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Die NRW-Landesregierung will gemeinsam mit der Öffentlichkeit eine Region für einen zweiten Nationalpark finden. Die Umweltverbände haben einen klaren Favoriten.
Düsseldorf – In und um Nordrhein-Westfalen gibt es einige verblüffende Naturlandschaften. Doch echte Nationalparks, also Schutzgebiete ohne menschliches Eingreifen, sind eher selten. Bisher gibt es im bevölkerungsreichsten Bundesland mit der Eifel nur einen einzigen, doch das soll sich in Zukunft ändern. Die Landesregierung startet am 6. September ein Beteiligungsverfahren für einen zweiten Nationalpark in NRW. Durch das öffentliche Verfahren soll ein geeignetes Gebiet gefunden werden. Mit die besten Chancen dürfte wohl das Eggegebirge haben.
Umweltverbände favorisieren das Eggegebirge als zweiten NRW-Nationalpark
Aktuell ist zwar noch relativ offen, wo der zweite NRW-Nationalpark entstehen soll, jedoch gibt es ein paar starke Kandidaten. Allen voran das Eggegebirge im Osten des Landes. Die Umweltverbände hatten sich bereits vor Wochen eindeutig für den Gebirgszug nahe Paderborn ausgesprochen. Dort müssen die Umsetzung eines Nationalparks in NRW Priorität haben, teilten die Landesverbände von Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND), Landesgemeinschaft Naturschutz und Umwelt (LNU) und Naturschutzbund Deutschland (NABU) gemeinsam mit.
Laut den NRW-Umweltverbänden würden mit über 120 Quadratkilometer Staatswald internationale Kriterien für die Größe eines Schutzgebietes dieser Kategorie im Eggegebirge erfüllt. Außerdem befänden sich hier auch zwei große Wildnisgebiete des Landes. So gebe es dort eine große Vielfalt an Moosen, Gräsern, Sträuchern und Baumarten, darunter auch großräumige Buchenwaldflächen. Felsformationen, Höhlen, Quellen, Bäche und Moore böten einer üppigen Flora und Fauna geeigneten Lebensraum. Das Gebiet sei Heimat zahlreicher selten gewordener Tierarten. Dort gebe es auch eine Käferart, die bisher nur in Höhlen des Eggegebirges nachgewiesen werden konnte, erklärt der NABU.
Das ist das Eggegebirge
Das Eggegebirge (kurz auch „Egge“ genannt) ist ein Mittelgebirgszug des niedersächsischen Berglandes in den Kreisen Höxter, Lippe und Paderborn in Nordrhein-Westfalen. Es liegt rund 15 Kilometer östlich von Paderborn und ist Teil des Naturparks „Teutoburger Wald/Eggegebirge“, wo sich auch die spektakulären Externsteine befinden. Sein höchster Gipfel ist der Velmerstot mit 464 Metern über dem Meeresspiegel. Der Begriff „Egge“ ist ein niederdeutsches Wort für längere Hügelkämme oder Bergrücken.
Diese Regionen kommt ebenfalls für NRWs zweiten Nationalpark infrage
- Arnsberger Wald (Hochsauerlandkreis)
- Küstelberge (Hochsauerlandkreis)
- Rothaarkamm (Kreis Siegen-Wittgenstein)
- Hinweis: Hierbei handelt es sich nur um eine Auswahl.
Neben dem klaren Favoriten Eggegebirge kommen aus Sicht von BUND und NABU aber auch weitere Regionen in NRW für einen Nationalpark infrage. Diese wurden 2022 unter anderem in einer Studie zu Wildnispotenzialflächen in Nordrhein-Westfalen aufgelistet. Dort kommt nach dem Gebiet Egge-Nord im Kreis Paderborn der Arnsberger Wald im Hochsauerlandkreis auf den zweiten Platz. Aber unter anderem wird auch der Rothaarkamm im Kreis Siegen-Wittgenstein von verschiedenen Seiten als ein möglicher Kandidat gesehen.
„Es ist nicht entscheidend, wo der zweite Nationalpark entsteht“, sagt BUND-Landesvorsitzender Holger Sticht. Egal wo er erreichtet werde, er werde die Region nach vorne bringen und für die biologische Vielfalt seien überall im Land Gebiete wichtig. „Es geht darum, ein Netz aus Wildnisgebieten herzustellen“, unterstreicht er. Vor dem Hintergrund der veränderten Sicherheitslage in Europa sei nicht absehbar, dass Truppenübungsplätze für einen neuen Nationalpark zur Verfügung stehen, meint Stich. Das gelte auch für die Senne.
Das soll das Beteiligungsverfahren für zweiten NRW-Nationalpark bringen
Mit dem Beteiligungsverfahren möchte die NRW-Landesregierung die Öffentlichkeit in die Suche nach einem zweiten Nationalpark integrieren. Das soll für mehr Akzeptanz in der Bevölkerung sorgen und potenzielle Flächen für den Nationalpark identifizieren, heißt es im Vorfeld. Durch das Verfahren könnten außerdem Regionen ihr Interesse daran bekunden.
Nach Angaben der Landesregierung wird das Verfahren ergebnisoffen geführt. Die Schaffung eines zweiten Nationalparks verbunden mit einem Beteiligungsprozess ist ein Projekt aus dem Koalitionsvertrag von CDU und Grünen. Umweltminister Oliver Krischer (Grüne) hatte im Mai 2023 angekündigt, das Beteiligungsverfahren noch im Sommer zu starten. Artenvielfalt brauche intakte, weitläufige und vernetzte Lebensräume, auch um eine genetische Verarmung von Arten zu vermeiden, betont er. Einen Termin, bis wann letztlich eine Entscheidung zum zweiten NRW-Nationalpark fallen soll, gibt es bisher nicht.
Eifel dient als Vorbild für zweiten Nationalpark in NRW
Sowohl Landesregierung als auch Umweltverbände sehen auf jeden Fall den ersten NRW-Nationalpark in der Eifel als Vorbild für einen zweiten. Er entstand vor knapp 20 Jahren auf 110 Quadratkilometern Fläche. Wildkatze, Mittelspecht, Rothirsch, Eisvogel, Schwarzstorch, Mauereidechse und verschiedene seltene Fledermausarten fühlen sich hier wohl, listet dessen Verwaltung auf. Im Nationalpark Eifel sind nach ihren Angaben bislang schon mehr als 11.200 Arten nachgewiesen. Davon stünden rund 2600 als bedrohte Arten auf Roten Listen. Zuletzt wurde im Nationalpark Eifel ein besonderer Vogel entdeckt, der seit 100 Jahren als ausgestorben galt. (os mit dpa) Fair und unabhängig informiert, was in Köln, Düsseldorf und NRW passiert – hier unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.
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