Hitze belastet Herz und Gehirn – diese Tipps können bei 30 Grad Leben retten
VonMechthild Wiesrecker
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Bei Temperaturen über 30 Grad drohen ernste Gesundheitsrisiken. Ein Experte erklärt, woran ein Hitzschlag erkannt werden kann. Diese Sofortmaßnahmen können Leben retten.
Drensteinfurt – Sonnenschein und hohe Temperaturen gehören zum Sommer dazu und sorgen für gute Laune. Doch sobald das Thermometer auf über 30 Grad klettert, steigt das gesundheitliche Risiko – insbesondere für ältere Menschen und Kinder. Wie man sich vor Hitzeschäden schützt, erklärte Gesundheits- und Krankenpfleger Remigius Ratzki aus Beelen im Rahmen eines Vortrags beim Ü60-Treff in Drensteinfurt.
Mit rotem Saft demonstrierte Remigius Ratzki, wie sich bei Hitze mehr Blut in die äußeren Körperregionen verlagert – ein wichtiger Mechanismus zur Wärmeabgabe, der jedoch auch das Risiko von Blutdruckabfall und Kreislaufproblemen birgt.
Nachdem der Juli vergleichsweise wenige heiße Tage gebracht hatte, herrscht nun eine Hitzewelle mit erwarteten Temperaturen von 30 Grad und mehr. Angesichts des Klimawandels sei dies jedoch kaum überraschend, betonte Ratzki – und mahnte, auf solche Extremwetterlagen vorbereitet zu sein. Als Mitglied der Deutschen Allianz für Klimawandel und Gesundheit sowie von Health for Future liegt ihm das Thema besonders am Herzen. Deshalb gab er zu Beginn einen kurzen Überblick über Ursachen und Folgen des Klimawandels, stellte aber klar: „Es geht heute nicht darum, die Welt zu retten – sondern darum, wie wir gesund bleiben.“
Hitze als Gesundheitsgefahr
Hitze sei das größte klimabedingte Gesundheitsrisiko – und der Mensch könne sich daran nur begrenzt anpassen. Dabei gehe es nicht allein um neuartige Krankheitserreger oder verlängerte Allergiezeiten, sondern um die direkten Auswirkungen hoher Temperaturen.
„Die Hitze belastet das Herz-Kreislauf-System, das Gehirn, die Lunge und die Nieren. Frühgeburten nehmen bei Temperaturen über 35 Grad um 45 Prozent zu“, so der Experte. Der Körper verfüge zwar über Abwehrmechanismen – etwa verstärkte Durchblutung der Haut, Schweißproduktion oder Erweiterung der Blutgefäße – doch all das belaste das gesamte Herz-Kreislauf-System und das Gehirn, das diese Prozesse steuern muss.
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Eine gesunde, wasserreiche Ernährung könne helfen, den Körper zu entlasten. Empfehlenswert seien leichte Speisen, die den Verdauungstrakt nicht zusätzlich fordern.
Leichte Kost und viel Flüssigkeit
Wenn diese körpereigenen Mechanismen versagen, droht ein Hitzschlag. „Das ist ein echter Notfall“, so der Referent. Betroffene sind oft verwirrt, schwach oder bewusstlos, die Haut ist heiß und trocken. Erste Maßnahmen: in den Schatten bringen, Kleidung lockern, lauwarmes Wasser trinken lassen, nicht eiskalt kühlen. Bei Bewusstlosigkeit: stabile Seitenlage und Notruf.
Ein Hitzekollaps kündigt sich früher an – hier schwitzt die betroffene Person noch. Auch Hitzekrämpfe nach körperlicher Anstrengung oder ein Sonnenstich mit Symptomen wie Kopfschmerzen, Übelkeit oder Schwindel sind häufig. Die Soforthilfe ist ähnlich – ein Rettungsdienst wird nur dann gebraucht, wenn sich der Zustand nicht bessert.
Prävention im Alltag
„Vieles sagt uns der gesunde Menschenverstand“, so Ratzki. Wichtig sei, sich frühzeitig zur Wetterlage zu informieren – etwa per App oder über den Deutschen Wetterdienst. Lüften sollte man nur morgens oder abends, tagsüber die Fenster abdunkeln. Achtung, Elektrogeräte erzeugen zusätzliche Wärme auch im Standby-Modus, Pflanzen verbessern das Raumklima. Abkühlung bringen auch kühle Hand- und Fußbäder oder eine Wärmflasche mit kaltem Wasser.
Bei der Ernährung riet Ratzki zu kleinen Portionen, wasserhaltigen leichten Gerichten und salzhaltigen Snacks. Ausreichend trinken – am besten Wasser, Mineralwasser oder ungesüßte Kräuter- und Früchtetees. Kaffee sei bei Gewohnheit kein Problem. Alkohol hingegen belaste den Körper zusätzlich – wenn überhaupt, dann erst am Abend. Wichtig: Lebensmittel verderben bei Hitze schneller – auf die Kühlkette achten.
Besonderheiten bei Medikamenten
Menschen mit Vorerkrankungen, insbesondere Diabetiker (Unterzuckerung) oder Herzpatienten (zum Beispiel bei Diuretika), sollten sich bei Hitze besonders aufmerksam beobachten. Medikamente und Salben sollten nicht zu warm gelagert werden – Packungsbeilage lesen. Draußen gilt: körperliche Anstrengung vermeiden, Einkäufe nicht in der Mittagshitze erledigen, helle Kleidung und Kopfbedeckung tragen. Kinder nur im Schatten spielen lassen – oder auf die Abendstunden ausweichen. Und: niemals Kinder oder Haustiere im parkenden Auto lassen. Und gerade für die Vierbeiner gibt es bei Hitze besondere Tipps.
Zum Abschluss fasste Ratzki zusammen: „Es sind eigentlich alles bodenständige Dinge.“