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Mit den Dortmunder Stadtwerken (DSW) ist der nächste große Gesellschafter mit im Boot beim Wasserstoffzentrum Hamm.
Hamm - Es geht weiter beim Wasserstoffzentrum Hamm: 20 Prozent übernehmen die Stadtwerke Dortmund (DSW), nachdem die Bochumer Stadtwerke im Januar bereits ebenfalls 20 Prozent übernommen hatten. Die Anteile kommen aus dem Bestand der Trianel GmbH, die das Projekt zusammen mit der Stadt Hamm vor rund drei Jahren begründet hatte. Während der Hammer Anteil von 50 Prozent, den die hiesigen Stadtwerke halten, „unangetastet“ bleibt, wie Oberbürgermeister Marc Herter versicherte, stammen die veräußerten Anteile von Trianel.
Wasserstoffzentrum Hamm wächst weiter: Stadtwerke Dortmund sind mit im Boot
„Wir verstehen uns als Projektentwickler und sind als Statthalter in das Projekt gegangen“, erläuterte Sven Becker, Sprecher der Trianel-Geschäftsführung. Er schloss nicht aus, weitere Anteile zu veräußern. Denn so soll das kommunale Gemeinschaftsprojekt, dessen Investitionskosten aktuell auf rund 40 Millionen Euro kalkuliert werden, auf eine breite und sichere Basis gestellt werden. Becker wollte nicht ausschließen, die Leistung der aktuell mit 20 Megawatt geplanten Anlage zu erhöhen, falls es weitere Interessenten gibt.
„Hamm hat nichts abzugeben“, bekräftigte Herter, dass Hamm den Standortvorteil dieser Zukunftstechnologie voll ausschöpfen will: „Es ist wichtig, angesichts der Wertschöpfung, die hier entsteht, einen entsprechenden Anteil zu halten“, sagte der OB. Gleichwohl sind die Gesellschafter bei den anstehenden Investitionen wichtige Partner: „Hamm wird damit zum westfälischen Zentrum für grünen Wasserstoff, dem Treibstoff für die produzierende Wirtschaft und die Mobilität von morgen.“
Denn der Wasserstoff aus Uentrop soll einmal die Busse der Stadtwerke antreiben. „Aufgrund der Streckenlängen in Hamm haben wir uns gegen reine Elektromobilität entschieden, Wasserstoff ist hier besser geeignet“, sagte Reinhard Bartsch, Geschäftsführer der Stadtwerke und des Wasserstoffzentrums und rechnete vor: „Mit den hier produzierten 80 000 Megawatt könnten wir 800 Busse für ein Jahr rund um die Uhr fahren lassen.“
„Hamm hat nichts abzugeben“: Wasserstoffzentrum wächst weiter
Den Wasserstoff im öffentlichen Nahverkehr einzusetzen, ist auch ein Ziel der Dortmunder. Dafür plant die DSW nach Auskunft von dessen Vorstandsvorsitzenden Guntram Pehlke zwei Wasserstofftankstellen: „Die nützen nichts, wenn kein Material da ist. Darum sichern wir uns frühzeitig den Zugriff auf Wasserstoff.“ Heike Marzen, Geschäftsführerin der Wirtschaftsförderung Dortmund, gefällt der in Berlin oft verwendete Begriff „Champagner der Energiewende“ für Wasserstoff nicht: „Als bodenständige Westfalen wollen wir Wasserstoff vom Luxusprodukt zum Alltagsstoff in der Industrie machen.“
Markige Worte fand Herter für einen weiteren, diesmal historischen Vergleich mit dem einstigen Bergbau: „So wie einst die Kohle im Ruhrgebiet für einen wirtschaftlichen Aufschwung gesorgt hat, wird der Wasserstoff die Wirtschaft von morgen antreiben.“ Während Bartsch darauf hinwies, dass der Bau des Elektrolyseurs jetzt in der Genehmigungsplanung sei, „lernt“ die Bezirksregierung in Arnsberg als Genehmigungsbehörde laut Herter gerade zusammen mit der Stadt, wie ein solches Zukunftsprojekt umsetzt werden kann.