Nächste Runde am 28. September

Drei AfD-Kandidaten dabei: Stichwahl-Krimi in vielen NRW-Städten nach der Kommunalwahl

  • schließen

Nach der Kommunalwahl ist vor der Stichwahl: In vielen Städten und Gemeinden sind am Sonntag keine neuen (Ober-)Bürgermeister gewählt worden. Wie es weitergeht.

Gelsenkirchen - Nicht überall stand bei der Kommunalwahl in NRW am Sonntagabend der neue Bürgermeister oder die neue Bürgermeisterin fest. Auch wenn sich mancherorts in der ersten Wahlrunde ein klarer Sieger abzeichnete, fehlte letztlich doch die absolute Mehrheit. Für diese Kandidatinnen und Kandidaten geht es nun in die zweite Runde. In drei Städten steht dabei ein AfD-Kandidat in der Stichwahl. Auch viele Landrats-Wahlen sind noch nicht entschieden.

Kommunalwahl in NRW.

Vor allem in den kreisfreien Städten in NRW muss bei der Stichwahl am 28. September noch einmal gewählt werden. Lediglich in Hamm und Herne entschied sich die Wahl des Oberbürgermeisters im ersten Wahlgang. In Hamm konnte sich Amtsinhaber Marc Herter (SPD) über 63,6 Prozent der Stimmen freuen und war somit klarer Sieger. „Danke Hamm“, waren Herters Worte, als er sich schon um 19.34 Uhr als Wahlsieger feiern ließ. Und auch in Herne konnte sich der amtierende Oberbürgermeister behaupten. Frank Dudda (SPD) holte 51,5 Prozent der Stimmen.

Drei AfD-Kandidaten in der Stichwahl – Zitterpartie bei der Kommunalwahl in NRW

Anders sieht das in den restlichen 21 Großstädten in NRW aus. Dort kommt es in ganz unterschiedlichen Duell-Konstellationen zur Stichwahl. In drei Fällen ist ein AfD-Kandidat dabei. In Gelsenkirchen gehen Andrea Henze von der SPD und Norbert Emmerich (AfD) in die zweite Runde. Henze holte 37 Prozent der Stimmen, Emmerich 29,8 Prozent.

Ein Ergebnis, das vor zehn Jahren noch undenkbar gewesen wäre, von dem am Sonntagabend aber wohl kaum jemand überrascht war. Auf die Stadt im Ruhrgebiet waren nach dem AfD-Wahlerfolg bei der Bundestagswahl alle Augen gerichtet. Der Westen war lange SPD-Hochburg, vor allem die Städte im Ruhrgebiet. Gelsenkirchen hat nun aber gezeigt: Die AfD ist kein Ostthema mehr. Bei der SPD herrschte nach den ersten Hochrechnungen am Sonntag Schockstarre.

In Gelsenkirchen zog AfD-Kandidat Norbert Emmerich beim Rennen um das Amt des Oberbürgermeisters mit einem Ergebnis von 29,8 Prozent in die Stichwahl gegen Andrea Henze ein, die für SPD und Grüne angetreten ist und 37 Prozent bekam. Links im Bild: die stellvertretende AfD-Fraktionsvorsitzende Enxhi Seli-Zacharias, die ebenfalls aus Gelsenkirchen stammt.

Auch in Duisburg geht es unter AfD-Beteiligung in die Stichwahl, knapp war das Ergebnis zwischen Amtsinhaber Sören Link (SPD) und Carsten Groß von der AfD allerdings nicht. Link, seit 2012 Oberbürgermeister von Duisburg, holte im ersten Wahlgang 46 Prozent der Stimmen, Groß 19,7 Prozent. CDU-Kandidatin Sylvia Linn holte 14,5 Prozent. Aufgrund des weiten Vorsprungs von Link ist in Duisburg nicht davon auszugehen, dass das Rathaus bald AfD-geführt sein wird.

