VonAnnika Ketzlerschließen
Eine Frau sucht mit einem Eimer voller Babymäuse Hilfe beim Tierschutzverein Bielefeld. Als sie nicht die gewünschte Reaktion bekommt, stellt sie die Winzlinge einfach ab.
Bielefeld - Der Tierschutzverein Bielefeld (NRW) bekam Mittwochnachmittag, 27. September, Besuch von einer Frau, die einen Eimer dabei hatten. „Die Frau hatte einen ganzen Wurf neugeborener Mäusekinder in einem Eimer dabei, die man beim Umräumen eines Bauwagens in einem Nest gefunden hatte“, erklärt Tierheimleiterin Jutta Schaper auf Nachfrage von wa.de. Die Finderin sprach eine Mitarbeiterin an und äußerten den Wunsch, die Mäusebabies beim Tierschutzverein abzugeben. Einen Anruf gab es vorher nicht.
„Verantwortung für viele ein Fremdwort“: Frau setzt Eimer mit Babymäusen aus
Die Mitarbeiterin versuchte auf die Schnelle eine Pflegestelle für die kleinen Wesen zu finden – leider ohne Erfolg. Daher wies sie auf eine Rückführung hin. „Das bedeutet, dass man die Mäusebabies wieder an die Fundstelle setzt, oft kommt dann nämlich die Mäusemama zurück und nimmt ihre Kleinen mit“, so Schaper. Doch das war keine Option. „Nein, das ginge nicht. Es hieß, man wolle die Tiere dort nicht“, erklärt die Tierschützerin. Letztendlich blieb der Mitarbeiterin nur, die Finder an die Facebookgruppe „Wildtier-Notfälle“ zu verweisen. Hier bekommt man oft Pflegestellen, muss manchmal aber ein Stück fahren muss. Die Finder bedankten sich und gingen wieder.
Frau setzt Eimer mit Babymäusen vor Tür aus: Tierschützerin bringt Mäuse zur Pflegestelle
Kurz darauf machte die Mitarbeiterin Feierabend, ging zu ihrem Auto und traute ihren Augen kaum. Vor dem Tierheimtor fand die Tierschützerin den Eimer der Finder – samt der kleinen Mäuse. Nach ein paar Telefonaten war eine kompetente Pflegestelle gefunden, die bereit war, die Winzlinge aufzunehmen. Die Fahrt dorthin: über zwei Stunden. „Die Frau, die sich um die kleinen Mäuse kümmert, sitzt in der Ecke von Lingen“, berichtet Schaper. Die Mitarbeiterin des Tierschutzes setzte sich also nach ihrem langen Arbeitstag ins Auto und fuhr die Kleinen zu ihrer Pflegestelle. Damit sie überhaupt eine Chance bekamen, zu überleben.
„Unbegreiflich, wie man sich derart seines ,Problems‘ entledigen kann“
Eins der fünf Mäusebabies ist bereits gestorben. „Ob es an den Strapazen lag, können wir natürlich nicht sagen“, erklärt die Tierheimleiterin. Die anderen Mäuse sind noch kleine Kämpfer. „Verantwortung scheint für viele ein Fremdwort geworden zu sein. Für uns ist es unbegreiflich, wie man sich derart seines ,Problems‘ entledigen kann“, erklärt Schaper.
70 Mäuse landeten kürzlich im Tierheim Iserlohn. Einem Schlangenbesitzer wuchs die eigene Zucht der Futtermäuse über den Kopf, er suchte Hilfe beim Tierschutzverein. Es könnten weitere 100 folgen.
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