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Das Wasserstoffzentrum Hamm, das auf dem Trianel-Gelände im Gewerbegebiet Uentrop entstehen wird, hat einen weiteren Teilhaber: Die Stadtwerke Bochum haben sich einen 20-prozentigen Anteil gesichert. Außerdem gibt es neue Details zum Zeitplan.
Hamm - „Damit zeigen wir Pioniergeist“, sagte Bochums Oberbürgermeister Thomas Eiskirch bei der Bekanntgabe am Montag in Uentrop. Der Schritt lag laut Eiskirch aus mehreren Gründen nahe: Die Bochumer Stadtwerke sind mit 30 Prozent größter Anteilseigner an Trianel, dem Stadtwerkeverbund mit Schwerpunkt auf Energie. Und die Stadt habe sich vorgenommen, bis 2035 klimaneutral zu sein. Die Faktoren Energiesicherheit und Unabhängigkeit von Energielieferanten habe zu der Notwendigkeit geführt, sich diverser aufzustellen.
Von Pioniergeist sprach auch Sven Becker, Sprecher der Trianel-Geschäftsführung, als er auf den Standort Hamm im Zusammenhang mit dem Umbau der Energiewirtschaft einging: Mit dem Elektrolyseur werde ein neues Kapitel aufgeschlagen, um klimafreundliche Energie zu produzieren und Speicher für erneuerbare Energien zu schaffen.
Energiewende findet in der Fläche statt
Becker wies auch auf einen notwendigen Umdenkprozess in der Politik hin: Bisher werde beim Thema Wasserstoff immer von Großprojekten an industriellen Standorten gesprochen. „Ich bin aber überzeugt, dass die Energiewende in der Fläche stattfinden wird mit kleineren, dezentralen Projekten“, so Becker.
Die Wirtschaftlichkeit des Wasserstoffzentrums Hamm wurde laut Becker mit der Machbarkeitsstudie belegt. Bis Ende 2023 soll der Baubeschluss erfolgen, dann könne die Produktion nach 15-monatiger Bauzeit im Jahr 2025 beginnen. Die leichte Verzögerung – ursprünglich war der Produktionsstart für 2024 angedacht – erklärte Reinhard Bartsch, einer der beiden Geschäftsführer des Wasserstoffzentrums, mit Verzögerungen bei der Auszahlung eines Zuschusses.
Er konkretisierte den aktuellen Zeitplan: Derzeit befinde man sich in der Ausschreibungsphase: „Wir gehen davon aus, die Aufträge in fünf bis sechs Wochen vergeben zu können.“ Wenn das Tempo beibehalten wird, habe die Bezirksregierung zugesagt, die Baugenehmigung ebenfalls zügig zu erteilen.
„Flaggschiff“ bei der Energiewende
Für Hamms Oberbürgermeister Marc Herter bleibt das Wasserstoffzentrum Hamm „das Flaggschiff“ bei der Strategie, grünen Wasserstoff als Treibstoff zu nutzen – nicht nur in den Bussen der Hammer Stadtwerke: Laut Bartsch, der auch Stadtwerke-Geschäftsführer ist, liegt ein entsprechender Förderbescheid für 30 Busse vor, die europaweite Ausschreibung solle möglichst noch Ende des Monats erfolgen. Herter wies darauf hin, dass auch Müllsammelfahrzeuge des Hammer Abfall- und Stadtreinigungsbetriebes mit Wasserstoff fahren sollen.
Die Frage danach, ob der Kostenrahmen von 20 bis 25 Millionen Euro, die im September 2021 bei der Gründung des Wasserstoffzentrums genannt wurden, gehalten werden kann, wurde nicht konkret beantwortet. Während Bartsch ganz allgemein auf den „um 15 bis 20 Prozent gestiegenen Baukostenindex“ hinwies, sprach Becker davon, dass die Entwicklung der Technologien rasante Fortschritte mache, und das Wasserstoffzentrum die innovativste Technologie erhalten solle.
Zahlreiche nichtkommunale Interessenten
Der 20-Prozent-Anteil der Stadtwerke Bochum stammt aus dem Anteil von Trianel, der zuvor 50 Prozent betrug. Von den verbleibenden 30 Prozent will sich Trianel bis auf wenige Prozente trennen, wenn es weitere – vorzugsweise kommunale – Interessenten gibt. Laut Klaus Horstick, dem zweiten Wasserstoffzentrum-Geschäftsführer, würden bereits zahlreiche nichtkommunale Interessenten „mit den Hufen scharren“.