In Hagen fand lange ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen CDU-Kandidat Dennis Rehbein, Michael Eiche von der AfD und SPD-Mann Thomas Köhler statt. Zwischenzeitlich war Hagen der einzige blaue Fleck auf der NRW-Wahlkarte, Eiche lag nach ersten ausgezählten Wahllokalen vorne. Am Ende gewann Rehbein den ersten Wahlgang mit 25,1 Prozent der Stimmen, gefolgt von Eiche (21,2 Prozent) und Köhler (21 Prozent). Es geht in die Stichwahl.

Reaktionen auf Kommunalwahl in NRW – Wüst: „Dieses Ergebnis muss uns zu denken geben“

NRW-Kommunalwahlen
Die CDU gewinnt die Kommunalwahlen in NRW. Die AfD legt deutlich zu, während SPD und vor allem die Grünen Einbußen hinnehmen müssen. Entsprechend gemischt fallen die Reaktionen aus. © Federico Gambarini/dpa
Hendrik Wüst (CDU, M), Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, gibt auf der Wahlparty der Düsseldorfer CDU ein Statement zur Kommunalwahl ab.
Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) spricht von einem „tollen Ergebnis“ für seine Partei. „Wir sind und wir bleiben Kommunalpartei Nummer 1 in Nordrhein-Westfalen“, sagte Wüst am Abend bei einer CDU-Veranstaltung in Düsseldorf. Das Wahlergebnis sei großartig und ein „klares Votum für eine pragmatische, eine lösungsorientierte Politik der Mitte“. © Christoph Reichwein/dpa
Hendrik Wüst (CDU, M), Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, gibt auf der Wahlparty der Düsseldorfer CDU ein Statement zur Kommunalwahl ab.
Auf die deutlichen Zugewinne der AfD hat der Ministerpräsident aber besorgt reagiert. „Dieses Ergebnis muss uns zu denken geben, kann uns auch nicht ruhig schlafen lassen. Selbst meine Partei nicht, die diese Wahl so klar gewonnen hat“, sagte Wüst im ARD-„Bericht aus Berlin“. © Christoph Reichwein/dpa
Söder macht Wahlkampf mit Wüst
Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) spricht von einem „tollen Ergebnis“ für seine Partei. „Wir sind und wir bleiben Kommunalpartei Nummer 1 in Nordrhein-Westfalen“, sagte Wüst am Abend bei einer CDU-Veranstaltung in Düsseldorf. Das Wahlergebnis sei großartig und ein „klares Votum für eine pragmatische, eine lösungsorientierte Politik der Mitte“. © Fabian Strauch/dpa
Linken-Parteichef Jan van Aken
Der Linken-Vorsitzende Jan van Aken hat das Abschneiden seiner Partei bei der Kommunalwahl in Nordrhein-Westfalen als grandios betitelt. © Fabian Sommer/dpa
Plenarsitzung Landtag NRW
Die AfD-Landtagsabgeordnete Enxhi Seli-Zacharias hat das Abschneiden ihrer Partei nach der ersten Prognose für die Kommunalwahlen als großartig bezeichnet. „Ich freue mich riesig“, sagte sie im WDR-Fernsehen. © Rolf Vennenbernd/dpa
Martin Vincentz, Landesvorsitzender der Alternative für Deutschland in Nordrhein-Westfalen, ist auf dem Parteitag für eine weitere Amtszeit gewählt worden.
Der nordrhein-westfälische AfD-Landeschef Martin Vincentz hat sich „sehr zufrieden“ mit dem Abschneiden seiner Partei bei der Kommunalwahl gezeigt. „Unser ausgegebenes Ziel – eine Verdreifachung – haben wir offensichtlich erreicht“, sagte er der dpa nach der ersten WDR-Prognose. © Thomas Banneyer/dpa
Kommunalwahlen in Nordrhein-Westfalen - Düsseldorf
Der Generalsekretär der CDU in Nordrhein-Westfalen, Paul Ziemiak, hat das Kommunalwahlergebnis für seine Partei nach der ersten Prognose als großen Erfolg gewertet.  © Christoph Reichwein/dpa
Achim Post (SPD), spricht bei der Bewerbungsrede als stellvertretender Bundesvorsitzender.
NRW-SPD-Chef Achim Post freut sich darüber, dass die Sozialdemokraten „spürbar besser als zuletzt bei den Bundestagswahlen abgeschnitten“ hätten. Gleichzeitig betont er: „Kommunalwahlen finden niemals isoliert von der Politik in Bund und Land statt. Die Rechtsextremen gehen gestärkt aus dieser Wahl hervor. Mit dem heutigen Abschneiden können alle Parteien der Mitte nicht zufrieden sein, die in den letzten Jahren in Bund und Land Regierungsverantwortung getragen haben. Auch die schwarz-grüne Landesregierung hätte nach jetzigem Stand keine Mehrheit mehr in NRW.“ © Michael Kappeler/dpa
