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Das Trianel-Kraftwerk in Hamm-Uentrop läuft nur noch nur mit halber Kraft. Bei einer Revision ist dort ein Turbinenschaden festgestellt worden, der nicht ohne Weiteres behoben werden kann.
Hamm - Problematisch ist der Ausfall in Uentrop, weil dort auch kurzfristig Strom erzeugt werden kann. Gaskraftwerke können schnell hochgefahren werden und springen deshalb ein, wenn im Netz Strom fehlt. Kohlekraftwerke haben deutlich längere Anlaufzeiten. Das Unternehmen rechnet damit, dass der Stillstand sich bis Januar 2023 hinzieht, möglicherweise sogar noch länger. Der andere Block läuft zwar weiter, dem Gaskraftwerk fehlt damit aber einstweilen die Hälfte seiner Kapazität.
Der Schaden im Uentroper Werk wurde nach Unternehmensangaben bei einer Revision entdeckt. Dabei wird die Technik sorgfältig auf Mängel und Verschleiß geprüft. Der entsprechende Kraftwerksblock ist dafür seit September abgeschaltet.
Beide Blöcke bestehen jeweils aus einer Gasturbine, einem Generator und einer Dampfturbine. Innerhalb so einer Dampfturbine seien unerwartet Risse in der Turbinenschaufel entdeckt worden, sagte Trianel-Sprecherin Ingela Marré. Derzeit suche man nach der Schadensursache und versuche den Reparaturumfang abzuschätzen. Dafür stehe man auch mit der Herstellerfirma Siemens in Kontakt.
„Ein Kraftwerk, das nicht fährt, kann kein Geld verdienen“
„Wann der Schaden behoben sein kann, können wir zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen“, so Marré. Derzeit gehe man von Ende des Jahres aus. Eine weitere Verzögerung sei aber nicht auszuschließen. Eigentlich sollte der betroffene Block im November wieder angefahren werden.
Der zweite Block des Gaskraftwerks sei von dem Vorfall nicht betroffen, sagte die Sprecherin. Er liefere weiterhin zuverlässig Strom und trage als Spitzenlastkraftwerk zur Versorgungssicherheit bei. Die Revision dieses zweiten Blocks sei für 2023 vorgesehen; sie könne aber erst erfolgen, wenn der erste Block wieder läuft.
Zu den Folgen des aktuellen Stillstands äußerte sich Marré nur allgemein. „Ein Kraftwerk, das nicht fährt, kann kein Geld verdienen“, sagte die Sprecherin. Wie umfangreich sich der Schaden auf Betriebsergebnis und Versorgungssicherheit auswirken könne, sei derzeit Spekulation.
Kraftwerk soll für Betrieb mit Wasserstoff vorbereitet werden
Das Gas- und Dampfturbinenkraftwerk ist seit 2008 in Betrieb. Es besteht aus zwei Blöcken, die zusammen 1,8 Millionen Haushalte mit Strom versorgen können. Durch den 15-jährigen Betrieb war die Leistung von ursprünglich 425 Megawatt (MW) pro Block auf 409 MW gesunken; im Zuge der Revision soll sie auf 440 MW erhöht werden. Gleichzeitig soll das Kraftwerk dabei für einen künftigen Betrieb mit Wasserstoff vorbereitet werden. 2024/25 soll auf dem Gelände ein Lysator, eine Anlage zur Gewinnung von sogenanntem grünen Wasserstoff, in Betrieb gehen.
Betreiber der Gaskraftwerkes ist die Aachener Trianel-Gruppe, die von mehr als 100 Versorgen aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und den Niederlanden getragen wird. Zum Unternehmen gehören auch ein Steinkohlenkraftwerk in Lünen und Windparks in der Nordsee.