Wasserstoff-Produktion in Hamm

Wasserstoff als Energieträger der Zukunft: Unternehmen helfen sich jetzt selbst

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Erster Standort für die Elektrolyse: Am Kraftwerk in Uentrop wird ein Elektrolyseur für die Herstellung von Wasserstoff gebaut. Einige Hammer Unternehmen halten die geplante Anlage für zu klein.
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Noch vor 2024 soll die erste Wasserstoffproduktion in Hamm laufen - doch Unternehmern geht es zu langsam, die geplante Anlage sei zu klein. Sie wollen das Thema nun selbst anpacken.

Hamm – Das Thema Wasserstoff beschäftigt auch viele Betriebe in Hamm. Sie setzen auf ihn als Energieträger der Zukunft. Einige von ihnen wollen aber nicht warten, bis die Anlage in Uentrop an den Start geht. Sie haben sich jetzt zu einer neuen Gemeinschaft zusammengeschlossen, um eigene Lösungen voranzutreiben.

„Mit der neuen Gemeinschaft werden wir Fakten schaffen und individuelle Lösungen zur Energieversorgung für Unternehmen“, so Gerhard Draband vom Bundesverband mittelständische Wirtschaft (BVMW), Leiter der Wirtschaftsregion Metropole Ruhr.

Unternehmen planen Wasserstoff-Produktionsanlage

Mit einem Auftakttreffen habe der BVMW eine Initiative gestartet, interessierte Unternehmen an das Thema Wasserstoff heranzuführen und untereinander zu vernetzen, damit die Technologie möglichst schnell verfügbar wird, so Draband.

Zusammenschluss: Beim Auftakttreffen dabei waren (von links) Gerhard Draband (BVMW), Patrick Reddehase (Hoffmeier Industrieanlagen), Frank Munk (Munk GmbH), Marian Gutsche (Voestalpine), Jan Zillmann (Jäckering), Thorge Peters (Voestalpine), Dr. Lukas Lüke und Robert Rauer (WEWhydrogen) und Richard Schmidt (Wilo).

Konkret planen die Technologieführer der Gemeinschaft, die Munk GmbH aus Hamm sowie WEWhydrogen und Wilo aus Dortmund, eine Wasserstoff-Produktionsanlage, die für viele Unternehmen, aber auch kommunale Nutzer oder große Wohnanlagen, einen Einstieg in die Energieversorgung mit Wasserstoff schaffen soll.

Kritik an Stadt: Entwicklung geht zu langsam

Aus Sicht von Draband gibt es beim von Stadt und Impuls vorangetriebenen Projekt zu wenig Fortschritte. „Deswegen helfen sich die Unternehmen jetzt selbst.“ Man sei mit Blick auf mögliche Förderungen bereits im Gespräch mit der Bezirksregierung Arnsberg.

Das wird eine Spaß-Anlage, die letztlich von der produzierten Menge her nur ein paar neue Wasserstoffbusse der Stadtwerke versorgen kann, wenn die denn auch mal kommen.

Gerhard Draband, Bundesverband mittelständische Wirtschaft

Derzeit ist eine Elektrolyseanlage in Uentrop (20 Megawatt) geplant, sie soll bis 2024 an den Start gehen. Ihre Größe bereite den an Wasserstoff interessierten Firmen Sorge, erklärt Draband. „Das wird eine Spaß-Anlage, die letztlich von der produzierten Menge her nur ein paar neue Wasserstoffbusse der Stadtwerke versorgen kann, wenn die denn auch mal kommen irgendwann.“ Für die zuverlässige und langfristige Energieversorgung von Produktionsbetrieben in großem Stil reiche die Anlage bei Weitem nicht aus.

Auch in Nachbarstadt entsteht Wasserstoffproduktion

Am Gersteinwerk in Stockum werde voraussichtlich ebenfalls eine Wasserstoffproduktion entstehen. Laut Draband mit deutlich größerer Kapazität. Dorthin schauten insbesondere die im Hammer Hafen ansässigen Firmen mittlerweile.

„Wir müssen deshalb als Standort aufpassen, dass wir nicht zu viel Zeit mit Warten vertrödeln. Andere Kommunen und Initiativen haben sich auch auf den Weg gemacht. Viele Dinge könnten parallel laufen, die das jetzt noch nicht tun“, meint Draband. „Das muss alles schneller gehen.“

Mitmachen: Interessierte Unternehmen können sich per E-Mail an gerhard.draband@bvmw.de der Gemeinschaft anschließen.

Hamm, Dortmund und Kreis Unna wollen Wasserstoffnutzung gemeinsam fördern

Die Städte Hamm und Dortmund sowie der Kreis Unna arbeiten nun zusammen, um Wasserstoff als Energieträger künftig nutzen zu können. Am Donnerstag gründeten sie die „Westfälische Wasserstoffkonferenz“: Sie wollen die Produktion und Nutzung von Wasserstoff als Energieträger gemeinsam fordern und fördern, den Energieträger so in die Region holen.

Jede Kommune solle dabei die eigene Stärke einbringen. Die Stärke Hamms sei es, „dass bei uns die große grüne Steckdose hinkommt“, sagte Hamms Oberbürgermeister Marc Herter: Hier endet die Amprion-Leitung aus dem Norden, die im Gigawattbereich grünen Strom von der Nordsee anliefert. Deshalb lohne sich die Produktion von Wasserstoff in Hamm am meisten. Bald soll ein erster kleiner Elektrolyseur in Hamm in Betrieb gehen und dazu beitragen, Wasserstoff als Energieträger zu etablieren.

Die neue Kooperation mit den Nachbarkommunen helfe vor allem dabei, zu kooperieren statt zu konkurrieren, Westfalen als Standort zu etablieren und so dafür zu sorgen, bei großen wirtschaftlichen Innovationen voranzukommen.

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