Widerstand per Unterschrift

Geschäftsleute sind beunruhigt: Unterschriftenaktion gegen den Umbau der Wagenfeldstraße

+
Sieht den Entwurf der Stadtverwaltung kritisch: Christine Hauk-Tilly, die Inhaberin des Bioladens.
  • schließen

Die Wagenfeldstraße soll umgestaltet werden – mit dem Ziel, die Barrierefreiheit zu verbessern und die Aufenthaltsqualität zu erhöhen. Weil dabei auch Parkplätze wegfallen sollen, sind viele Geschäftsleute beunruhigt. Sie wehren sich mit einer Unterschriftenaktion gegen den Umbau. Hunderte Stewwerter haben schon unterschrieben.

Drensteinfurt – „Wir sagen Nein zum Umbau der Wagenfeldstraße“ – so lautet die klare Botschaft auf den Unterschriftenlisten, die in 23 Geschäften der Stadt ausgelegt sind. Mittlerweile dürften es die meisten Stewwerter mitbekommen haben: Die Wagenfeldstraße soll umgestaltet werden – mit dem Ziel, die Barrierefreiheit zu verbessern und gleichzeitig die Aufenthaltsqualität zu erhöhen.

Hunderte von Menschen haben bis jetzt ihre Unterschrift geleistet. „Jeder, der in den Laden kommt, unterschreibt mit Überzeugung“, teilt Petra Scheffer, Inhaberin des Schauhauses Step-In, mit. Nur ein einziger Kunde habe nicht unterschrieben. Wenn die Unterschriftenaktion Ende März beendet ist, würden es tausende Unterschriften sein, vermutet die Geschäftsfrau.

Ein Großteil der Parkplätze könnte wegfallen

Gegen Barrierefreiheit und verbesserte Aufenthaltsqualität spricht erst mal nichts. Was also erregt die Gemüter der Anwohner, Geschäftsleute und Drensteinfurter? Die Antwort erhielten sie während der Eigentümerversammlung im Dezember, zu der die Stadt eingeladen hatte. Ein Entwurf sah vor, einen Großteil der Parkplätze zu entfernen, um Platz für Sitzmöglichkeiten, Grünflächen und Bäume zu schaffen. Dieses Konzept steht im Zusammenhang mit Fördermitteln aus dem Landesprogramm Städtebauförderung, die bis Ende 2023 beantragt werden konnten.

Auch wenn noch nichts entschieden ist, sind die Betroffenen beunruhigt. Bauamtsleiter Christoph Britten bestätigte während der Ratssitzung die geplante Reduzierung der Parkplätze. Diese sei jedoch nicht willkürlich, sondern bedingt durch die Kriterien für die Gewährung und Höhe der Fördermittel, bei denen auch der Klimaschutz eine Rolle spiele.

Fallen noch mehr Parkplätze weg, bekomme ich Existenzangst.

Christine Hauk-Tilly, Inhaberin der „Bioinsel“

Christine Hauk-Tilly, Inhaberin der „Bioinsel“, sieht den Entwurf kritisch. Ihr Bioladen liegt direkt an der Wagenfeldstraße, und bereits jetzt beklagen sich täglich Kunden über den Mangel an Parkmöglichkeiten. Manchmal müssten Kunden sogar mehrmals um den Block fahren, bis sie einen Parkplatz finden. Dies sei auch ökologisch bedenklich. Je nachdem wie groß der Einkauf ausfällt, müssten Kunden manches Mal zwei oder sogar dreimal zum Wagen gehen. Wenn das Auto dann am Rathaus steht, sei das schlicht unzumutbar.

Natürlich wäre es wünschenswert, wenn mehr Menschen mit dem Rad fahren, aber viele hätten Gründe, mit dem Auto zu kommen. Nicht jeder sei gut zu Fuß. „Fallen noch mehr Parkplätze weg, bekomme ich Existenzangst“, drückt Hauk-Tilly ihre Sorge aus, dass Kunden wegbleiben und lieber dort kaufen, wo sie parken können.

