Lösungssuche

Wambelner Straße: Tödlicher Unfall belebt Debatte um Risikostrecke

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Hilft eine Änderung der Vorfahrtsregelung: Auf der Kreuzung Wambelner Straße/Allener Straße entstehen viele brenzlige Situationen.
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Risikostrecke Wambelner Straße. Bürger und Lokalpolitiker nutzen nicht grundlos diese Bezeichnung für die Landesstraße zwischen Rhynern und Wambeln. Ein tödlicher Unfall hat die Diskussion nun neu entfacht.

Hamm – Viele Unfälle und noch mehr brenzlige Situationen auf der Wambelner Straße in Hamm lassen kaum eine andere Bezeichnung zu als „Risikostrecke“. Die zuständigen Behörden dagegen wollten in den vergangenen Jahren nicht von einer Risikostrecke, also einer Straße mit Unfallhäufung, sprechen und lehnten etliche Anträge der Politik ab. Der tödliche Unfall von Anfang Oktober 2023 hat die Diskussion über eine Lösungssuche neu entfacht. Die CDU-Bezirksfraktion hat dazu einen neuen Antrag gestellt.

Risikostrecke Wambelner Straße: Tempo

Dass bis vor gar nicht allzu langer Zeit auf der Wambelner Straße Tempo 100 gefahren werden durfte, war vielen jahrelang ein Dorn im Auge. Einige Male versuchte die Bezirksvertretung, die Behörden von einer Reduzierung zu überzeugen. Doch die sahen trotz der vielen Unfälle nie eine Veranlassung für ein Tempolimit. Die so genannte V85 (das ist die Geschwindigkeit, die von 85 Prozent der Kraftfahrer nicht überschritten wird) lag zwischen 70 und 75 Kilometer pro Stunde, führte der zuständige Landesbetrieb Straßen-NRW noch im Jahr 2018 als Argument an. Außerdem seien die Unfälle zumeist nicht auf überhöhte Geschwindigkeit zurückzuführen, so dass die Einführung eines Tempolimits nichts begründbar sei.

Vor gut einem Jahr gab es diesbezüglich offenbar ein Umdenken. Denn seitdem gilt auf der gesamten Straße Tempo 70. „Wir haben uns mit der Stadt Hamm abgestimmt und uns für ein Tempolimit von 70 Kilometern pro Stunde auf der gesamten Strecke entschieden, auch weil die Straße sehr viele Kurven hat“, erklärte Straßen-NRW-Sprecherin Nadia Leihs auf Anfrage. Damit endete ein Schilder-Wechselspiel auf dem Abschnitt zwischen Oberster Kamp und Auf der Breite: Ursprünglich Tempo 100 – wegen Straßenschäden Tempo 50 – nach der Sanierung Tempo 100 – wegen einer Baustelle Tempo 50 – und nun Tempo 70.

Erst seit einigen Monaten gilt auf der gesamten Strecke eine Höchstgeschwindigkeit von 70.

Risikostrecke Wambelner Straße: Kreuzung

Die Kreuzung mit der Allener Straße ist die wohl gefährlichste Stelle der Risikostrecke – zumindest ereigneten sich dort in den vergangenen Jahren die meisten Unfälle und Beinahezusammenstöße. Warum ist das so? Zum einen ist die Kurve dort ausreichend scharf, um bei hohem Tempo Probleme zu bekommen, die Spur zu halten. Zum anderen ist es für die Verkehrsteilnehmer, die von der Allener Straße auf die Wambelner Straße einbiegen wollen, alles andere als einfach, alles im Blick zu behalten.

Der Verkehr aus Rhynern kommend ist zwar einigermaßen gut sichtbar, ist aber auch nicht selten recht schnell unterwegs. Hinzu kommt beim Blick in diese Richtung, dass auch von der Straße „Auf der Breite“ noch Fahrzeuge kommen können. Um die Straße in Richtung Wambeln einsehen zu können, muss die passende Stelle neben den Bäumen gefunden werden und zudem muss sich der Fahrer langsam in die Kreuzung hineintasten.

Problem: Das kann dazu führen, dass in dieser Zeit der Verkehr aus Rhynern kommend für eine kurze Zeit aus den Augen verloren geht – und dann kann es schon zu spät sein. Die CDU fordert auch hier eine Lösungssuche (siehe Antrag im Kasten). Während der Sperrung der Bundesstraße 63 war für etwa zwei Wochen die Vorfahrt in diesem Bereich geändert. Verkehrsteilnehmer aus Wambeln kommend trafen hier auf eine Stoppstraße, während die Fahrzeuge zwischen Rhynern und Hilbeck eine abknickende Vorfahrt vorfanden. Diese Regelung hatte durchaus Fürsprecher – aber nicht nur ...

Risikostrecke Wambelner Straße: Wildwechsel

In Allen und Umgebung leben viele Rehe – entsprechend groß ist die Gefahr von Wildunfällen gerade im Abschnitt zwischen Allener Straße und Gewerbepark Rhynern. Aus der Jägerschaft war deswegen schon des Öfteren der Wunsch nach einem Tempolimit zu hören, da Wildunfälle nicht nur für die Tiere ein tödliches Ende haben können.

Risikostrecke Wambelner Straße: Radweg

In Höhe des Holthöfener Weges endet ein Rad- und Fußweg, der von der Autobahnbrücke in Rhynern beginnt und entlang des Gewerbeparks verläuft. Dieser Weg wird unter anderem von vielen Kindern und Jugendlichen genutzt, die zur Anlage des Reitervereins Rhynern wollen. Dazu ist eine Querung der Wambelner Straße erforderlich, was bei den hohen Geschwindigkeiten und der nun folgenden dunklen Jahreszeit große Gefahren birgt.

Der Antrag der CDU

„Die Bezirksfraktion der CDU beantragt eine signifikante Geschwindigkeitsreduzierung auf dieser kurvenreichen und gefährlich engen Straße, über die sich mittlerweile nicht nur der Ziel- und Quellverkehr zum Gewebegebiet in Scheidingen, sondern auch der Umleitungs- und Schleichverkehr der Werler Straße zwängt. Zusammen mit dem Landesbetrieb Straßen-NRW besteht hier dringender Handlungsbedarf, um die Gefahr weiterer Unfälle zu minimieren. Darüber hinaus halten wir es für zwingend erforderlich, die Vorfahrtregelung im Bereich der Wambelner Straße/Allener Straße zu überprüfen und diesen Kreuzungsbereich durch geeignete Maßnahmen zu entschärfen.“

Hätten Sie‘s gewusst? Vor 125 Jahren fuhr in Hamm die erste Straßenbahn. Zeitweise transportierten Bahnen auf vier Linien die Bürger durch Hamm. Wir blicken zurück.

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