VonSarah Hankeschließen
Die ersten Arbeiten zum Abwasserbeseitigungskonzept haben begonnen. Für die Bürger in den Orten rückt der Abschied von ihren funktionsfähigen Kleinkläranlagen näher.
Welver – Bislang konnten die Bürger in den Ortsteilen Berwicke, Stocklarn, Einecke und Klotingen ihr „eigenes Ding“ machen. Nach und nach müssen sie jedoch Abschied nehmen von ihren Kleinkläranlagen. In den Ortsteilen Klotingen und Einecke haben die Arbeiten bereits begonnen.
Jahrelang war in Welver darüber gestritten worden; am Ende hat das Gericht in Arnsberg entschieden: Nach dem Abwasserbeseitigungskonzept (ABK) der Gemeinde Welver für den Zeitraum 2018 bis 2023, hat sich die Gemeinde Welver verpflichtet, abwasserwirtschaftliche Missstände in einem festgelegten Zeitrahmen zu beseitigen.
Die Entwässerung in den vier betroffenen Ortsteilen soll künftig dezentral und im Rahmen einer Druckentwässerung erfolgen. „Die gesetzliche Grundlage für die Umsetzung ließ keinen anderen Weg zu als den, den wir jetzt beschreiten“, sagt Bürgermeister Camillo Garzen zum Start der Bauarbeiten zum ABK, der zu spürbarem Mehrwert führen soll.
Abwasserbeseitigungskonzept der Gemeinde: „Voll funktionsfähige Kleinkläranlagen“
„Wir sind damit absolut unzufrieden, 80 bis 90 Prozent der Bürger sind hier eigentlich dagegen. Aber wir müssen das jetzt so hinnehmen“, sagt Arne Korn, Landwirt aus Einecke. „Wir haben voll funktionsfähige Kleinkläranlagen“, so Korn. Die Anlage des Obstbauern besteht aus Kammersystemen und Schilfbeeten als Filter. „Unsere Abwasserwerte sind immer top“, berichtet er.
Für Anlieger wie ihn ist der Anschluss ans öffentliche Kanalnetz mit enormen Kosten verbunden. Mit bis zu 40.000 Euro pro Haus sei zu rechnen, sagt er. Viele Betroffene sind unzufrieden mit der Berechnungsgrundlage für die Abwassergebühren, die nach Grundstücksgröße und nicht nach der Anzahl der Bewohner erfolgt. Ein Anlieger in Stocklarn, Otto Trottenburg, kritisiert, dass sein Zwei-Personen-Haushalt im Vergleich zu einem Nachbargrundstück mit 12 bis 13 Bewohnern deutlich mehr zahlen muss. Die Nachbarn zahlen 8000 Euro, sein Haushalt 25 .000 Euro.
Abwasserbeseitigungskonzept der Gemeinde: Freude über Beginn hält sich in Grenzen
„Das ist ja das Ungerechte“, findet Trottenburg. Auch er habe mit seiner Pflanzenkläranlage stets gute Werte erzielt. Zudem fehle ihm das Verständnis dafür, wieso Orte wie Blumroth oder Hacheney nicht angeschlossen werden müssen. Orte unter 2000 Einwohnern dürften laut EU-Recht selbst entwässern. Seinen Unmut darüber, wieso das für seinen und die anderen drei betroffenen Ortsteile nun nicht mehr gelten soll, machte er als Mitglied im inzwischen aufgelösten Abwasserverein deutlich - auch bei einem Protest vor dem Landtag. Erfolg hatten er und die anderen Anhänger damit nicht.
Auch bei Carsten Risse, Landwirt in Klotingen, hält sich die Vorfreude über den Beginn der Arbeiten zum ABK in Grenzen. „Eine nette fünfstellige Summe wird auf mich zukommen, ohne, dass ich einen wirklichen Nutzen davon habe“, sagt er. Dass sein Grundstück dadurch aufgewertet wird, glaubt er zudem nicht wirklich. Er findet es mehr als bedauerlich, dass er künftig auf seine Dreikammer-Membranfilteranlage verzichten soll. Auch ihre Anschaffung habe ihm einst eine Stange Geld gekostet. Nun muss er wieder investieren. „Das jetzige System funktioniert einwandfrei“, so Risse. Zu den Anschlusskosten kämen dann noch laufende Kosten.
Abwasserbeseitigungskonzept der Gemeinde: Die Kanalisation muss geregelt sein
Dafür, eine funktionierende Sache nur des Prinzips wegen zu erschlagen, hat auch Ben Gerhards kein Verständnis. Er selbst ist mit drei weiteren Grundstücken an eine Kleinkläranlage in Berwicke angeschlossen. Wer selbst entwässert, habe zudem ein ganz anderes Bewusstsein, Domestos lande selten im ländlichen Abwasser. „Wer sich um seinen eigenen Komposthaufen kümmert, der beachtet bestimmte Spielregeln“, so Gerhards.
Hintergrund und Kosten
Nach dem Abwasserbeseitigungskonzept (ABK) der Gemeinde Welver, genehmigt durch den Regierungspräsident Arnsberg, hat sich die Gemeinde verpflichtet, abwasserwirtschaftliche Missstände zu beseitigen. Für Berwicke, Stocklarn, Einecke und Klotingen ist der Anschluss an die öffentliche Kanalisation vorgesehen. Der grundstücksbezogene einmalige Kanalanschlussbeitrag ist ebenso durch die Anlieger zu entrichten wie die Kosten des Kanalanschlusses von der Hauptleitung bis zum Pumpschacht. Für die Kosten für die Herstellung des Stromanschlusses für den Pumpenbetrieb und der Umklemmarbeiten der Abwasserleitung von der vorhandenen Kleinkläranlage an den neuen Pumpenschacht müssen ebenfalls die Anlieger aufkommen. Die vorstehenden Kostenarten variieren grundstücksbezogen. 4,8 Millionen Euro werden in 2024 aufgebracht werden müssen, um die Kanäle zu verlegen. 1,64 Millionen sind für Berwicke vorgesehen, 1,3 Millionen für Klotingen, 1,1 Millionen für Einecke und eine gute Dreiviertelmillion für Stocklarn.
Der Berwicker war ebenfalls Mitglied des Abwasservereins und kritisiert, dass der politische Wille den Bürgern aberkannt wurde. Dass die Kanalisation geregelt sein muss, stehe für ihn außer Frage.
Abwasserbeseitigungskonzept der Gemeinde: „Die besorgten Bürger bleiben“
Jedoch sei nicht absehbar, wie sich das Dorf künftig entwickeln wird. „Man muss sich aus dieser Perspektive alle Wege offenhalten“, so Gerhards. Die Berechnungsgrundlage nach Durchschnittswerten möge vielleicht in der Stadt stimmen, nicht aber auf dem Land. Gerhards: „Wir können unser Abwasser nicht nach Grundstücksgröße bemessen, sondern wir müssen nach Personenzahl berechnen.“
Dennoch blickt Gerhards entspannt auf den Start zum ABK. Das heiße jedoch nicht, die Hände in den Schoß zu legen. Gerhards: „Auch wenn sich der Abwasserverein aufgelöst hat, die besorgten Bürger bleiben.“
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