Veterinärdienst ist alarmiert

Tödliche Tierseuche: Kreis bereitet sich auf Ausbruch der Schweinepest vor

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Am Rettungszentrum in Soest hat der Veterinärdienst mit der Feuerwehr den Einsatz von Reinigungs- und Desinfektionsschleusen im Seuchenfall geprobt.

Der Veterinärdienst des Kreises bereitet sich auf einen möglichen Ausbruch der Schweinepest vor. Die für Menschen ungefährliche Tierseuche endet für Haus- und Wildschweine fast immer tödlich.

Kreis Soest - Der Veterinärdienst des Kreises Soest wappnet sich gegen die Afrikanische Schweinepest. Bislang gibt es zwar noch keine Fälle im Kreisgebiet, trotzdem will man vorbereitet sein, wenn die ersten Fälle der für die Tiere meist tödlichen Seuche auftreten. Wann das sein wird, kann freilich niemand sagen, laut Dr. Martina Poppe, Leiterin des Veterinärdienstes, könne das aber eventuell nur eine Frage der Zeit sein.

Tödliche Tierseuche: Kreis bereitet sich auf Ausbruch der Schweinepest vor

In Rheinland-Pfalz und Hessen mehren sich bereits Fälle von Afrikanischer Schweinepest (ASP), berichtet der Kreis Soest. Der Veterinärdienst des Kreises beobachte die Lage deshalb genau und bereitet sich auf ein mögliches Ausbruchsgeschehen auch in der hiesigen Region vor.

Die Krankheit

Bei der akuten Verlaufsform der Afrikanischen Schweinepest (ASP) tritt sehr hohes Fieber auf und es kommt zu plötzlichen Todesfällen, vor allem bei den Saugferkeln. Die aktuell in Europa kursierenden Viren der ASP sind hoch virulent und verursachen ein schweres, nahezu altersunabhängiges, unspezifisches Krankheitsbild (Futterverweigerung, Mattigkeit, Durchfall, erhöhte Atemfrequenz und Blutungsneigung). Akut kranke Schweine sterben in der Regel innerhalb von sieben bis zehn Tagen. Die chronische Verlaufsform weist keine klassischen Symptome auf und kann mit anderen Erkrankungen verwechselt werden. Eine ASP-Impfung existiert nicht. Menschen können sich mit dem Virus nicht infizieren oder daran erkranken. Quelle: Kreis Soest

Susanne Schulte-Nölle, Sprecherin des Kreises Soest erklärt: Zu dem Maßnahmenpaket gehören Übungen sowie Kontrollen bestehender Schutzmaßnahmen ebenso wie die gezielte Aufklärung der mit Wild- und Hausschweinen in Kontakt stehenden Berufsgruppen.“

Die für den Menschen ungefährliche Krankheit kann direkt von Tier zu Tier oder indirekt über Lebensmittel tierischer Herkunft und infizierte Gegenstände übertragen werden. Die vermeintlich große räumliche Distanz zu den aktuell von ASP betroffenen Bundesländern stelle daher keine Sicherheit vor dem Virus dar, betont die Leiterin des Kreisveterinärdiensts, Dr. Martina Poppe, in einer Mitteilung aus dem Kreishaus.

Schweinepest: Wurstbrot wird zum Virenträger

Denn, so Poppe: „Zwar kann sich die Schweinepest über den direkten Übertragungsweg lediglich bis zu 50 Kilometer pro Jahr vorwärtsbewegen. Infolge des Reiseverkehrs gelingt es dem Erreger jedoch, an einem einzigen Tag auch große Strecken zu überwinden.“

Eine zentrale Rolle spielen dabei möglicherweise kontaminierte Lebensmittelabfälle wie Rohwurst und Rohschinken aus ASP-Ausbruchsgebieten. Ein an der Autobahn-Raststätte achtlos weggeworfenes Wurstbrötchen sei im Zweifelsfall bereits ausreichend, die Seuche zu verschleppen.

