Elf Menschen wurden bei einem Festival in NRW durch Hagel verletzt. Kachelmann kritisiert das Sicherheitskonzept scharf. Der Veranstalter kontert mit rechtlichen Schritten.
Hückelhoven - Nach dem Abbruch eines Musikfestivals in Hückelhoven wegen eines Unwetters am Samstag, 31. Mai, ist ein heftiger Konflikt zwischen dem Veranstalter und Meteorologe Jörg Kachelmann entbrannt. Elf der insgesamt 5500 Festivalbesucher der Kölschmusik-Veranstaltung „Jeck in de City“ erlitten leichte Verletzungen durch Hagelkörner, berichtet die Polizei. Kachelmann warf dem Veranstalter vor, sich auf Kosten der Sicherheit der Gäste zu bereichern. Das Festival hätte seiner Meinung nach viel früher beendet werden müssen. Der Veranstalter reagierte mit der Einschaltung von Anwälten.
Elf Menschen durch Hagel verletzt: Jörg Kachelmann schießt gegen Festival-Veranstalter
Jörg Kachelmann kritisierte auf X, dass der Veranstalter kein Warnkonzept gehabt habe. Die Electrisize GmbH aus Erkelenz widersprach dem und erklärte, es habe ein Sicherheitskonzept gegeben, das auch Wettergefahren einbezogen habe. Die entscheidende Unwetterwarnung sei jedoch erst um 19.05 Uhr eingetroffen, und drei Minuten später habe das Unwetter bereits begonnen. Eine geordnete Evakuierung sei in dieser kurzen Zeitspanne nicht mehr möglich gewesen.
Wann kam die Unwetterwarnung? Kachelmann behauptete, der Veranstalter hätte schon über eine Stunde früher von dem schnell aufziehenden Gewitter wissen können. „Spätestens um 17.55 Uhr war klar, dass es das Gelände erwischen wird“, schrieb Kachelmann und warf dem Veranstalter zudem vor, die Unwahrheit zu sagen. Der Veranstalter wies diesen Vorwurf zurück und forderte Kachelmann über seine Anwälte auf, eine Unterlassungserklärung abzugeben.
Jörg Kachelmann kritisiert Veranstalter scharf
Kachelmann hatte von „VerbrecherInnen, die sich bereichern - und Glück haben, dass (zufällig) alle leben“ gesprochen. Die Veranstalter entgegneten, dass die Veranstaltung gegen wetterbedingten Ausfall und Abbruch abgesichert gewesen sei. Entscheidungen aus wirtschaftlichen Gründen zulasten der Sicherheit habe es nicht gegeben.
Die Veranstaltung sei genehmigt gewesen und von einem Koordinierungsgremium der Behörden begleitet worden. Dieses Gremium habe am Veranstaltungstag mehrfach getagt, zuletzt unplanmäßig ab 18.20 Uhr wegen der Unwetterlage. Entscheidungen seien in Abstimmung mit den Behörden getroffen worden.
Die Polizei in Heinsberg erklärte, dass bisher keine Ermittlungen wegen des Vorfalls eingeleitet wurden. Keiner der Festivalbesucher habe Anzeige erstattet. (mit dpa)
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