Bärbel Bas (SPD), Bundesarbeitsministerin, gibt vor einer Klausur des SPD-Parteivorstandes vor dem Willy-Brandt-Haus ein Statement ab.
Die SPD-Vorsitzende Bärbel Bas hat enttäuscht auf den Ausgang der Kommunalwahlen in NRW reagiert. „Es ist richtig, dass wir den Abwärtstrend nicht stoppen konnten“, sagte Bas im „WDR“. „Die Ergebnisse machen mich natürlich nicht glücklich.“ Dennoch seien die Werte kein Desaster, wie es ihrer Partei zuvor prognostiziert wurde. Aber: „Wir müssen uns natürlich fragen, wie wir aus diesem Tief wieder rauskommen“, sagte Bas, die im Ruhrgebiet aufwuchs. Das gute Ergebnis der AfD müsse allen demokratischen Parteien Sorge machen. © Jörg Carstensen/dpa
Politischer Frühschoppen auf dem Volksfest Gillamoos
Bei den Grünen ist die Enttäuschung derweil groß. „Es war klar, dass wir bei dieser Wahl nicht das Ergebnis von 2020 wiederholen werden“, sagte Parteivorsitzender Felix Banaszak dem WDR: „Mit dieser Situation wurden wir bei der Bundestagswahl konfrontiert. Das ist Ausdruck einer recht fundamentalen Verschiebung der politischen Lage. Ökologische, progressive Politik hat es gerade schwer.“  © Lukas Barth/dpa
Die Landesvorsitzenden der Grünen in Nordrhein-Westfalen, Tim Achtermeyer (l.) und Yazgülü Zeybek bei einer Pressekonferenz der Grünen im Landtag von Nordrhein-Westfalen.
Die Landesvorsitzenden der Grünen in Nordrhein-Westfalen, Tim Achtermeyer und Yazgülü Zeybek, sagen in einem gemeinsamen Statement: „Mit Blick auf die ersten landesweiten Zahlen gratulieren wir der CDU NRW, sie hat diese Wahl gewonnen. Unser landesweites Ergebnis bleibt hinter unseren Ansprüchen zurück. Bei der vergangenen Kommunalwahl hatten Zukunftsthemen Rückenwind, derzeit haben sie oft Gegenwind. Das macht sich dann auch in den Wahlergebnissen bemerkbar.“ © Henning Kaiser/dpa
Bundestag - Haushaltsberatungen
„Wir sind ein bisschen hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Es ist trotzdem eine deutliche Verbesserung zur letzten Kommunalwahl. Das ist für uns entscheidend“, sagte Sascha Wagner, Sprecher des Landesverbands der Linken gegenüber dem WDR. © Katharina Kausche/dpa
Jens Spahn (CDU), Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, sitzt bei einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa im Newsroom der Nachrichtenagentur.
Der Ausgang der Kommunalwahlen in NRW hilft nach Einschätzung von Unions-Fraktionschef Jens Spahn auch der schwarz-roten Koalition im Bund. „Das starke Ergebnis in NRW ist der Lohn der guten Arbeit vor Ort. Es gibt aber auch Rückenwind für die Koalition in Berlin“, sagte der selbst aus Westfalen kommende CDU-Politiker der dpa. Das Ergebnis sei Ansporn für eine ruhige pragmatische Arbeit. Das werde von den Menschen belohnt, wie man sehe. „Der Zuwachs der extremen Rechten muss uns allen ein Weckruf sein: Armutsmigration, Sozialmissbrauch und zu oft gescheiterte Integration dürfen nicht tabuisiert werden“, sagte Spahn. „Wir müssen diese Probleme endlich durch konkrete Entscheidungen lösen.“ © Bernd von Jutrczenka/dpa
Sitzungen und Statements der Bundestagsfraktionen - AfD
Tino Chrupalla hat das Abschneiden seiner Partei bei der Kommunalwahl als Erfolg bezeichnet. „Erste Prognosen rechnen damit, dass die AfD bei der Kommunalwahl in NRW ihre Stimmen verdreifacht hat“, schrieb der AfD-Chef auf X. © Helena Dolderer/dpa
Amid Rabieh, Stellvertretender Parteivorsitzender BSW, spricht beim Gründungskongress des Jugenbündniss im BSW.
BSW-Landesvorsitzender Amid Rabieh: „Vor dem Hintergrund der massiven Behinderungen in NRW für kleinere Parteien, die nicht im Bundestag vertreten sind, bei ihrem Antritt zur Kommunalwahl, können wir mit unserem Ergebnis zufrieden sein: In den Städten und Kreisen, in denen wir antreten konnten, haben wir offensichtlich ordentlich abgeschnitten.“ © Christoph Reichwein/dpa