Das können Bauern und Bürger tun

Für Landwirte, Hobbyschweinehalter und Jäger empfiehlt der Kreis als Weiterbildungs- und Informationsquelle das „Netzwerk Fokus Tierwohl“ unter Trägerschaft der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung. Eine Selbsteinschätzung, wie wirksam ergriffene Biosicherheitsmaßnahmen für den eigenen Betrieb sind, biete auch die kostenlose ASP-Risikoampel der Uni Vechta (https://risikoampel.uni-vechta.de). Neben einer Einstufung werden dort konkret Mängel aufgelistet, die dann für den einzelnen Betrieb individuell abgearbeitet werden können.

Das sollten alle Bürger wissen: Jeder kann selbst etwas tun, um einer Verschleppung der ASP vorzubeugen: Lebensmittelabfälle sollten immer in geschlossenen, für Tiere jeglicher Art nicht zugänglichen Behältern entsorgt werden. Wenn tote Wildschweine entdeckt werden, beispielsweise beim Waldspaziergang oder Pilze sammeln, muss das zuständige Veterinäramt unter Angabe des Fundorts informiert werden. So können Proben entnommen und auf das Virus der ASP untersucht werden. Tote Wildschweine sollten nicht angefasst und nur in besonderen Fällen, etwa einer Verkehrsgefährdung, entfernt werden. „Wichtig ist es, einen Erstausbruch so schnell wie möglich zu erkennen, um umgehend geeignete Bekämpfungsmaßnahmen ergreifen zu können und eine flächenhafte Ausbreitung zu verhindern“, unterstreicht Dr. Martina Poppe.

Aber auch Jagdtourismus in Verbindung mit fehlenden Biosicherheitsmaßen könne ein Ausbruchsgeschehen in Gang setzen, erklärt Poppe. Von jagdlichen Aktivitäten in Hessen und Rheinland-Pfalz rät sie vor diesem Hintergrund derzeit dringend ab. Poppe: „Wann immer es zu großen geografischen Sprüngen bei der Verbreitung der ASP kommt, war dies bislang stets auf menschliches Fehlverhalten zurückzuführen. Umso wichtiger ist es, sämtliche Sicherheitsvorkehrungen strikt einzuhalten.“

Eben deshalb setzen sie und ihr Team aus dem Veterinärdienst auf Aufklärung: In Vortragsveranstaltungen wurden und werden mit Wild- oder Hausschweinen in Kontakt stehende Berufsgruppen – Landwirte, Hobbyschweinehalter und Jäger – für die Gefahren der Weiterverbreitung der Seuche sensibilisiert. Im Zentrum stehen sogenannte Biosicherheitsmaßnahmen, die als wichtigster Schutz der Landwirtschaft vor ASP gelten.

Schweinepest: Kontrollen an Autobahnrastplätzen

Dazu zählen etwa die Einfriedung des Betriebsgeländes sowie die strenge Nutzung einer Hygieneschleuse inklusive Kleidungs- und Schuhwerkwechsel unmittelbar vor Betreten des Stalls. „Ebenso wichtig ist es aber auch, Arbeitsabläufe festzulegen, Mitarbeiter zu schulen und so das Bewusstsein für Biosicherheit zu verstetigen“, betont Poppe. Der Veterinärdienst wird darüber hinaus aber auch an anderer Stelle aktiv, um sich gegen die ASP zu wappnen.

So sind in dieser Woche Kontrollen der Müllbeseitigung sowie der Einfriedung von Autobahnrastplätzen gestartet. Etwaige Mängel werden anschließend mit der Autobahnmeisterei besprochen und abgestellt. Darüber hinaus wurde der Parkplatz des Rettungszentrums am Boleweg in Soest am Montag Schauplatz einer gemeinsamen Übung von Veterinärdienst und Feuerwehr, um den Einsatz von Reinigungs- und Desinfektionsschleusen im Seuchenfall zu testen.

Wie in vielen Nachbarkreisen ist die Blauzungenkrankheit auch im Kreis Soest angekommen. Nachgewiesen sind inzwischen zehn Fälle bei Rindern und Schafen in Anröchte, Bad Sassendorf und Lippetal.

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