AfD fordert „Landdienst“: Antrag im NRW-Landtag erinnert an dunkle Zeiten
VonAlexander Schäfer
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Für Ministerpräsident Hendrik Wüst ist die AfD eine „Nazi-Partei“. Historiker gehen nicht so weit. Aber mitunter findet man Analogien zu früher.
Düsseldorf - Götz Aly findet es nicht in Ordnung, die AfD in die Nähe der NSDAP zu rücken. Fraglos gebe es rassistische, auch gewaltbereite Gruppierungen innerhalb der AfD, sagte der Historiker. Aber das gelte bislang nicht für die gesamte Partei. Doch mitunter sorgt die Rechtsaußen-Partei durchaus für Analogien zur Nazi-Partei von Adolf Hitler. So fordert die AfD-Fraktion im NRW-Landtag jetzt einen „Freiwilligen Landdienst“. Wer sich für Geschichte interessiert, dem kommt das irgendwie bekannt vor.
Ein Blick ins Online-Lexikon Wikipedia gibt Aufschluss. Demnach führten die Nationalsozialisten die in der Weimarer Republik eingeführte arbeitsmarktpolitische Maßnahme namens „Landhilfe“ zunächst fort. Als Landhelfer wurden Jugendliche im Alter von 14 bis 21 Jahren – unter bestimmten Voraussetzungen auch bis zu 25 Jahren – nach freiwilliger Meldung in bäuerliche Familienbetriebe vermittelt. 1934 wurde die Hilfe in bäuerlichen Familienbetrieben zum acht Monate dauernden „Landjahr“ ausgeweitet und zur Pflicht erklärt.
AfD verweist auf Höfe in Westfalen
„Das Landjahr war für die Schulentlassenen gedacht. Als innere Ausgestaltung war eine Erziehung nach Grundsätzen des Nationalsozialistischen Staates und mit Leibesübungen aller Art vorgesehen“, heißt es weiter auf Wikipedia. An drei bis vier Werktagen war demnach der Vormittag dem Arbeitseinsatz in der Landwirtschaft vorbehalten. In der Erntezeit wurde auch ganztägig gearbeitet. Lohn gab es nicht. Dafür sah der Erziehungsplan des Landjahrs für die Jungen unter anderem „vormilitärische Ertüchtigung“ vor.
Zurück ins Jahr 2025 und zum Antrag der AfD, der an diesem Freitag, 18. September, im Plenum zur Abstimmung steht. Darin wird – natürlich – nicht auf die Nazis verwiesen. Sondern auf die Schweiz. Dort gebe es schon seit mehr als 60 Jahren den sogenannten Landdienst, der Jugendlichen zwischen 14 und 24 Jahren ermögliche, auf Bauernhöfen mitzuarbeiten. Das Interesse sei groß: Jedes Jahr würden weit über 1 000 Jugendliche die Ärmel hochkrempeln, um in Haus, Stall, Garten und Feld mitanzupacken.
Reaktionen auf Kommunalwahl in NRW – Wüst: „Dieses Ergebnis muss uns zu denken geben“
„Ein vergleichbares Angebot seitens des Landes existiert in Nordrhein-Westfalen bislang nicht in dieser Form“, bemängelt AfD-Fraktionschef Martin Vincentz, dessen Partei bei der Kommunalwahl in NRW viele Stimmen holen konnte, in dem Antrag. Allerdings sei es bereits heute möglich, ein Freiwilliges Ökologisches Jahr (FÖJ) auf ökologisch wirtschaftenden Bauernhöfen zu absolvieren. Als Beispiele listet der Antrag unter anderem auf den Vauß-Hof in Salzkotten, den Hof Lohmann in Warendorf und das Demeter-Gut Körtlinghausen in Rüthen.
Diese Höfe leisten aus Sicht der AfD wertvolle Bildungsarbeit, doch die Zahl der Einsatzstellen bleibe begrenzt auf einzelne ausgewählte Höfe. Genau hier könnte Nordrhein-Westfalen ansetzen. Denn: Insbesondere Betriebe mit einer Fläche von 10 bis 100 Hektar mussten laut AfD in den vergangenen Jahren in großer Zahl aufgeben. Würde in NRW das FÖJ auf kleine und mittlere Familienbetriebe ausgeweitet, entstünde aus Sicht der Partei ein doppelter Nutzen: „Jugendliche erhielten einen realistischen Einblick in die Herausforderungen moderner Landwirtschaft und gewännen Orientierung für ihre Zukunft. Gleichzeitig würden die Betriebe konkrete Unterstützung im Alltag erfahren, die sie dringend benötigen.“
Scharfe Kritik an NGOs
Hört sich gut an. Also keine Nazi-Partei, wie NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) die AfD nennt? Nun, am Ende ihres Antrags fällt die Fraktion dann doch wieder in das bekannte Freund-Feind-Schema, das sie so gerne propagiert. Zitat: „Angesichts von Kampagnen gegen die Landwirtschaft durch staatlich finanzierte ‚NGOs‘ kann ein freiwilliger Landdienst helfen, Fehlinformationen und Verleumdungen gegen unsere Landwirte insbesondere bei der jungen Generation zu entkräften und der Steigerung des Ansehens des Bauernstandes dienen.“ Angriffe auf Nichtregierungsorganisationen sind eben Brot- und Butter-Thema der Rechten.