschadenverkauf und dann für den Einzug ‚Hans im Glück‘ (Anmerkung der Redaktion: ein Burgerrestaurant) auch einen Teilräumungsverkauf“, heißt es von Chef Ali Azad.
Räumungsverkauf in Dortmund: Teppichhändler Azad schließt für immer
Über 60 Jahre verkauft Azad nach eigenen Angaben nun schon Teppiche. Das Traditionsgeschäft hat den aktuellen Entwicklungen kaufmännisch aber offenbar nicht mehr viel entgegenzusetzen. Corona-Pandemie, der russische Angriffskrieg in der Ukraine und das veränderte Kaufverhalten der Kunden aufgrund der Inflation lassen keinen wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb mehr zu.
„Ausverkauf statt Insolvenz“ steht daher nun auf großen Plakaten in den Schaufenstern. „Wir schließen für immer!“ heißt es darunter. Der Räumungsverkauf lockt mit satten Rabatten. „Alles glatte 70 Prozent reduziert“, steht etwa auf einem anderen großen Plakat.
Das markante Gebäude, das – wie ein Lost Place in City-Nähe – unter Denkmalschutz steht und früher die Dresdner Bank beheimatete, wir bald zum Teil also leer stehen. Was auf Azad folgt, ist noch unklar. Karim Azad hatte es 1980 gekauft und zu einem Teppich- und Einrichtungshaus um- und ausgebaut – das wird es aufgrund der wirtschaftlichen Lage aber so vermutlich dort nicht mehr geben.
Kundschaft fehlt – Teppichhändler drohte Insolvenz
„Die Ware, mit der wir handeln, ist einfach zu gut. Unser Produkt ist ein langlebiges Produkt. Unser Teppich überlebt den Käufer. Er wird von den Eltern entweder vererbt oder die jüngere Generation kauft günstige Design-Produkte“, wird Ali Azad weiter von den Ruhr Nachrichten zitiert. Demnach habe früher die Durchschnittssumme auf einem Einkaufsbon bei 990 Euro gelegen. Heute liege sie bei 99 Euro. „Und wir haben jetzt die zweieinhalbfachen Kosten. Solche großen Räume vorzuhalten, lohnt sich bei dem schwindenden Umsatz einfach nicht mehr“, so Ali Azad. Und weiter: „Wir haben das alles durchgerechnet und wären im Frühjahr 2025 in der Insolvenz. Bevor aber ein Insolvenzverwalter über uns bestimmt, regeln wir lieber alles selbst.“ Mit der Konsequenz, dass Azad schließt – dieses Mal wirklich für immer.