Bei allen drei Stichwahlen mit AfD-Beteiligung wollen sich CDU und SPD gemeinsam gegen die AfD-Kandidaten unterstützen. Das kündigten Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) und SPD-Landesparteichefin Sarah Philipp noch am Wahlabend im WDR an. „Da, wo die CDU mit der AfD in der Stichwahl ist, da ist für mich als Sozialdemokratin ganz klar, wir unterstützen natürlich die CDU“, sagte Philipp. Das erwarte sie umgekehrt auch von der CDU. Wüst pflichtete ihr bei: „Wenn jemand von der AfD in der Stichwahl ist und jemand von einer demokratischen Partei, dann wissen Demokraten, was zu tun ist.“

Absturz der Grünen bei der Kommunalwahl in NRW – mehrere Kandidaten in der Stichwahl

In sechs NRW-Kommunen siegte am Sonntagabend ein Kandidat oder eine Kandidatin der Grünen, allerdings ohne Mehrheit. Wenig überraschend dabei: Köln und Münster, die „grünen Hochburgen“ von NRW. In Köln fuhr zudem die Linke ihre bestes Zweitstimmen-Ergebnis ein: 10,8 Prozent. Wo die Grünen den ersten Wahlgang gewannen und gegen wen sie in die Stichwahl müssen:

Die Grünen mussten erhebliche Einbußen hinnehmen und zeigten sich enttäuscht. „Bei der vergangenen Kommunalwahl hatten Zukunftsthemen Rückenwind, derzeit haben sie oft Gegenwind“, teilten die Grünen-Landesvorsitzenden Yazgülü Zeybek und Tim Achtermeyer mit. 2020 hatten die Grünen mit 20 Prozent ihr bestes Ergebnis bei einer Kommunalwahl in Nordrhein-Westfalen erzielt. Laut vorläufigem Landesergebnis für dieses Jahr erreichte die Partei in den Stadträten und Kreistagen 13,5 Prozent und fiel wie auch schon bei der Bundestagswahl hinter die AfD (14,5 Prozent).

Rubriklistenbild: © Imago/ Karte: Ippen Media

Kommentare