Dass es schade wäre, wenn der einzige Bioladen in Drensteinfurt schließen müsste, findet nicht nur die Inhaberin. Auch Kunde Günther Erlmann kann es sich nicht vorstellen, auf Einkäufe in der „Bioinsel“ zu verzichten.

Sorge vor Ladenschließungen

Die Sorge vor Ladenschließungen teilt auch Petra Scheffer. „Wer nicht parken kann, bleibt weg“, sagt auch sie. Angesichts der ohnehin schwierigen Wirtschaftslage könne sich das kein Geschäft leisten. „Wir sollten uns, was wir haben, nicht kaputt machen“, so ihr dringender Appell.

Christine Hauk-Tilly findet den Entwurf insgesamt überdimensioniert. Natürlich habe sie Verständnis für die Bedürfnisse der Menschen mit Behinderung, betont jedoch, dass die Bordsteine vielerorts bereits abgesenkt sind und die Straße gut überquert werden könne. Sinnvoller wäre es, die Absenkungen auszubauen und sicherer zu gestalten. Bei allem Gerede über Fördergelder dürfe nicht vergessen werden, dass diese von Steuergeldern bezahlt würden, und auch der städtische Beitrag aus Steuereinnahmen finanziert werde. „Am Ende kostet uns allen das viel Geld“, resümiert sie mit Blick auf die geschätzten 1,2 Millionen Euro Gesamtkosten, von denen die Stadt rund 200 000 Euro selbst tragen müsste.

Der Brunnen des Junggesellen-Schützenvereins (links) und Parkplätze könnten an der Wagenfeldstraße wegfallen.

Den Platz am Junggesellen-Brunnen findet Hauk-Tilly gut. „Nicht gerade in dieser Jahreszeit, aber im Sommer ist es dort richtig schön“, sagt Tatsächlich werde der Platz viel genutzt.

Wer sorgt dafür, dass Grünflächen und Bäume gepflegt werden?

Petra Scheffer, Inhaberin des Schauhauses Step-In

Dem Plan, Bäume anzupflanzen, kann Petra Scheffer nichts abgewinnen. Sie befürchtet, dass die Wurzeln die Häuser und Leitungen beschädigen und die Bäume Schatten werfen könnten. Außerdem müssten Bäume gepflegt und bewässert werden. „Wer sorgt dafür, dass Grünflächen und Bäume gepflegt werden?“, fragt Scheffer.

Wenn die Stadtverwaltung sich auf das integrierte Stadtentwicklungskonzept beruft und vom Bürgerwillen spricht, müsse sie darauf hinweisen, dass die Befragung bereits lange her sei und die Haushaltslage vor zehn Jahren nicht so kritisch gewesen sei wie heute, erklärt Hauk-Tilly.

Ich bin gegen die Veränderung der Wagenfeldstraße, wenn Parkplätze wegfallen.

Georg Diening, Inhaber des Friseursalons

Auch Georg Diening, Inhaber des gleichnamigen Friseursalons, hat eine klare Meinung. „Ich bin gegen die Veränderung der Wagenfeldstraße, wenn Parkplätze wegfallen“, sagt er. Auch er habe täglich Kunden, die sich über fehlende Parkplätze beschwerten. Und dann denkt er auch an die Anwohner, die die Plätze ebenfalls nutzen. Bezüglich der Fördergelder denkt er pragmatisch. „Man sollte erst über die Umgestaltung der Wagenfeldstraße nachdenken, wenn genügend Geld vorhanden ist“, so seine Ansicht.

Petra Scheffer bedauert, dass die Geschäftsleute und Anwohner nicht vor der Erstellung des Entwurfs befragt worden seien. „Jetzt warten Anwohner und Ladeninhaber schon lange auf die Einladung der Stadt zur versprochene Anliegerversammlung“, teilt sie mit.

Kommentare