VonJohanna Werningschließen
Weit entfernt vom Meer steht in Köln-Ehrenfeld ein Leuchtturm. Heute ist der Heliosturm vor allem ein Wahrzeichen. Früher aber hatte er eine wichtige Funktion.
Köln – Mit Leuchttürmen rechnet man auf Sylt, auf Fehmarn oder in anderen Küstenregionen – in Köln jedenfalls nicht. Das Meer ist nicht in Sicht und statt Möwen gibt es höchstens Tauben. Doch wer am Bahnhof Köln-Ehrenfeld steht und auf den RE1 in Richtung Dortmund oder eine Kölner S-Bahn zum Hauptbahnhof Köln wartet, kann ebenfalls ein Leuchtturm-Panorama genießen.
Denn tatsächlich steht mitten in Ehrenfeld ein Leuchtturm – und zwar schon seit fast 130 Jahren. Er ist der einzige Leuchtturm in ganz NRW: Aus dunklem Backstein steht er auf einem weiß gestrichenen Sockelgebäude und ist insgesamt 44 Meter groß. Drumherum herrscht Gewimmel. Musik-Clubs, Kneipen, Restaurants und originelle kleine Läden wechseln sich in bunter Folge ab. Auch zum Bahnhof, zum Kebapland und Herbrand‘s ist es von der Heliosstraße nicht weit.
Leuchtturm in Köln-Ehrenfeld: Mehr als ein Wahrzeichen
| Heliosturm in Ehrenfeld | |
|---|---|
| Adresse: | Heliosstraße 2, 50825 Köln |
| Gebaut: | 1894/95 |
| Höhe: | 44 Meter, davon 20 Meter Gebäude-Sockel und 24 Meter Turm |
Mittlerweile gilt der Turm als Wahrzeichen im Stadtbezirk Köln Ehrenfeld, doch früher hatte er eine wichtige Aufgabe. Doch die weiß so gut wie niemand. „Der war schon immer hier“, ist lediglich die typische Reaktion. Dass der Leuchtturm Schiffen auf dem Kölner Rhein den Weg gezeigt hat, ist zwar nur ein kölsches Märchen. Allerdings hat der Heliosturm tatsächlich dafür gesorgt, dass andere Leuchttürme in Küstengebieten sicher funktionieren. Der Kölner Leuchtturm war nämlich eine Art Versuchskaninchen.
Ab 1892 stellte die Helios-Elektrizitäts AG für elektrisches Licht und Telegraphenanlagenbau in Ehrenfeld – direkt an der Venloer Straße – Dynamos, Leuchten und Lampen her. Außerdem waren sie für den Bau und die Ausrüstung von Leuchttürmen zuständig, wie es vom Landschaftsverband Rheinland (LVR) heißt.
Leuchtturm in Köln war wichtige Test-Anlage
Ab 1894/95 gab es dann den Heliosturm auf dem Fabrikgelände, der eine Art Test- und Vorführanlage war. Hier wurden unter anderem die Leuchtmittel und andere technische Teile für Leuchttürme etwa in Borkum und Wangerooge ausgiebig getestet. So wurde sichergestellt, dass die Türme an der Küste korrekt ausgestattet werden und Schiffen den Weg weisen.
Leuchttürme
► Leuchttürme gibt es seit der Antike und spielen bis heute eine wichtige Rolle in der Seefahrt. Sie dienen unter anderem dazu, anzuzeigen, wo sich die Küstenlinie befindet oder aber um zum Beispiel vor Untiefen zu warnen.
► Moderne Leuchttürme benötigen qualitativ hochwertige Lichtquellen. Die Signale sollen bis zu 20 Seemeilen weit oder mehr sichtbar sein - das entspricht etwa 40 Kilometern.
► Umso wichtiger war einst die Aufgabe des Leuchtturms in Köln. Denn mithilfe der Tests am Heliosturm sollte sichergestellt werden, dass die Leuchtmittel für die Türme an der Küste auch wirklich funktionieren.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war die Helios AG eines der größten Unternehmen in Deutschland. Aufträge wurden europaweit angenommen. Das machte Köln-Ehrenfeld zu einem wichtigen Industriestandort. Nur wenige Hunderte Meter entfernt startete die Audi-Geschichte in einem ehemaligen Pferdestall. Doch schon 1905 war Schluss mit dem Helios-Erfolg. Die Elektrizitätsfabrik schrieb mehr und mehr rote Zahlen, wurde von anderen Unternehmen übernommen und 1930 schließlich komplett geschlossen.
Köln hat einen Leuchtturm – und nicht nur Jan Böhmermann ist Fan vom Heliosturm
Das Fabrikgelände ist in der Zwischenzeit zum Wohn- und Geschäftsgebäude umgebaut worden, doch der Straßenname und der Leuchtturm sind geblieben. „Meine These ist, dass er aber aufgrund seiner markanten Form schon relativ früh ein identitätsstiftender Faktor war“, sagt Ralf Liptau, wissenschaftlicher Referent im LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland.
Seit 1986 ist der Heliosturm ein offizielles Industrie-Denkmal und gilt heute neben dem Kölner Dom und dem Fernsehturm Colonius als beliebtes Wahrzeichen in Köln. Der Ehrenfelder Leuchtturm wird dabei auf T-Shirts und Taschen gedruckt.
Der Heliosturm hat sogar einen ganz besonderen Fan – und zwar Jan Böhmermann. 2021 wollte der ZDF-Moderator den Leuchtturm als Teil eines offiziellen Ehrenfeld-Wappens etablieren.
Besichtigen kann man den Turm jedoch nicht, und das finden viele Anwohnerinnen und Anwohner jammerschade – auch der bekannteste Ehrenfelder Günter Wallraff. „Es ist das Wahrzeichen Ehrenfelds und sollte nicht vor sich hingammeln“, sagt der Enthüllungsjournalist und Erfolgsautor. „Mit diesem kuriosen Turm können sich wirklich alle hier identifizieren, und deshalb sollte er unbedingt belebt werden.“ (jw mit dpa) Fair und unabhängig informiert, was in Köln, Düsseldorf und NRW passiert – hier unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.
Rubriklistenbild: © Oliver Berg/dpa


